Agil und kreativ arbeiten – und dabei Gutes tun

Die Aktion Mensch kennen viele als Soziallotterie zugunsten von Inklusion und einem selbstverständlichen Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung – als attraktiver Arbeitgeber ist sie dagegen weniger bekannt. Zu Unrecht, denn vor allem IT-Expert*innen fänden dort ein agiles und kreatives Arbeitsumfeld, sagt Nilson Reyes, Leiter des Teams Basissysteme und Office & Workplace im Informationsmanagement bei der Aktion Mensch.

Aktion Mensch – das ist doch dieser alteingesessene Verein mit den Lotterie-Überweisungsträgern auf Papier. Begegnen Ihnen solche Vorurteile häufiger, Herr Reyes?

Ja, erst neulich wieder. Da hatte ich ein Bewerbungsgespräch mit einem DevOps-Entwickler. Der hatte genau diese Meinung über uns. Im Laufe des Gesprächs war er völlig überrascht, wie modern wir arbeiten.

Wie haben Sie ihn überzeugt?

Ich habe ihm von unseren agilen Arbeitsmethoden in der IT-Abteilung erzählt und dass sich das Arbeiten bei uns eher anfühlt wie in einem Start-up – mit dem Unterschied, dass wir eine fest auf dem Markt etablierte Marke sind und auf langjährige Erfahrungswerte zurückgreifen können, was uns größere Freiheiten gibt. Wenn ich dann noch aufzähle, mit welchen Software-Werkzeugen wir arbeiten, sind sogar gestandene IT-Berater*innen überrascht. Die Bewerber*innen schätzen, dass wir eine Organisation mit einem relevanten und hochwertigen digitalen Angebot sind und dass das bei uns nicht nur eine hohle Phrase ist.

Nilson Reyes, Leiter des Teams Basissysteme und Office & Workplace im Informationsmanagement bei der Aktion Mensch.

Wie ist die Aktion Mensch organisiert?

Unser Verein ruht auf drei Pfeilern: Die Lotterie ist unser Motor – durch sie können wir uns wirkungsvoll für Inklusion einsetzen und unsere Loskund*innen haben gleichzeitig die Chance auf Millionengewinne. Die Einnahmen befähigen unseren Förderbereich, wo sich soziale Projekte bewerben können, die sich für eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung oder Kindern und Jugendlichen einsetzen. Dank rund vier Millionen Lotterieteilnehmer*innen können wir jeden Monat bis zu 1.000 Projekte unterstützen. Und drittens sensibilisieren wir mit umfassenden Aufklärungskampagnen und -inhalten für eine vielfältige Gesellschaft.

Und das alles ist digital?

Ja. So nehmen an der Lotterie beispielsweise viele unserer Kund*innen über unsere App teil, über die sie gleichzeitig auch Informationen zu unseren Förderprojekten und Aufklärungsthemen erhalten. Daneben haben wir ein breites Webangebot mit Informationsportalen wie Familienratgeber.de oder Inklusion.de. Und für den Förderbereich gibt es ein digitales Antrags- und Abwicklungs-Portal mit vielen zusätzlichen Services.

Kaufen Sie die Software von der Stange oder entwickeln Sie diese selbst?

Sowohl als auch. Standard-Enterprise-Software, die große Teile unseres Bedarfs abdecken kann, kaufen wir ein und passen sie an unsere Anforderungen an. So nutzen wir etwa SaaS-Angebote aus der Cloud, kommerzielle Datenbanken und CMS-Systeme. Wenn wir nichts finden, was unserem Bedarf entspricht, entwickeln wir es aber auch selbst, etwa bei neuen Lotterieprodukten.

Wie viele Personen arbeiten in der IT-Abteilung?

Insgesamt arbeiten bei der Aktion Mensch in Bonn 270 Personen. In der IT-Abteilung sind es derzeit etwa 35. Dazu kommen zahlreiche externe Partner*innen und Expert*innen, mit denen wir Hand in Hand zusammenarbeiten. Unsere Teams werden künftig aber natürlich weiter wachsen, um den Anforderungen des digitalen Wandels zu entsprechen und weiterhin mit der gleichen Schnelligkeit und Flexibilität zu agieren, wie wir es jetzt schon tun. Dazu suchen wir verstärkt neue Kolleg*innen, auch initiativ.

Was müssen die mitbringen?

Wir wollen Bewerber*innen mit IT-Hintergrund ansprechen, die Sinn in ihrer Arbeit suchen und damit etwas Gutes für unsere Gesellschaft bewirken wollen. Sie sollten Freude an der IT-Modernisierung mit neuen Technologien haben, mit einem Fokus auf Themen wie Cloud, DevOps und agile Prozesse, je nach Einsatzgebiet auch mit technischer Expertise etwa in der Webentwicklung oder Container-Technologien. Und sie sollten kreativ und an Weiterentwicklung interessiert sein. Unser Arbeitsalltag ist durch Flexibilität und Eigenverantwortung geprägt – das heißt, unsere Mitarbeiter*innen in der IT gestalten ihren Tagesablauf gemeinsam mit den Beteiligten in ihren Projekten nach agilen Gesichtspunkten. Sie haben bei uns großen Gestaltungsspielraum.

Bei der Aktion Mensch dürfte auch Barrierefreiheit ein Thema sein?

Ja, das ist ein zentrales Element unserer Arbeit – nach innen wie nach außen. Derzeit haben 12 Prozent unserer Kolleg*innen selbst eine Behinderung und deshalb legen wir – neben der baulichen Barrierefreiheit – auch bei unseren internen IT-Angeboten großen Wert darauf, dass sie barrierefrei gestaltet und von allen zu nutzen sind. Dazu führen wir auch regelmäßig Tests mit unseren Mitarbeitenden und externen Partner*innen durch. Und was intern selbstverständlich ist, gilt natürlich auch für unsere externen digitalen Angebote wie die Lotterie oder unsere Förder- und Informationsangebote. Schließlich ist Barrierefreiheit eine grundlegende Voraussetzung für eine gleichberechtigte Teilhabe.

An dem Know-how Ihrer Mitarbeitenden sind sicher auch andere Sozialorganisationen und Unternehmen interessiert. Wie oft werden Ihnen Kolleg*innen abgeworben?

In den letzten zwei Jahren gab es in meiner Abteilung keine einzige Kündigung. Das hat nicht nur etwas mit Corona zu tun, sondern aus meiner Sicht vor allem damit, dass wir ein attraktives Arbeitsumfeld mit vielen Zusatzleistungen bieten und dass unsere Mitarbeitenden einen Sinn in ihrer Tätigkeit sehen. Ich schätze an der Aktion Mensch sehr, dass wir unsere Werte auch in der internen Zusammenarbeit leben und uns ständig weiterentwickeln – und das vor allem auch in technologischer Hinsicht, was für IT-Spezialist*innen natürlich eine Herzensangelegenheit ist.

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