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Anki Vector: Autonomer Mini-Roboter mit Charme und eigenem SDK im Test

Er ist irgendetwas zwischen WALL-E, R2-D2 und Tamagotchi. Aber ist Ankis Vector ein so großer Schritt für die Roboterheit, wie der Hersteller behauptet?

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Anki Vector: mobiler Mini-Roboter mit Charakter und integrierter Alexa

Inhaltsverzeichnis

"Über 250 Euro für einen hamstergroßen Spielzeugroboter???"
[Vector rollt ins Blickfeld]
"OMG, ist der knuffig!! Take my money!"

So ähnlich verliefen viele Erstbegegnungen der Kolleginnen und Kollegen mit Ankis neuem Mini-Roboter "Vector". Der zwitschernde Raupenroboter simuliert mit liebevoll animierten Augen, Kopf- und Schaufelarmbewegungen erstaunlich viele Emotionen: Vector (ab 339,99 €) freut sich, wenn er Personen erkennt, schreckt verängstigt vor Tischkanten zurück, gurrt beim Streicheln zufrieden, schließt zum Schlafen die Augen und schnarcht friedlich. Bemerkt er Bewegungen in seiner näheren Umgebung, wacht er auf und fährt von seiner Ladestation, um die Quelle der Bewegungen zu begutachten oder um mit seinem Würfel zu spielen.

Hinweis: UK-Importversion getestet

Derzeit ist Anki Vector in Deutschland noch nicht offiziell auf dem Markt. Wir haben daher die bereits in Großbritannien erhältliche europäische Version getestet, die man beispielsweise über Amazon bestellen kann. Der importierte Vector spricht bislang zwar nur Englisch, lässt sich aber dank seiner USB-Ladestation weltweit einsetzen. Ein separates Netzteil liefert Anki nicht mit, sodass man auf ein vorhandenes zurückgreifen muss.

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"Hey, Vector! Was taugst Du?" ... Ankis Mini-Roboter in Aktion

Ein langer Druck auf den Rücken schaltet den Roboter ein, der nach dem Booten seinen Kopf hebt und die Augen aufschlägt. Die Ersteinrichtung setzt die Vector Robot App für iOS (respektive die Vector Robot App für Android) voraus. Mit dem Smartphone oder Tablet stellt man eine Bluetooth-Verbindung her, um den Roboter ins WLAN (2,4 GHz) zu hieven, von Vector geschossene Fotos anzuschauen oder um erlernte Gesichter wieder zu löschen. Dass es ein 2,4-GHz-WLAN sein muss, begründet Anki mit weniger Stromverbrauch und größerer Reichweite als beim 5-GHz-Band.

Einmal per WLAN mit dem Internet verbunden, kommt Vector dauerhaft alleine zurecht – sofern er rechtzeitig zu seiner Ladestation zurückfindet, bevor der Akku leer ist. In unserem Test hielt Vector höchstens eine halbe Stunde durch, bevor er einen Boxenstopp einlegen musste. Vector bleibt auch in der Ladestation aktiv; nach zehn Minuten ist er wieder mobil einsatzbereit.

Anki Vector App (10 Bilder)

Die Startseite der Vector Robot App zeigt im oberen Drittel den "Sensory Feed" als Indiz für Vectors Aktivität; am unteren Bildschirmrand kann man nachlesen, was Vector gerade tut.

Schon Vectors Vorgänger "Cozmo (ab 138 €)" hatte jede Menge Charme. Allerdings steckte seine "künstliche Intelligenz" mangels eigener Rechenleistung komplett in dessen Companion App auf dem Smartphone oder Tablet.

Vectors Hirn ist hingegen der Qualcomm-Processor APQ8009, dessen vier Cortex-A7-Kerne genug Leistung entfachen, damit der Roboter die Daten seiner Sensoren autark auswerten kann.

Dank eingebautem Inertial-Sensor (Messung von Beschleunigung, Lage, Drehraten) und Infrarot-Laserscanner erkundet Vector die Umgebung mittels Simultaneous Localization and Mapping (SLAM). Das klappt bei einfachen Manövern bis auf den Zentimeter genau – solange der Roboter nicht von einem Hindernis vom Kurs abgebracht wird. Legt man Vector einen Gegenstand in den Weg, den er nicht überwinden kann, fährt Vector in die falsche Richtung weiter und korrigiert den Kurs nicht entsprechend. Offenbar überprüft die Roboter-Firmware die Fahrtrichtung nicht kontinuierlich, sondern nur an vorausberechneten Wegpunkten, an denen Vector die Richtung ändern muss.

Der zur Abstandsmessung unter Vectors 720p-Kopfkamera eingebaute Infrarot-Laserscanner löst bis in den Millimeterbereich auf. Um Vector vor Abstürzen aus größerer Höhe zu bewahren, stecken in allen vier Ecken des Unterbodens ebenfalls Infrarotsensoren. Sie leisten einen guten Job, bei unserem Test hat sich Vector nur einmal in eine Situation manövriert, bei der er beinah vom Schreibtisch gekippt wäre.

Während Cozmo nicht mal ein eigenes Mikrofon besaß (dafür musste das Smartphone oder Tablet herhalten), ist in Vectors Rücken ein Array aus vier Mikrofonen eingebaut, das mittels Beamforming bestimmt, aus welcher Richtung der Roboter angesprochen wurde, sodass er sich zu der sprechenden Person umdreht.

Ebenfalls im Rücken integriert ist ein goldfarbener kapazitiver Touchsensor, über den Vector registriert, ob er gestreichelt wird.

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