Technology Review 2/2020
S. 95
Fundamente
Rückschau/Vorschau

Das Quanten-Rennen

An dieser Stelle blicken wir zurück auf ­Artikel, die vor fünf Jahren in Techno­logy Review erschienen sind. Diesmal: Quantencomputer

Der „Wettlauf ist in vollem Gange“, schrieb TR im Februar 2015. Denn in den Monaten davor waren immer mehr große Konzerne in die Entwicklung von Quantencomputern eingestiegen. „Im Juli 2014 verkündete IBM, in den kommenden fünf Jahren drei Milliarden Dollar in die Erforschung von Post-Silizium-Technologien stecken zu wollen. Ein Teil dieses Geldes – wie viel, verrät IBM nicht – geht in die Entwicklung von Quantencomputern“, schrieb TR. Nur zwei Monate später, im September 2014, verkündete Google, einen eigenen Quantenprozessor entwickeln zu wollen. Und auch Microsoft erklärte Ende 2014 erstmals ­offiziell, an einem sogenannten topologischen Quantencomputer zu arbeiten. Der sollte sehr viel robuster werden als die supraleitende Quantenarchitektur von IBM und Google. „Die prinzipielle Machbarkeit wurde gezeigt“, sagte der Quantenforscher Frank Wilhelm-Mauch von der Universität des Saarlandes. „Nun geht es darum, die Technologie weiter zu verbessern.“

Technology Review 2/2015: Wer baut den ersten brauchbaren Quantencomputer?

Dass sie dazu in der Lage sind, haben die großen Tech-Konzerne inzwischen gezeigt. Galten 2015 noch 14 supraleitende Qubits als das Maß der Technik, kann Google heute einen Chip mit 72 Qubits vorweisen. Zudem konnte Google 2019 erstmals zeigen, dass ein Quantencomputer Probleme lösen kann, die auf einem klassischen Rechner nicht lösbar sind. IBM setzt dagegen mit seinem „Q System One“ auf eine hochintegrierte Architektur, die auch außerhalb des Labors funktioniert. Microsoft konnte noch keinen spektakulären Durchbruch vermelden. Auf einer Konferenz im November 2019 erklärte die Direktorin der Quantencomputing-Forschung in Redmond jedoch, Microsoft sei „nah dran“, topologische Qubits herzustellen und gezielt zu manipulieren.