Ausprobiert: Schneller Resin-3D-Drucker Prusa SL1S Speed

Die zweite Fassung des Resin-Druckers ist äußerlich kaum verändert, hat subtil mehr Bauraum, ist schneller als ein FDM-Drucker – und leider nicht gerade billig.

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(Bild: Prusa Research)

Von
  • Peter König

Mit dem SL1S Speed hat Prusa Research die überarbeitete Version seines ersten Resin-3D-Druckers SL1 auf den Markt gebracht und den Vorgänger gleich aus dem Programm genommen. Der Hersteller hat Make ein Testgerät geschickt; beim Auspacken und der ersten Inbetriebnahme haben wir die Videokamera mitlaufen lassen.

Wie im Video zu sehen ist, machte uns der direkte Vergleich der neuen Maschine mit dem Vorgänger erst mal stutzig, da sich beide äußerlich kaum unterscheiden, die neue aber angeblich einen um 25 % größeren Bauraum aufweist. Der Zuwachs versteckt sich allerdings komplett in der leicht gewachsenen Grundfläche von Display und Drucktisch (jetzt 127 mm × 80 mm statt bisher 120 mm × 68 mm), die maximale Modellhöhe von 150 mm ist geblieben.

Leider ebenfalls geblieben ist der Umstand, dass weiterhin maximal hohe Drucke nicht in die (an sich sehr praktische) Nachhärtungs- und Waschmaschine CW1S passen, die es zusätzlich zu kaufen gibt – bei der ist nämlich bei rund 130 mm Modellhöhe Schluss.

Aus dem Make-Testlabor

Die Make-Redaktion probiert viel mehr aus, als ins alle zwei Monate erscheinende Heft passt. Deshalb veröffentlichen wir auf unserer Webseite in loser Folge weitere Testberichte.

3D-Druck

Der Sammelbegriff 3D-Druck steht heute für ein ganzes Bündel von Fertigungstechniken, die nach unterschiedlichen Prinzipien funktionieren und sich jeweils nur für ganz bestimmte Materialien eignen. Ihr gemeinsamer Nenner: Alle Verfahren bauen dreidimensionale Objekte, indem sie Material in dünnen Schichten auftragen und verfestigen.

Make 6/21

Mehr zum Thema gibt es in Ausgabe 6/21 der Make.

Überzeugend ist hingegen das Tempo, das der neue Drucker schon im Namen führt. Dank monochromen LCD für die Belichtung (auf das der Hersteller 2000 Stunden Garantie gibt), dauert das Aushärten pro Schicht deutlich kürzer als bisher, sodass sich die Druckzeit vergleichbarer Objekte gegenüber dem Vorgänger mehr als halbiert, bei gleichbleibender Qualität. Mit einem 15 cm hohen Turm aus 0,5 mm dünnen Schichten ist der SL1S Speed nach 3 Stunden und 48 Minuten fertig, der SL1 brauchte dafür noch 10 Stunden und 28 Minuten.

Noch frappierender ist der Vergleich beim Original_prusa_sl1s_calibration_test_object, das als fertig vorbereitete 3D-Druck-Datei auf dem Speicher des Geräts mit ausgeliefert wird. Für den ersten Druckertest ist sie mit einer Schichtdicke von 0,05 mm vorbereitet und ist nach einer knappen Stunde fertig.

Probedruck Prusa SL1S Speed (4 Bilder)

Für dieses Testmodell (das aus einer 3D-Karikatur des Firmenchefs Joe Prusa besteht, die an einer wabenförmigen Konsole steht) liegt eine fertig vorbereitete Druckdatei im lokalen Speicher des Druckers ...

Lässt man dieselbe Vorlage in identischer Größe für den FDM-Drucker Prusa Mini aus demselben Hause slicen, würde der fast anderthalb Stunden brauchen, aber auch nur bei der vierfachen Schichtdicke von 0,2 mm und bei Wahl eines auf Geschwindigkeit optimierten Druckprofils. Der FDM-Druck mit ebenfalls 0,05 mm dicken Schichten würde sogar 8 Stunden dauern – damit sind die Zeiten definitiv vorbei, in denen FDM-Drucker jedem Resin-Gerät davonliefen. Heute geht das Rennen anders aus ...

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Der Prusa SL1 Speed überzeugt bei der Geschwindigkeit und Druckqualität ebenso wie bei Details der Konstruktion, der Ausstattung (so liegen gleich Tauschfolien für das Harzbecken bei) und der Verarbeitungsqualität, keine Frage. Mit 1979 Euro (2549 Euro zusammen mit der Waschmaschine CW1S) kostet der Drucker aber fast Faktor 10 mehr als ein Gerät wie der Creality Halot One, der bei fast identischem Bauraum sogar auf ein ähnliches Drucktempo kommt.

Wir können natürlich an dieser Stelle keine Langzeiterfahrungen berichten, dafür ist das Gerät zu neu und bei uns in der Make-Redaktion ist ja auch kein 3D-Drucker in ähnlichem Dauereinsatz wie in der Industrie oder einer offenen Werkstatt. Insofern können wir nur sagen, dass der Prusa SL1 Speed so wirkt, als hätte man auch auf lange Zeit seine Freude am Gerät, was den hohen Preis ein wenig relativieren mag. Die bisherigen guten Erfahrungen mit Prusa-Produkten stützen diesen Eindruck jedenfalls.

  • Mehr zu Resin-3D-Druckern, bei denen flüssiges Kunstharz durch gezielte Belichtung ausgehärtet wird, steht in unserem Online-Artikel 3D-Druck per Stereolithographie.

(pek)