Technology Review 6/2019
S. 70
Fokus
Internet

Braucht der Staat mehr Einfluss?

Der Cyberspace liegt nicht innerhalb eurer Grenzen. Ich erkläre den globalen sozialen Raum für unabhängig von der Tyrannei, die ihr uns aufzwingen wollt. Ihr habt weder das moralische Recht noch irgendwelche Mittel, sie durchzusetzen (...) Wir erschaffen eine Welt, die alle betreten können ohne Bevorzugung oder Vorurteil bezüglich Rasse, Wohlstand, militärischer Macht und Herkunft, in der jeder Einzelne an jedem Ort seine oder ihre Überzeugungen ausdrücken darf, wie individuell sie auch sind.“

John Perry Barlow,„Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace“, 1996

In Serverzentren wie dieser Halle im nordschwedischen Luleå speichert Facebook die Daten seiner rund 2,7 Milliarden Nutzer weltweit. Foto: David Levene / Eyevine / Picture Press

Es waren starke Worte, die der Songschreiber und Internetaktivist John Perry Barlow 1996 den Regierenden dieser Welt in seinem berühmten Manifest entgegenschleuderte. Seine Verheißungen haben sich allerdings nicht ganz bewahrheitet. Technisch gesehen ist das Internet – zumindest in den westlichen Gesellschaften – heute zwar tatsächlich eine Welt, „die alle betreten können“. Doch ein „herrschaftsfreier Diskurs“, wie ihn sich die Online-Utopisten erhofften, ist nicht in Sicht. Stattdessen durchzieht eine ganze Reihe anderer Spaltungen das Web: laut versus leise, aggessiv versus moderat, engagiert versus passiv, Trolle versus Gelegenheitsnutzer.

Was also tun? Braucht es mehr staatliche Eingriffe, um das Netz zu moderieren und Hass und Hetze einzudämmen?