Technology Review 2/2020
S. 74
Fokus
Überwachung
Menschenmengen werden berechenbar. Foto: Shutterstock

Das ist doch nicht normal!

Die automatische Erkennung von Anomalien wird immer häufiger zur Analyse menschlichen Verhaltens in der Öffentlichkeit eingesetzt. Das verspricht mehr ­Sicherheit – und deutet auf eine Zukunft, in der jedes Abweichen vom Üblichen ­verdächtig ist.

Von Christian Honey

Eine Szene aus einem Überwachungsvideo auf dem Campus der University of Minnesota: ein Sommertag, der Himmel ist blau, Studenten laufen kreuz und quer über eine Rasenfläche, die von Gehwegen gesäumt ist. Doch plötzlich sprinten alle auseinander. Schnell ist der Platz wie leer gefegt. Im Bild erscheint ein roter Schriftzug: anomales Verhalten.

Das Video ist Teil des UMN Unusual Crowd Activity Dataset, einer Sammlung gestellter Überwachungsvideos zur Analyse ungewöhnlichen Verhaltens in Menschenmengen. Und der rote Alarm ist der Output eines Algorithmus zur Panikerkennung, den eine Forschergruppe aus der Türkei und Irland 2017 in einem Artikel für die Conference on Advanced Video and Signal-based Surveillance (AVSS) veröffentlicht hat. Er steht für einen recht jungen Trend in der KI-Forschung: die Methoden der automatischen Anomalie-Erkennung auf menschliches Verhalten anzuwenden.