Technology Review 2/2020
S. 52
Horizonte
Bildung
Illustration: Selman Design

Das Experiment: Neun Tage ohne Smartphone

Halten es heutige Schüler und Studenten überhaupt noch ohne Smartphone aus? Und wie fühlen sie sich dabei? Ron Srigley unterrichtet an einem College in den USA und hat es ausprobiert.

Von Ron Srigley

Vor ein paar Jahren habe ich ein Experiment in einem Philosophiekurs durchgeführt. Meine Studenten hatten in einer Zwischenprüfung ziemlich schlecht abgeschnitten, und ich hatte das Gefühl, dass ihr ständiger Gebrauch von Handys und Laptops im Unterricht daran mitschuldig war. Also bot ich ihnen Extrapunkte an, wenn sie neun Tage lang ihre ­Geräte bei mir abgeben und über ihre Erfahrung schreiben würden. Zwölf Schüler – etwa ein Drittel der Klasse – nahmen das Angebot an. Was sie schrieben, war bemerkenswert.

Die Industrie erzählt uns gern, Mobiltelefone und soziale Medien würden Gemeinschaften aufbauen, die Kommunika­tion fördern, unsere Effizienz steigern und unser ganzes Leben verbessern. Tatsächlich fühlten sich die meisten Schüler ohne Handy zunächst verloren, desorientiert, frustriert, verängstigt. Aber nach zwei Wochen änderte sich das. Nun meinten sie, dass ihre Smartphones in Wirklichkeit ihre Beziehungen zu ­anderen Menschen behindern, ihr Leben beeinträchtigen und sie irgendwie von der „realen“ Welt abschneiden.