Berufsprofil IT-Forensik: Auf digitaler Spurensuche

Beim Thema IT-Sicherheit gibt es nur zwei Arten von Unternehmen: die, die gehackt worden sind, und die, die es noch nicht wissen (James B. Comey, ehemaliger FBI-Direktor). Zwischen einem Angriff und dem Bekanntwerden vergehen oft Hundert Tage. Ist ein Hack erstmal erkannt worden, sind Unternehmen auf IT-Forensiker angewiesen. Sie untersuchen den Vorgang, sichern digitale Beweise und helfen so den Ermittlungsbehörden bei der Rekonstruktion des Angriffs sowie der Beweisführung gegen die Täter.

IT-Forensiker sind Spezialisten mit detektivischem Gespür. Der Beruf ist noch neu, der Bedarf an Fachkräften groß. Angriffe wie WannaCry, Petya/NotPetya oder der Hackerangriff auf den deutschen Bundestag im Jahr 2015 verdeutlichen nicht nur den Bedarf an IT-Experten, sondern insbesondere den Bedarf an IT-Sicherheitsfachleuten, zu denen die IT-Forensiker neben ethischen Hackern zählen, die beispielsweise Penetrationstests durchführen. IT-Forensiker werden allerdings erst gerufen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist: Nun geht es darum, herauszufinden woher der Angriff stammt und wie die Täter überführt werden können.

Die zentralen Aufgaben in der IT-Forensik sind:

  • die Sicherung von digitalen Beweisen,
  • die Untersuchung des Vorfalls anhand digitaler Spuren,
  • die Sichtbarmachung dieser Spuren im binären Code von IT-Systemen
  • sowie die Aufbereitung und Auswertung der Spuren für die ermittelnden Behörden.

Digitale Daten sind zugleich Ziel und Mittel bei IT-Straftaten

Im Zuge der Digitalisierung nehmen digitale Spuren eine immer größer werdende Rolle ein. Dokumente, Bilder, Mails oder Chat-Protokolle können als digitale Spuren herhalten, ebenso wie verschlüsselte Informationen, die auf Angriffe auf einzelne Server oder ganze Netzwerke hinweisen. Mithilfe dieser Daten können die Ermittler, die nur in den seltensten Fällen umfassendes IT-Know-how mitbringen, zielgerichteter arbeiten. Gleichzeitig sind Daten häufig das Ziel der Angreifer, um beispielsweise die Opfer von Cyberkriminalität zu erpressen. Daten sind also für beide sich gegenüberstehende Seiten der Schlüssel zum Erfolg.

Die Komplexität von informationstechnischen Systemen und die vielen Aspekte von Cyberkriminalität bringen Dynamik in den Job des IT-Forensikers. Er oder sie muss up to date” bleiben und die IT-Systeme mit all ihren Bestandteilen und Anwendungen sehr gut kennen. Denn genauso wie IT-Systeme einer ständigen Entwicklung unterzogen sind, passen sich Cyberkriminelle an die technischen Möglichkeiten an. Aktuell sieht es wohl so aus, dass mobile Endgeräte, vernetzte IT-Systeme oder das Internet als Ganzes nicht so schnell von der Bildfläche verschwinden. Daten und die Herrschaft darüber sind eines der wichtigsten und strittigsten Themen des 21. Jahrhunderts. Digitale Forensiker nehmen eine Schlüsselrolle in dieser Diskussion ein, weil digitale Daten ihr tägliches Brot sind.

Wie wird man digitale/r Forensiker/in?

Der Einstieg in den Bereich der IT- oder Computerforensik kann mit einer Ausbildung im Bereich Fachinformatik und einem anschließenden dualen Studium beginnen. Derartige Grundkenntnisse sind Voraussetzung für die IT-Forensik, da das Untersuchungsobjekt die Informations- und Kommunikationstechnik ist. Was vielen Interessierten unbekannt ist: IT-Forensiker brauchen ein Jahr Berufserfahrung im IT-Bereich oder bei Ermittlungsbehörden. Zudem müssen sie sich Kenntnisse in Jura aneignen, weil die Beweisführung mit digitalen Spuren vor Gericht standhalten muss. Computerforensik ist also ein interdisziplinäres Betätigungsfeld, das Know-how aus unterschiedlichsten Disziplinen bündelt.

Das einzige Manko: Der Masterstudiengang Digitale Forensik wird derzeit nur kostenpflichtig angeboten. Durch Kooperationspartner wie die BWI GmbH mit Hauptsitz in Meckenheim ist es jedoch möglich, digitale Forensik ohne zusätzliche Kosten zu studieren. Die BWI bietet in Zusammenarbeit mit der FOM Hochschule für Oekonomie & Management (FOM), dem Steinbeis Center of Management and Technology (SCMT) und der Hochschule Albstadt-Sigmaringen vier berufsbegleitende Master-Studiengänge im IT-Bereich an. Neben IT-Management, Wirtschaftsinformatik, Big Data & Business Analytics zählt auch der Studiengang Digitale Forensik dazu.

Die beruflichen Perspektiven in der IT-Sicherheit sind vielversprechend. Doch wo fängt man an, wenn man sich für diesen Werdegang interessiert? Bis zu zweimal im Jahr findet der IT-Recruiting-Day der BWI statt, um Studierenden mit Bachelor-Abschluss den Einstieg zu ermöglichen. Interessierte können sich auf der Website it-recruiting-day.de informieren und direkt bewerben. Die Karrierewebsite der BWI bwi-karriere.de bietet zusätzliche Informationen zu den verschiedenen Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten bei der BWI, die von der Ausbildung zum/zur Fachinformatiker/in über diverse Stellen für IT-Experten/innen bis hin zu dualen Studiengängen mit Bachelor- und Masterabschluss reichen.