Wie ALDI SÜD auf SAP setzt

Der Einzelhandel verändert sich mit großer Geschwindigkeit. Ein zentrales Element: die IT-Landschaft, über die alle Prozesse global und skalierbar gesteuert werden können. Bisher arbeitete ALDI SÜD mit zahlreichen selbst entwickelten Programmen. Mit dem Umstieg auf State of the Art Softwarelösungen macht sich die Unternehmensgruppe fit für die Zukunft und schafft eine moderne und zukunftsfähige IT-Architektur.

ALDI SÜD IT hat sich dafür entschieden, eine zentrale, integrierte, moderne und standardisierte Systemlandschaft aufzubauen. Die Basis hierzu stellt ein ganzheitliches Redesign aller Prozesse dar.

Zunächst wurden unterschiedliche Software-Lösungen in mehreren Proof of Concepts nach einem Best-of-Breed-Ansatz evaluiert. Best of Breed bedeutet, dass für jeden Bereich die besten Lösungen ausgesucht und im Gesamtkontext integriert werden. Im Ergebnis standen diverse Standardlösungen unterschiedlicher globaler Softwareanbieter auf der Shortlist. Zukünftig setzt ALDI SÜD im Wesentlichen auf das Portfolio von SAP, aber auch auf Software von Adobe und Salesforce.

Patrick Dinnups, 36, Director SAP Operations CoE, erklärt: „Technologisch sind wir mit der Implementierung überall State of the Art. Dabei hat SAP einen großen Footprint in unserer neuen Systemlandschaft, für die wir im SAP-Kontext ausschließlich auf die HANA Technologie setzen.”

Der Kern der gesamten Systemlandschaft ist also ein SAP S/4HANA System, das sämtliche ERP-Funktionalitäten, d.h. alle Material- und Wertflüsse integriert. Entsprechend spezialisierte Satellitensysteme sind hier angeschlossen um alle Prozesse im Detail zu unterstützen.

“In SAP Ariba und SAP MDG werden als Beispiel unsere Einkaufs- und Stammdaten-Prozesse abgebildet. In SAP CAR werden alle Abverkäufe zentral gespeichert, d.h. alle Verkaufseinzelbelege, die jeden Tag in den Filialen erzeugt werden”, sagt Dinnups.

Ein Forecast- und Replenishment-System bestimmt dann über Algorithmen für jedes Land, welche Produkte in welcher Anzahl, in welche Filiale nachgeliefert werden müssen. Im Zusammenspiel sorgen die Systeme dafür, dass sämtliche Waren entsprechend der Abverkäufe im Ergebnis in allen Filialen weltweit in der richtigen Menge nachgeliefert werden können. Da alle Bereiche von der Lieferkette über Finanzen bis zu kundennahen Prozessen unterstützt werden, müssen hierzu auch mehrere 100 Integrationspunkte designt und implementiert werden. Dies erfolgt im Wesentlichen über SAP PO als Middleware-Technologie, die – für die meisten verborgen – im Hintergrund eine wichtige technische Komponente bildet.

Dinnups: “Dazu haben wir für die gesamte Systemlandschaft den SAP Solution Manager im Einsatz, über den zum Beispiel ein Monitoring der einzelnen SAP Komponenten bereitgestellt wird. Gleichzeitig unterstützt er uns im Gesamtbetrieb sowie der Weiterentwicklung unserer SAP Systeme mit zugehörigen IT-Prozessen.“

Der Umbau der gesamten Prozess- und Systemlandschaft mit Standardlösungen in unterschiedlichsten Ausprägungen – von onpremise über cloudbasierte Plattformen oder Software als Service Lösungen – stellt Herausforderungen für die gesamte Organisation dar. Auf der einen Seite darf der Betrieb der laufenden Systeme und des operativen Geschäfts nicht beeinträchtigt werden, auf der anderen Seite muss die Einführung der neuen Systeme koordiniert werden. Gleichzeitig ergeben sich aus dem Wandel aber auch viele spannende und gestalterische Aufgaben, die sich auch in der Definition neuer Zusammenarbeits-Modelle wiederspiegeln. Darüber hinaus wird auch die Unternehmenskultur von den stark wachsenden, international geprägten Teams bestehend aus internen und externen Experten neu geprägt.

„Wir haben zwar schon immer die Strategie verfolgt, dass unser gesamtes Produktsortiment in einem Land stets in jeder Filiale vorrätig ist. Das ist vom Grundsatz nichts Neues. Aber neu wird in Zukunft sein, wie granular wir zusätzliche Datenanalysen ausführen und basierend hierauf Entscheidungen treffen können“, sagt Dinnups.

Ein Beispiel: Ein Lieferant hat Joghurt in mehreren Geschmacksrichtungen im Angebot, Erdbeere, Banane, Vanille. Im Moment können die Computer aus den Kassensystemen nur erkennen, dass irgendein Joghurt gekauft wurde, aber nicht welcher. Wenn der Gesamtbestand an Joghurt in der Filiale sinkt, wird hierzu Nachschub angefordert. Eine definierte Zusammenstellung von Erdbeere, Banane und Vanille wird daraufhin nachgeliefert. Mit dem neuen System erkennen wir dagegen genau, welche Geschmacksrichtung verkauft wurde. Und wenn in der Filiale X Vanille der absolute Renner ist, dann kann sie genau so viel Vanillejoghurt nachgeliefert bekommen, wie sie braucht – und weniger Banane und Erdbeere. Das bedeutet mehr Kundenzufriedenheit, weil die Lieblingssorte in der passenden Menge verfügbar ist. Hierdurch wird im Endeffekt natürlich auch mehr Umsatz generiert.

So führen die neuen IT-Systeme von ALDI SÜD zu positiven Kundenerlebnissen in den Filialen. Für die ALDI SÜD-Mitarbeiter ist es allerdings eine Herausforderung. Dinnups sagt: ”Wir müssen völlig umdenken und die IT-Organisation so gestalten, dass wir es möglich machen, die technologische Basis sowie technische Möglichkeiten nah an den Bedarf und schlussendlich an den Kunden in den Filialen bringen. Dabei müssen wir uns fortwährend die Frage stellen: Wie können wir Prozesse optimieren, neue Geschäftsmodelle ableiten und gemeinsam mit allen Kollegen in der Wertschöpfungskette einen Mehrwert für den Kunden schaffen. Innerhalb der einzelnen Projekte werden wir daher von vielen internationalen Kollegen aus den USA und Australien und dem nahen europäischen Ausland unterstützt.”

“Dabei zählt die Innovationskraft eines jeden Einzelnen. Wir müssen die Situation mit einem unternehmerischen Blick betrachten. Offen sein, kollaborativ, im Team Sachen weiterentwickeln. Das ist eine Kultur- und Einstellungsfrage. Wie geht jeder an seinem eigenen Arbeitsplatz mit der Einführung neuer Softwarelösungen und permanentem Wandel um? Der übergreifende und nicht bei der Abteilung oder bei der IT bzw. Business stoppende Gedankenaustausch ist für mich zentral für den Erfolg,” sagt Dinnups

Genau solche neuen Kolleginnen und Kollegen sucht er auch für seine Abteilung. „Sie sollen eigenverantwortliches Handeln mitbringen, so dass sie in diesen komplexen Strukturen denken können, als Teamplayer agieren, und nicht als Einzelkämpfer“, sagt Dinnups. „Sie sollten über den Tellerrand hinausschauen und interkulturelle Kompetenzen mitbringen.”

 

 

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