Tim Holthaus: „Einstellen und wohlfühlen“

Von einem beeindruckenden Bilderlebnis weiß Tim Holthaus von der Bergischen Universität Wuppertal zu berichten. In der täglichen Arbeit war er auch von einem immensen Zugewinn an darstellbarer Fläche bei gleichzeitiger Verbesserung der Sichtbarkeit von Details begeistert.

Nach dem unkomplizierten Aufbau des Bildschirms ging es sofort an die Erstkonfiguration des Bildes. Dazu nutzte ich zunächst das sensorische Menu (sechs Tasten) an der unteren Seite der rechten Bildschirmhälfte, welches gut strukturiert und selbsterklärend aufgebaut ist und alle Basiseinstellungen zur Farbtemperatur, Helligkeit und zum Kontrast beinhaltet. Neben farbspezifischen Einstellungen können weitere Einstellungen, zum Beispiel zur Verarbeitung des Eingangssignals und zur Energiereduktion, vorgenommen werden. Insbesondere Letztgenannte unterstreicht die selbstgesetzte ökologische Verantwortung von EIZO.

Durch den verbauten Lichtsensor, links neben den Sensortasten, steuert der EIZO FlexScan EV2785 die Helligkeit automatisch, berücksichtigt aber die individuell eingestellte Helligkeit, indem die Umgebungshelligkeit bei der Einstellung der Panelleuchtkraft als Korrektiv der hinterlegten Funktion genutzt wird. Wer die automatische Helligkeitssteuerung von anderen Geräten kennt, und nun denkt, er wird im Dunkeln sitzen gelassen oder ihm wird die Netzhaut verbrannt, dem sei gesagt: Die Funktion „Auto EcoView“ der fünften Generation macht den Job hervorragend. Die Helligkeit des Bildes ist absolut user-freundlich, brennt sich nie in die Augen ein und bietet trotzdem eine mehr als ausreichende Helligkeit – unabhängig von den jeweiligen Lichtbedingungen.

Abb. 1: Homogenitätstestbild, abgerufen über https://www.eizo.de/monitortest/ (Foto: Tim Holthaus)

Insgesamt stehen dem Benutzer neben vier vorkonfigurierten Profilen noch zwei weitere, selbst konfigurierbare Profile zur Verfügung, auf die innerhalb der Software „Screen Instyle“ zurückgegriffen werden kann. Diese bietet zudem weitere Einstellmöglichkeiten neben den bereits im „Ersten Eindruck“ beschriebenen Funktionen wie dem „Cicadian Dimming“ und den programmabhängigen Farbprofilen. Dazu zählt das Abschalten des Bildschirms inklusive automatisiertem Sperren des Windows-Benutzerprofils über eine Verknüpfung auf dem Desktop.

Zur Nutzung der „Screen Instyle“-Funktionen wird der Bildschirm mittels des mitgelieferten USB-C Kabels mit dem PC verbunden. Eine Treiberinstallation ist dazu offensichtlich nicht notwendig. Werden zwei oder mehrere EIZO-Bildschirme gleichzeitig genutzt, lassen sich die Einstellungen von einem Gerät auf die anderen übertragen. Alternativ können über einen „Screen Instyle Server“ auch netzwerkweite Einstellungen vorgenommen werden, was insbesondere Administratoren freuen dürfte. Eine Überprüfung dieses Vorgehens konnte ich mangels zweitem EIZO-Bildschirms nicht durchführen. Schade finde ich, dass die Softwarelösung bisher (laut EIZO-Website) nur für Systeme mit einem Fenster verfügbar ist.

Bildeindruck

Das japanische IPS-Panel mit einer Pixeldichte von 163 ppi bei 3.840 x 2.160 Bildpunkten (4k UHD) liefert ein beeindruckendes Bilderlebnis, das dank der Entspiegelung wirklich immer blendfrei zu genießen ist. Trotz Entspiegelung bleiben sich Farben, Schärfe und Homogenität der Farbwiedergabe auch bei der Veränderung des Blickwinkels – sowohl vertikal als auch horizontal (!!!) – treu. Die horizontale Stabilität des Bildes ist besonders bei Pivot-Darstellungen, also bei einem hochkant dargestellten Bild, zu erkennen, und hat mich bereits bei mehreren Anwendungen überzeugt.

Auf der herstellereigenen Website können verschiedene Testbilder aufgerufen werden. Darunter befindet sich unter anderem der Pixeltest, der unsere Vermutung bestätigt: keine Pixelfehler. Die Homogenität der Ausleuchtung und der Farbwiedergabe ist gleichmäßig (vgl. Abb. 1) – auch wenn meine Kamera das nicht wirklich originalgetreu erfasste, die Darstellung der Farbverläufe gefällt mir gut. Beim Aufrufen der Testbilder für den Blickwinkel fiel mir die Tiefendarstellung des Bildschirms, die einen 3D-Eindurck vermittelt, auf. Leider konnte meine Amateurkamera dies nicht einfangen.

Praxistauglich!

Im Praxistest überzeugte die Bildqualität. In GIS-Umgebungen profitiert der Anwender von einem immensen Zugewinn an darstellbarer Fläche bei gleichzeitiger Verbesserung der Sichtbarkeit von Details. Nach gut einer Woche im Betrieb habe ich jedoch den Bildschirm etwas näher zu mir herangezogen (ca. 55 cm Augenabstand), um das Potenzial der hohen Pixeldichte voll auszunutzen. Abb. 2 zeigt beispielhaft den Zugewinn an Arbeitsfläche. Oben rechts ist der Fernzugriff auf meinen Zweitrechner zu sehen – unskaliert bei 1080p.

