Technology Review 5/2020
S. 84
Fokus
Open Source
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Rolle rückwärts

Open-Source-Programme könnten ­Verwaltungen viel Geld sparen und ­Sicherheit bieten. Warum stellen dann Vorreiter wie München oder Niedersachsen wieder auf Microsoft um?

Von Joseph Scheppach

Erst sprang Microsofts CEO Steve Ballmer „bei mir aufgeregt im Amtszimmer herum“, erinnert sich Christian Ude an den Auftritt. Dann machte Bill Gates dem damaligen Münchner SPD-Oberbürgermeister ein verlockendes Preis­angebot. Doch selbst mit einem versprochenen Nachlass von 35 Prozent, so Ude, konnten die beiden nicht verhindern, was sie als „Krebsgeschwür“ bezeichneten und von dem sie fürchteten, es könnte Schule machen: die erste Abkehr einer Großstadtverwaltung von Windows.

Der Münchner Stadtrat beschloss Ende Mai 2003 mit der Mehrheit der rot-grünen Koalition, die IT-Infrastruktur für 15000 Desktop-Rechner der Verwaltung bis 2004 auf Open Source umzurüsten: von Windows NT 4.0 auf ein eigens auf die Münchener Bedürfnisse zugeschnittenes Linux („LiMux“).