Technology Review 2/2020
S. 56
Horizonte
Biotech
Illustration: Shutterstock

Die CO2-Fresser

Neue Bakterien verdauen Kohlendioxid zu Sprit. Ist das eine ökologisch korrekte Kraftstofffabrik – und vielleicht sogar die Rettung fürs Klima?

Von Susanne Donner

Aus Zucker machen Hefen Bier, seit Jahrtausenden. Nun verfallen Biotechnologen auf eine ganze andere Idee, Sinnvolles zu brauen. Sie verfüttern unter anderem Kohlendioxid an Mikroben in einem Kessel und heraus kommt: Ethanol. Damit fahren Autos, und chemisch ein wenig umgewandelt können mit dem Sprit auch Flugzeuge fliegen.

Die neue Brautechnologie macht das klimagefährliche Kohlendioxid zum Rohstoff. Und sie liefert Ethanol, ohne dafür Ackerflächen zu beanspruchen. „Angetrieben hat uns, dass die Biokraftstoffproduktion dringend benötigte Anbauflächen für Lebensmittel wegnimmt und den Hunger in der Welt verschlimmert“, sagt Michael Köpke, Direktor für Synthetische Biologie vom US-Unternehmen LanzaTech. Seit Kurzem braut das Start-up mit Hauptsitz in Chicago Ethanol neben einem chinesischen Stahlwerk. Aus den Abgasen der Fabrik entstünden pro Jahr bis zu 40000 Tonnen der energiereichen Flüssigkeit, so Köpke. Zurzeit errichtet LanzaTech eine weitere Kohlendioxidbrauerei in der belgischen Stadt Gent, und auf dem Gelände eines Metallverarbeiters in Südafrika plane man eine weitere. In Kalifor­nien liefen Gespräche mit der Mandel- und Makadamia-Nussindustrie, deren Abfälle in Biomassekraftwerken verbrannt werden. Der Abgasstrom könnte direkt in die Fermenter geleitet und ebenfalls an Bakterien verfüttert werden. Auch aus entweichenden Deponiegasen ließe sich wohl Kraftstoff ­erzeugen. Auf einer japanischen Mülldeponie laufe dazu gerade ein Test.