Technology Review 2/2020
S. 28
Horizonte
Windkraft
Illustration: Technology Review

Luft raus?

Ohne Windräder keine Energiewende. So sagen es die Befürworter. Die Gegner ­hingegen sind überzeugt, dass es auch andere Wege zum Klimaschutz gibt, und sehen in den Rotoren vor allem Lärmquellen und Vogelkiller. Können also Solarmodule Windkraftwerke ersetzen? Wie groß ist die Gefahr für den Naturschutz? Und wie breit ist die Ablehnung tatsächlich? Acht Antworten auf eine hitzige Debatte.

Von Manuel Berkel

Neun Windräder noch, dann ist Schluss. Zu oft war das Freiburger Energieunternehmen Badenova auf den Kosten für geplante, aber letztlich nicht gebaute Windparks sitzen geblieben. Windkraftgegner und Naturschützer sorgen vielerorts dafür, dass sich Projekte um mehrere Jahre verzögern oder komplett scheitern. Von den bereits geplanten Windparks im Schwarzwald wird der Regionalversorger nur noch die ­Hälfte fertig bauen.

Die Freiburger bestätigen damit einen besorgniserregenden Trend. Der Ausbau der Windkraft ist im vergangenen Jahr dramatisch eingebrochen. In Zukunft könnte eine umstrittene Abstandsregel der Bundesregierung den Stillstand sogar auf ­Jahre zementieren: Windräder sollen selbst zu Mini-Siedlungen mit fünf Häusern einen Abstand von mindestens 1000 Metern einhalten. Mit dieser rigorosen Vorschrift könne die Bundesregierung ihr nächstes Etappenziel für Ökostrom jedenfalls streichen, warnt das Umweltbundesamt: „65 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien bis 2030 wären in Deutschland bei Einführung eines Mindestabstands von 1000 Metern zu Wohn­bebauung nicht erreichbar.“