Technology Review 2/2020
S. 96
Fundamente
Jubiläum

Polens geheimer Sieg

Vor 80 Jahren gelang es erstmals während des Zweiten Weltkriegs, einen deutschen Funkspruch zu entschlüsseln.

Eigentlich galt die Verschlüsselungsmaschine der deutschen Wehrmacht als unüberwindbar. Schon die erste Generation der Enigma konnte rund eine Billiarde (1015) verschiedene Schlüssel erzeugen. Selbst wenn jemand jede Sekunde eine Kombination ausprobieren könnte, wäre er mehr als 300 Millionen Jahre beschäftigt.

Wie soll man eine solche Verschlüsselung knacken? Frankreich und Großbritannien versuchten es erst gar nicht. Dokumente zum Nachbau der Chiffriermaschine, die ihnen der deutsche Spion Hans-Thilo Schmidt zugespielt hatte, überließen sie deshalb Anfang der 1930er-Jahre ihren polnischen Verbündeten. Diese setzten drei Mathematiker auf die Enigma an. Bisher waren vor allem Sprachwissenschaftler mit dem Knacken von Codes betraut, doch die Enigma verlangte nach einem anderen Ansatz. Sie verband zwei Arten der Verschlüsselung: Zunächst überführten fest verdrahtete Walzen jeden eingegebenen Buchstaben in einen anderen. Da sich die Walzen bei jeder Eingabe weiterdrehten, wurde ein und derselbe Buchstabe jedes Mal anders verschlüsselt. So tauchten im verschlüsselten Text keine wiederkehrenden Muster von bestimmten Silben mehr auf (Kryptografen hassen Muster). Außerdem konnten Angreifer die Buchstaben nicht mehr anhand ihrer Häufigkeit ermitteln.