Technology Review 2/2020
S. 82
Fokus
Überwachung
Jack Poulson erwartet von Ingenieuren und Technikern, Verantwortung für ihre Produkte zu übernehmen. Foto: Mark Sommerfeld/NYT/Redux/Laif

»Die Verantwortung liegt bei den Technikern«

Jack Poulson schmiss seinen Job bei Google hin, als er erfuhr, dass der Konzern an einer Such-App für China arbeitet. Sein Appell an alle Kollegen: Nehmt so etwas nicht hin!

Von Wolfgang Stieler

TR: Müssen Wissenschaftler und Techniker sich im Zweifelsfall individuell verweigern, um den Missbrauch von Technologie zu verhindern?

Jack Poulson: Lassen Sie mich Ihnen ein wenig Hintergrundinformation geben, die mein Verhalten vielleicht etwas klarer macht. Ich komme aus der angewandten Mathematik. Ich habe in der Computerphysik gearbeitet, und Teil meines Vertrags seinerzeit war auch, dass ich am Sandia National Lab arbeiten sollte – einer Forschungseinrichtung für Atomwaffen in den USA. Offi­ziell geht es darum zu verhindern, dass die existierenden Atomwaffen unzuverlässig werden. Aber es ist gut dokumentiert, dass dort auch an der Entwicklung neuer Atomwaffen gearbeitet wird. Die weitaus überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler dort ist der Meinung, dass ihr Job darin besteht, zu tun, was man ­ihnen sagt, und keine politischen Entscheidungen zu treffen. Ich fand das nicht akzeptabel. Ich denke, es bedeutet einfach, den schwarzen Peter weiterzugeben. Also wechselte ich den Job und ging in die Software-Industrie, wo ich nicht nur auf bessere Arbeitsbedingungen hoffte, sondern auch größere ­Autonomie. Ich wusste, dass Google gelegentlich die Privatsphäre verletzt. Über Probleme wie den Schutz von kritischen Journalisten oder Oppositionellen hatte ich noch nicht nachgedacht. Also, um Ihre Frage zu beantworten: Liegt die Verantwortung bei den Ingenieuren und Technikern? Ja, bei wem denn sonst?