"Age of Empires 4" im Test: Als wär's gestern gewesen ​

Mit "Age of Empires 4" kehrt eine legendäre Serie zurück. Kann die Fortsetzung das untergegangene Imperium der Echtzeitstrategie wieder aufbauen? ​

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(Bild: Microsoft)

Von
  • Daniel Ziegener
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"Age of Empires 4" ist eine Zeitmaschine. Das Mittelalter-Strategiespiel führt Spieler zurück in eine Jugend, als man nach der Schule lieber gemeinsam mit William Wallace Schottland befreit hat, als die Hausaufgaben für den Geschichtsunterricht zu erledigen. Es ist eine Reise zurück ins goldene Zeitalter der Echtzeitstrategie, als man sich um die Jahrtausendwende herum noch wunderbar darüber streiten konnte, ob nun "Command & Conquer", "WarCraft" oder eben "Age of Empires" den Höhepunkt des Genres darstellt.

Heute spielt keine dieser Spieleserien noch eine große Rolle. Bei der nun sechzehn Jahre nach dem dritten Teil erscheinenden Fortsetzung muss man sich fragen, warum eigentlich. Denn "Age of Empires 4" weckt nicht nur nostalgische Gefühle, sondern macht immer noch genauso viel Spaß wie früher. Und das, obwohl es fast nichts an seinem Erfolgsrezept ändert: Man baut ein mittelalterliches Dorf auf, trainiert ein paar Reiter, Ritter und Rammen und brennt mit denen das Dorf seines Feindes nieder. Also alles wie immer?

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Der Einstieg fällt leicht, "ganz gleich, ob langjähriger Fan oder völliger Neuling", wie das Spiel selbst verspricht. Entwickler Relic Entertainment verzichtet auf Experimente, wodurch sich Veteranen sofort zuhause fühlen und Anfänger nicht überfordert werden. Der Wirtschaftskreislauf kommt wie eh und je übersichtlich mit den gerade einmal vier Ressourcen aus: Nahrung, Holz, Gold und Stein. Per Mausklick werden ansonsten faul herumstehende Dorfbewohnerinnen und -bewohner zum Holzfällen geschickt, bewirtschaften Felder und bauen Kasernen.

"Age of Empires 4" im Test (11 Bilder)

Bogenschützen dürfen neuerdings auf Burgmauern klettern. Das erhöht ihre Reichweite. (Bild: heise online)

Aus denen plumpsen nach wenigen Spielminuten die ersten Militäreinheiten. Fernkämpfer legen Infanteristen flach, Speerträger schlagen sich gut gegen berittene Einheiten, die schnelle Kavallerie wiederum macht Bogenschützen den Garaus. Dieses Schere-Stein-Papier-Prinzip offenbart im Laufe einer Partie mehr Ausnahmen als die deutsche Grammatik, spätestens, wenn die einzigartigen Einheiten der acht spielbaren Völker in den Kampf eingreifen. Aus dem einfachen Schere, Stein und Papier wird so am Ende eher die erweiterte Variante Schere, Stein, Papier, Eidechsen und Mr. Spock. Reiten die berittenen Bogenschützen der Mongolen in die plötzlich per Spezialfähigkeit aufgestellten Barrikaden der englischen Langbogenschützen, hat die einfache Faustformel längst ihre Bedeutung verloren.

Je näher die großen Entscheidungsschlachten am Ende einer Partie rücken, desto wichtiger wird solch taktisches Kleinklein. Wer seine Einheiten nicht gruppiert, in Formation bringt, vorteilhaft im Gelände positioniert und im richtigen Augenblick die richtigen Spezialfähigkeiten per Shortcut-Reihenfolge auslöst, wird schon auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad bald sein erstes Waterloo erleben. "Age of Empires 4" wird mit der Maus gesteuert, aber mindestens genauso viel mit der Tastatur.

Bei aller Vorbereitung und Planung hält die Ritter im Kampf weder Reih noch Glied und ihre Rüstungen verschmelzen zu einem großen Knäuel. Spätestens dann ist man ohne auswendig gelernte Tastenkürzel – Doppelklick, STRG+1, Y, langer Mausklick, Q, V, A – aufgeschmissen. Diese Kombination markiert übrigens alle sichtbaren Langbogenschützen, weist ihnen das Tastenkürzel "1" zu und bewegt sie in Reihenformation aus dem Schlachtgetümmel, wo sie Palisaden aufstellen und dann ihre Position halten. Puh!