MIT Technology Review 8/2019
S. 72
Fokus
Plastik

Das Problem anderer Leute?

In einer Allianz mit anderen Konzernen will sich BASF gegen die Plastikvermüllung einsetzen. Aber das Unternehmen ist gleichzeitig einer der weltgrößten Kunststoffproduzenten. Da stellt sich die Frage: Meint BASF sein Engagement wirklich ernst?

TR: Die chemische Industrie ist nicht für ihre Umweltschutzaktivitäten bekannt. BASF möchte nun mit knapp 30 anderen Unternehmen die Welt vom Plastikmüll befreien. Wollen Sie Ihr Image aufpolieren?

Stefanie Deuser: Das Image von Kunststoff hat in der Tat signifikant abgenommen. Plastik wird heute verteufelt, weil so viel in die Umwelt und ins Meer gelangt. Es gibt Druck von der Öffentlichkeit und von Regulatoren. Natürlich wollen wir die konkreten Projekte der Allianz entsprechend kommunizieren, aber die Allianz soll keine Vermarktungsgeschichte sein.

Stefanie Deuser, Projektkoordinatorin für die Alliance to End Plastic Waste, und Andreas Kicherer, Director Sustainability Strategy bei BASF. Foto: BASF

Warum sollen wir Ihnen glauben?

Stefanie Deuser: Obwohl wir als Chemieunternehmen kein Hersteller von Einwegplastikprodukten sind, gehen den CEOs von fünf Chemiekonzernen, darunter dem BASF-Vorstandsvorsitzenden Martin Brudermüller, die Bilder vom Plastikmüll im Meer nahe. Die CEOs wollen das Problem angehen. Für sie soll es nicht einfach nur eine weitere Initiative von vielen werden, sondern eine mit echtem Impact und die gesamte Wertschöpfungskette einbeziehen: von der Ölindustrie, der Chemie- und Plastikproduktion über Brands wie Henkel, Pepsi Cola und Procter & Gamble bis hin zum Abfallsektor.