Technology Review 2/2020
S. 84
Meinung
Foto: Peter Crowther

Und ewig grüßt die Jugendsünde

Ein Internet, das Fehltritte nie vergisst, ist nicht nur schlecht für ­junge Leute, sondern für die gesamte Gesellschaft.

In den meisten Gesellschaften herrscht Einigkeit darüber, dass Kinder und Teenager von Zeit zu Zeit Fehler machen dürfen, und dass diese Fehler anschließend vergeben und vergessen werden. Für Digital Natives ist diese langjährige Vereinbarung nun bedroht, weil selbst kleinste Fehler und Peinlichkeiten wie in Bernstein konserviert werden. Dadurch verlieren sie die Möglichkeit, neue Ideen und Identitäten zu erforschen, ohne Angst haben zu müssen, etwas zu vermasseln. Das sind nicht nur schlechte Nachrichten für sie selbst, sondern für die Gesellschaft insgesamt.

Meine Forschung über die Mediengewohnheiten der ­Jugendlichen zeigt, dass es zwei zentrale Gefahren gibt: Erstens sind einige bereits so risikoscheu, dass sie zumindest ­einen Teil der Experimente verpassen, welche die Adoleszenz ausmachen. Stattdessen kuratieren sie sorgfältig ihre Online-Identitäten und orientieren sich dabei mehr an CEOs als an ihren eigenen Peers.