Abb. 2: Fläche en masse: 1080p – nicht skaliert über Fernzugriff (oben rechts) (Foto: Tim Holthaus)

Durch die hohe Flexibilität des Panels kann es optimal und individuell an jede Situation angepasst werden. Der Bildschirm lässt sich in jede Richtung um 172° drehen, um -5° bzw. +35° neigen und um 17,8 cm in die Höhe heben. Die Oberkante des Bildschirms befindet sich dann auf gut 55 cm oberhalb der Tischkante. Wer eher kleingewachsen ist, kann das Panel aber auch bis auf das Standbein absenken, um somit die Oberkante des Bildschirms auf Augenhöhe auszurichten. Einen besseren Bildschirm in Bezug auf Ergonomie hatte ich bisher noch nicht! Allerdings hätte ich mir ein Feedback gewünscht, das den Bildschirm in „Normalstellung“ in Bezug auf Rotation und Drehung des Standbeins einrasten lässt.

Zur Bearbeitung von Karten im Hochformat kann der Bildschirm, wie gesagt, einfach um 90° gedreht werden. Abb. 3 zeigt beispielhaft einen Kartenausschnitt aus Paris. Obwohl der Ausschnitt den gesamten historischen Stadtkern darstellt, können aus normaler Arbeitsentfernung sogar kleinste Details erkannt werden (vgl. Abbildung 2). Neben der hohen Pixeldichte trägt die Darstellungsschärfe des Panels zu diesem Ergebnis bei.

Abb. 3: Bildschirm im Hochformat, Ausschnitt einer Karte von Paris (Foto: Tim Holthaus)

Aber auch im alltäglichen Office-Wahnsinn zeigten sich die Vorteile der hohen Auflösung und der scharfen Darstellung. Ich konnte problemlos drei Textfenster nebeneinander öffnen. Beim TEXen bedeutet das: Code-Fenster, PDF-Vorschau und Recherchematerial gleichzeitig auf einem Bildschirm! Eine tolle Ergänzung im Lesealltag bietet darüber hinaus der Paper-Modus, der beim Studieren von Texten den Blaulichtanteil reduziert und somit nicht nur die Augen schont, sondern auch zum schnelleren Einschlafen nach getaner Arbeit beitragen soll. Wie bereits oben erwähnt, kann das Umschalten in den Paper-Modus per „Screen Instyle“ programmabhängig konfiguriert werden. Die flimmerfreie Bildwiedergabe verringert zudem die Anstrengung der Augen.

Nach dem Einzug des EIZO-Monitors in mein Büro hatte ich den zweiten Bildschirm vom Schreibtisch entfernt. Aber wer kennt es nicht: Mal eben den zweiten PC, Server oder das Mobilgerät an einen weiteren Bildschirm anschließen, um ein paar Dinge zu erledigen. Klar könnte ein Zugriff auch über einen VPN erfolgen – einen direkten Zugriff über einen Bildschirm ersetzt das aber nicht immer.

Abb. 4: Gleicher Ausschnitt wie in Abb. 2 bei geringerem Abstand der Kamera (Foto. Tim Holthaus)

Damit der Schreibtisch aber aufgeräumt bleibt bzw. die neugewonnene Fläche weiterhin als Papierablage dienen kann, hat EIZO dem FlexScan EV2785 die Funktion Picture-by-Picture (PbyP) spendiert. Sie ermöglicht die Darstellung von zwei Bildschirmsignalen parallel und sorgt damit für einen freien Schreibtisch (vgl. Abb. 5). Über das Bildschirmmenu kann das Eingangssignal, wozu auch die PbyP-Funktion gehört, ausgewählt werden (Sensor ganz links).

Verarbeitung

Aufgrund der natürlichen und überaus realen Darstellung bleibt es nicht aus, dass Fingerabdrücke von beeindruckten Kollegen auf dem Bildschirm landen. Aber auch bei der Bildschirmausrichtung wird leicht auf den Bildschirm gegriffen. Viel Bildschirmrand zum Fixieren existiert nicht – 5,3mm sichtbarer Rand, wovon nur 1 mm auf den Gehäuserahmen entfällt. Nach mehrmaligem Beschmutzen des Bildschirms mit meinen Fingern kann jedoch festgehalten werden: Ein trockenes Baumwolltuch und die Flecken sind ruckzuck weg.

Abb. 5: Beispiel der PbyP-Funktion: Raspberry Pi mit Lubuntu (links) und Windows (rechts) (Foto: Tim Holthaus)

Der Bildschirm ist solide und erweckt alles andere als einen fragilen Eindruck. Beim Reinigen des Panels macht die Glasbeschichtung ebenfalls einen soliden Eindruck. Die verbauten Plastikteile – die anscheinend nur der Optik dienen – sind schick anzusehen und blenden nicht, wie es bei Geräten mit Pianolack-Finish der Fall ist. Obwohl für mich Praktikabilität immer vor Optik kommt, finde ich den Bildschirm optisch ansprechend. Netter Nebeneffekt der schmalen Bildschirmränder: Der Bildschirm nimmt nicht wesentlich mehr Platz ein als mein alter 24-Zöller.

Fazit

Wer sich durch den Preis (UVP: 1.189 Euro) hat abschrecken lassen, dem sei gesagt: Der Bildschirm ist es mehr als wert. Nicht nur die inneren Werte des japanischen IPS-Panels überzeugen, sondern auch die Ergonomie. Darüber hinaus bietet EIZO fünf Jahre Garantie, was ebenfalls die selbstgesetzten Anforderungen an die Nachhaltigkeit EIZOs und die hohe Verarbeitungsqualität unterstreicht. 4k und 27 Zoll passen perfekt zusammen und bieten ein Optimum an Detailreichtum bei gleichzeitigem Flächengewinn zur Darstellung. Nicht nur für GIS-Anwendungen aus meiner Sicht eine klare Kaufempfehlung.