"Call of Duty Black Ops: Cold War" angespielt: Action voller Selbstherrlichkeit

"Call of Duty: Black Ops – Cold War" ballert sich dumpf und reaktionär durch den Kalten Krieg der 80er. Nur der Mehrspielermodus überzeugt.

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Von
  • Andreas Müller

"Call of Duty", "Black Ops", "Cold War" – klingt wie ein Einkaufszettel im Videospieleblockbustermarkt. So spielt es sich auch: Hier einen Gletscher runter, dort mit dem Maschinengewehr durch ein paar Russen pflügen oder einen Napalmangriff anfordern. Die Entwicklerstudios Treyarch und Raven erzählen in "Call of Duty Black Ops: Cold War" mal wieder eine Geschichte mit zunehmend ermüdender Mischung aus Pathos und Patriotismus.

Die knapp sechsstündige Story passt auf einen Bierdeckel: Eine Handvoll stolzer amerikanischer Jungs ziehen für US-Präsident Ronald Reagan in den Krieg. Das Feindbild ist klar: hier die guten Amerikaner, denen alles erlaubt ist, und dort die bösen Russen, die mal wieder die Welt an den Rand des Abgrunds drängen. Auf Abwechslung oder interessante Charaktere müssen die Spieler verzichten. Die Story ist vorhersehbar, vollgestopft mit Klischees und langweilig. Wie schon so oft bei "Black Ops" läuft es auf einen Twist am Ende hinaus, den Spieler mit einem Hauch Genreerfahrung schon nach den ersten 10 Minuten ahnen.

"Call of Duty Black Ops - Cold War" in 100 Sekunden

Was nicht heißen soll, dass es nicht an allen Ecken kracht – Spektakel können die Entwickler. Da fegt der Napalmteppich über ein Vietcong-Dorf und ein Flugzeug wird beim Start fetzig in die Luft gejagt. Wie immer ist das Waffengefühl hervorragend und sorgt mit den realistischen Soundeffekten für ein gelungenes Mittendrin-Gefühl. Nur gesehen haben die Spieler diese absurd-übertriebenen Actionszenen schon in den anderen Teilen der Reihe. Neue Ideen wie die Charaktergenerierung oder zwei Rätsel in Nebenmissionen wirken wie ein halbherziger Versuch, mit der Konkurrenz noch Schritt zu halten.

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Wo das Spiel punktet, ist der Multiplayer. Zahlreiche Spielmodi sorgen gegen- oder miteinander für unterhaltsame Stunden am Computer. Natürlich darf der beliebte Zombie-Modus nicht fehlen, in dem die Spieler gemeinsam Untote zurückschlagen. In unseren Anspielstunden erweist sich das als unkompliziertes Geballer, das mit Level-Ups und Belohnungen genauso motiviert wie die Vorgänger. Ob das aber auch noch in ein paar Wochen genauso Spaß macht, wird sich zeigen müssen.

Lässt man das Spielerische außer Acht, bleibt von "Call of Duty Black Ops: Cold War" aber nur die übliche rechtskonservative Aufbauhilfe für gekränkte Trump-Wähler. "Cold War" bedient Waffenfetischisten wie Patrioten. Nicht umsonst lungert im Hintergrund Ronald Reagan, die Ikone der nationalistischen USA. Ganz in seinem Sinne stimmen Treyarch und Raven eine Hymne auf die Vormachtstellung der USA an, die Reagan nicht nur in seiner Abschlussrede als "strahlende Stadt auf dem Hügel" bezeichnete.

Mit diesem moralischen Kompass agieren die amerikanischen Elite-Soldaten im neuen "Call of Duty" als skrupellose Weltpolizisten. Sie töten unbeeindruckt jeglicher Menschenrechte und hegen klare Vorurteile gegenüber anderen Völkern und Ideologien. Das ist nicht nur moralisch fragwürdig, sondern auch reaktionär und nationalistisch. Wo in den ersten beiden "Black Ops"-Teilen noch Kritik an den Methoden von CIA & Co. aufkam, ist es hier nur noch ein dumpfes Heldengemälde. In einer Zeit, in der die internationale Vormachtstellung der USA schwindet, wirkt dieser Ego-Shooter wie ein Versuch "die gute alte Zeit" US-amerikanischer Selbstherrlichkeit wiederzubeleben.

"Call of Duty Black Ops: Cold War" angespielt (5 Bilder)

"Call of Duty Black Ops: Cold War" ist spektakuläres Geballer mit einer fragwürdigen Grundhaltung. (Bild: heise online)

Spielerisch wandelt "Call of Duty Black Ops: Cold War" auf ausgetretenen Pfaden: Jedes Action-Setpiece haben die Spieler woanders schonmal genauso gesehen. Neue Ideen wie simple Rollenspielelemente oder Rätsel haben kaum einen Einfluss auf das Spielgeschehen. Nur im Multiplayer lassen die Entwickler die Muskeln spielen und liefern gewohnt motivierendes Geballer. Selbst Multiplayer -Fans sollten sich aber bewusst sein, welches politische Gedankengut sie damit unterstützen: Die Story-Kampagne ist dumpfes, reaktionäres Machwerk aus der untersten Schublade. Trotz des brisanten politischen Szenarios werden Methoden der Weltpolizei USA nie hinterfragt, sondern nostalgisch verklärt. Inhaltlich ist "Call of Duty Black Ops: Cold War" ärgerlich, spielerisch nur eine langweilige Wiederholung eines einstigen Erfolgsrezepts.

„Call of Duty: Black Ops – Cold War“ ist am 13. November für Windows, PS4/5 und Xbox One / Series X und S erschienen. Es kostet ca. 70 €. USK ab 18. Für unseren Artikel haben wir das Spiel auf der PS5 durchgespielt.

(dahe)