Holger Scherrer: „Eine Bildfläche wie ein halber Kontinent“

Sichtlich angetan von der Bildqualität und der Auflösung ist Holger Scherrer beim FlexScan 3285. Er hat den EIZO-Monitor akribisch mit seinem bisherigen Bildschirm verglichen. Mit der Bedienung der Einstellungen ist er aber nicht zufrieden.

Von Holger Scherrer

Wer zum ersten Mal einen 32-Zöller auf seinem Schreibtisch sieht, beginnt zu zweifeln: Ist das nicht doch eine Nummer zu groß? Diese Frage beschäftigte mich vor zwei Jahren, als ein Philips BDM3270 zum neuen Mittelpunkt meines Schreibtischs wurde. Doch die Befürchtungen waren unbegründet, die Gewöhnungsphase dauerte nur ein paar Minuten. 32 Zoll sind für mich inzwischen die perfekte Wahl für die tägliche Arbeit mit mehreren offenen Dokumenten oder für den Videoschnitt.

Allerdings ist Größe nicht alles. Durch die enorme Bildfläche sieht man die Bildränder nun aus einem größeren Winkel als zum Beispiel bei einem 24-Zoll-Monitor. Eventuelle technischen Schwächen einiger Panels zeigen sich nun besonders deutlich in Form von Abschattungen, Unschärfen oder Farbverschiebungen.

Mein bisheriger Philips-Monitor leistet sich dabei kaum Schwächen. Allerdings besitzt er nur ein AMVA-Panel mit 2.560 x 1.440 Bildpunkten (QHD-Auflösung), so dass bei kleineren Schriftgrößen Treppenstufen sichtbar werden. Der EIZO FlexScan EV3285 bietet dagegen volle UHD-Auflösung (3.840 x 2.160 Bildpunkte) – ein direkter Vergleich ist somit nicht möglich. Die Frage sollte also eher lauten: Ist die höhere Auflösung in der Praxis wirklich ein Vorteil? Dazu später mehr.

Schlanker Riese

Der EIZO-Bildschirm wirkt schlank im Vergleich zum Philips-Gerät. Dies liegt vor allem am dünnen und mattierten Rahmen, bei dem EIZO zudem auf jeden spiegelnden Schnickschnack verzichtet hat. Für einen 32-Zöller erscheint der Monitor schon fast dezent. Die Verarbeitung ist erstklassig, nichts knarzt oder knackt. Lediglich zwei kleine Spalten am unteren Rand des Rahmens wollen nicht ganz in das Bild eines Premium-Monitors passen. Ein Nachteil des schmalen Rahmens soll nicht verschwiegen werden: Die integrierten Lautsprecher klingen selbst für den Bürogebrauch zu dünn.

In der Disziplin Mechanik kann der EIZO-Bildschirm wieder glänzen: Der FlexScan EV3285 ist flexibel höhenverstellbar, lässt sich schwenken und neigen und sogar fast vollständig drehen (um 340 Grad). Wie ich in meinem ersten Eindruck geschrieben habe, kann das im Büro sehr praktisch sein – zum Beispiel für ein spontanes Meeting am Schreibtisch.

Anschlussfragen

Neben einem Display-Port- und zwei HDMI-Anschlüssen besitzt der EV3285 einen integrierten USB-Hub sowie einen USB-C-Port mit Schnellladefunktion, der von Geräten mit entsprechender Ausstattung auch 4K-Grafiksignale entgegennimmt. Dafür wurde der VGA/D-SUB-Anschluss gestrichen – schade für einige treue Schätzchen aus meiner IT-Mottenkiste. Für den Lieferumfang gibt es dagegen einen Pluspunkt: Hochwertige Kabel für DisplayPort, HDMI und USB-C liegen in brauchbarer Länge bei.

Bedienung: Wo ist das Einstellungsmenü?

Wer braucht eigentlich noch ein Einstellungsmenü? Anscheinend niemand mehr, denn es gibt keine Tasten und keinerlei Beschriftung auf dem schmalen Rahmen. Aber wo könnte sich das Menü denn bloß verstecken? Links neben dem winzigen EIN/AUS-Symbol? Oder rechts? Muss man vorne klicken oder unten oder gar auf der Rückseite? Die winzigen Erhebungen im Rahmen sind keine wirkliche Hilfe.

Es folgt ein unbeholfenes Hin- und Herwischen mit dem Ziel, das Einstellungsmenü aus seinem Versteck zu locken. Eine Zumutung, wie ich finde – doch die Touch-Bedienung regiert die Welt, denn eine Touch-Funktion ist viel billiger in der Herstellung als echte Tasten. Andere Gründe dafür vermag ich nicht zu erkennen, denn aus ergonomischen Gesichtspunkten ist das blinde „Getatsche“ zumindest in diesem Fall eher ein Rückschritt.

Doch damit ist EIZO nicht allein. Der Fairness halber sei gesagt, dass die Touch-Bedienung des EV3285 zu den Besseren gehört, da die touch-aktiven Bereiche auf der Vorderseite des Rahmens liegen und nicht unten wie bei anderen Herstellern. Somit kann man nach einiger Übung mit dem Zeigefinger von der Rückseite gegenhalten, während der Daumen auf Suchfahrt geht.

Kurios ist die Bedienung einiger Menüs: Die eingeblendeten Schaltflächen sehen so verführerisch aus, dass der touch-konditionierte User natürlich direkt darauf tippt – doch außer Fingerabdrücken tut sich natürlich nichts, denn der EV3285 hat ja gar keinen Touchscreen. Die Navigationsanweisung für den Daumen lautet daher: Immer auf die pechschwarze Stelle knapp unter der eingeblendeten Schaltfläche drücken.

Es bleibt nur ein Trost: Zum Glück braucht man das Menü eher selten, und andere Hersteller machen es auch nicht besser. Allerdings würde ich in dieser Preisklasse eine praxisgerechte Lösung erwarten.

Wo sind die Schaltflächen? An die Menüsteuerung muss man sich beim EIZO FlexScan EV3285 erst gewöhnen.

 

Öko-Power

Beim Thema Umweltbewusstsein trumpft EIZO dagegen wieder auf. Der EV3285 wird standardmäßig mit aktivierten Energiesparoptionen ausgeliefert – sehr lobenswert.
Da die Grundhelligkeit im maximalen Energiesparmodus für meinen Geschmack etwas zu dunkel war, habe ich sie gleich am Anfang leicht angehoben. In meiner persönlichen Einstellung verbraucht der Monitor zwischen 25 Watt (dunkler Desktop-Hintergrund) und 31 Watt (Textdokument, zwei Seiten nebeneinander in Word). Für einen 4K-Monitor dieser Größe ein sehr guter Wert.

Die automatische Helligkeitsregelung funktioniert butterweich, es gibt keine abrupten Sprünge – auch nach vier Wochen in unterschiedlichsten Testszenarien ein sehr angenehmes und dezent arbeitendes Feature. Der Stromverbrauch im Standby-Modus liegt unter der Messgrenze von 0,1 Watt. Alle Messungen habe ich mit Voltcraft Energy Check 3000 durchgeführt.

„VorBildlich“

Natürlich ist die Bildqualität eines Monitors das entscheidende Merkmal. Und hier überzeugt der FlexScan auf Anhieb: welch ein grandioses Bild! Scharf, detailreich und sehr angenehme, ausgewogene Farben, die auch von der Seite betrachtet erhalten bleiben. Das IPS-Panel besitzt eine ausgezeichnete Blickwinkelstabilität. Die Ausleuchtung ist sehr homogen.

Im Vergleich mit dem bereits recht guten Philips-Panel sind die Vorteile des EIZO-Panels deutlich sichtbar: so gut wie keine sichtbaren Streifen, schön glatte Grauverläufe und nur sehr geringe Farbabweichungen bei großen Blickwinkeln. Dazu ist der Bildschirm perfekt mattiert und praktisch spiegelfrei. Das EIZO EV3285 liefert großes Kino. Hier passt der Spruch „You get what you pay for“.

Vergleich des Testbilds – links der Philips BDM3270, rechts der EIZO FlexScan 3285. Beide Monitore auf Full-HD (1.920 x 1.080 Pixel) eingestellt.

 

Vergleich der Homogenität – links der Philips BDM3270, rechts der EIZO FlexScan 3285. Beide Monitore auf Full-HD (1.920 x 1.080 Pixel) eingestellt.

 

Vergleich der Grauverläufe – links der Philips BDM3270, rechts der EIZO FlexScan 3285. Beide Monitore auf Full-HD (1.920 x 1.080 Pixel) eingestellt.

 

Praxistest: vier Wochen mit 4K

Eine Bildfläche wie ein halber Kontinent – wie sieht das eigentlich in der Praxis aus? Ist eine 4K-Auflösung wirklich sinnvoll oder reicht auch QHD?

Die Antwort ist einfach: Mit dem EV3285 geht beides. UHD als native Auflösung sieht natürlich großartig aus, aber auch das sauber hochskalierte QHD-Bild wird ansehnlich dargestellt.

Der entscheidende Punkt ist die Pixeldichte: Die 140 dpi des EIZO-Geräts sind das Maximum dessen, was meine Augen noch sinnvoll verarbeiten können. Das heißt im Umkehrschluss: Kleiner als 32 Zoll sollte ein 4K-Monitor eigentlich nicht sein, wenn man den Detailreichtum wirklich nutzen möchte.

Und täglich grüßt das Pixel-Tier

Eine solche hohe Pixeldichte führt leider immer noch zu Darstellungsproblemen bei Anwendungen und Betriebssystemen. Windows 10 macht hier am wenigsten Probleme – es versteht sich gut mit hochauflösenden Monitoren und erlaubt sogar eine stufenlose Anzeigeskalierung. Buchstaben sehen aus wie gemalt, und Texte lassen sich damit sehr angenehm lesen.

Das gilt zumindest für die Windows-Anwendungen und Microsoft Office 2016. Ältere Anwendungen verwenden teilweise Raster-Schriftarten, die bei einer Skalierung vollkommen „vermatschen“ oder am Fensterrand abgeschnitten werden. Sämtliche Varianten können sogar innerhalb derselben Applikation auftreten – das ist der Punkt, an dem Zweifel an der Sinnhaftigkeit von 4K/UHD auftreten.

Leider gilt dies auch für Linux. Bei Linux Mint 19 funktioniert die Skalierung der Schriften ganz passabel, nur die Schaltflächen blieben winzig – allen hilfreichen Tipps zum Thema HiDpi etc. zum Trotz. Aber mit der zunehmenden Verbreitung von 4K-Monitoren ist es sicher nur eine Frage der Zeit. Bis dahin genieße ich die praktischen Vorteile der riesigen Bildfläche.

Fazit

Die hervorragende Bildqualität des FlexScan EV3285 hat meine Erwartungen übertroffen. Die raffinierte Helligkeitsregelung, der energiesparende Betrieb und die erstklassige Verarbeitungsqualität sind die Trümpfe des EIZO. Leichte Abstriche gibt es nur bei der Bedienung und den integrierten Lautsprechern.

Die 4K-Auflösung möchte ich nicht mehr missen. Und ob Biathlon oder Bundesliga: Ein Full-HD-Livestream belegt auf einem 4K-Monitor nur ein Viertel der Bildfläche – da bleiben noch drei Viertel übrig für den produktiven Teil der Computer-Nutzung.