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Canon 4000D gegen Nikon D3500 im Test: Das taugen die Günstig-DSLR 96 Kommentare

Canon 4000D gegen Nikon D3500 im Test: Das taugen die Günstig-DSLR

Mit den Spiegelreflexkameras 4000D und D3500 richten sich Canon und Nikon an Foto-Einsteiger. Doch sind sie echte Schnäppchen oder ein einziger Kompromiss?

Hochwertige Bildqualität zu besonders günstigen Preisen versprechen die Einsteiger-Spiegelreflexkameras von Canon und Nikon. Sie richten sich an unerfahrene Fotografen, die ihre Fertigkeiten ausbauen und verbessern wollen, aber auch an Aufsteiger von Kompaktkameras und Smartphones. Im Bundle kommen sie mit dem passenden Objektiv schon für weniger als 500 Euro – teilweise für unter 300 Euro – nach Hause. Doch ist das tatsächlich ein guter Handel oder eher Frust vorprogrammiert? Um das herauszufinden, haben wir die Einsteiger-DSLR Canon EOS 4000D und Nikon D3500 gegeneinander antreten lassen.

c't Fotografie 1/2019

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Tatsächlich verfolgen Canon und Nikon hier ganz unterschiedliche Strategien. Ersterer Hersteller stellt sich im Einsteiger-Segment mit vier Kameras äußerst breit auf: Die 4000D ist die günstigste der Schwestern, die 800D die teuerste und hochwertigste des Quartetts. EOS 2000D und EOS 200D platzieren sich dazwischen.

Den besonders günstigen Einstieg in die Fotografie bezahlen 4000D-Fotografen mit einer deutlich abgespeckten, teils veralteten Ausstattung: Der Sensor bietet nur eine Auflösung von 18 Megapixeln und gehört nicht zur aktuellen 24-Megapixel-Generation wie er in den Schwestern steckt. Das rückseitige Display löst nur äußerst magere 230,000 Pixel (320 × 240 Bildpunkte) auf und kommt nur auf eine Größe von 2,7 Zoll. Dürftig sieht es auch mit Touch-Funktionen und Beweglichkeit aus, das bieten in Canons Einsteigerklasse nur die teureren 200D und 800D.

Nikons Modellpolitik ist leichter zu durchschauen, denn die D3500 steht hier eindeutig als einzige Einsteigerin da. Ganz so günstig wie die Canon 4000D ist sie allerdings nicht, dafür müssen Fotografen aber auch nicht vorsintflutliche Technik hinnehmen. Ihr Bildsensor bietet eine Auflösung von 24 Megapixeln, ihr Display kommt immerhin schon auf 921.000 Pixel (640 × 480 Bildpunkte). Touchscreen und Beweglichkeit fehlen auch hier. Außerdem kann die D3500 mit einer höheren Serienbildrate, einem etwas feiner abstimmbaren Autofokus sowie dem größeren Akku aufwarten.

Schon auf den ersten Blick unterscheiden sich Nikon D3500 und Canon 4000D erstaunlich deutlich voneinander. Die Canon-DSLR wirkt in ihrem klobigen, rundlichen Gehäuse größer und altbackener als die schlanke, geradlinige D3500, die sich optisch mit klarer Linienführung und neu angeordneten Bedienelementen außerdem unverkennbar von der Vorgängerin D3400 absetzt.

Mehr zum Thema: Nikon D3400 im Test: Spiegelreflexkamera für Einsteiger [2]

Dank ihres tief ausgeformten Griffwulsts liegt die D3500 auch besser und sicherer in der Hand als die Canon-Konkurrentin. Dazu fühlt sich ihr Gehäusematerial wertiger an. Aber machen wir uns nichts vor: Beide Kameras sind leichte Plastikbomber – ein robustes (Metall-)Gehäuse samt Staub- und Spritzwasserschutz finden Sie in dieser Preisklasse nicht. Wenn Sie darauf Wert legen und nicht zu viel tiefer in die Tasche greifen wollen, dann sollten Sie sich bei Pentax und seiner K-S2 umschauen, die es mit Objektiv für etwa 600 Euro gibt.

Canon EOS 4000D (4 Bilder) [3]

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Die 4000D verfügt über einen APS-C CMOS-Sensor, das Bajonett ist aus Kunststoff.

(Bild: Canon)

Bei den kleinen DSLR fehlen auf den ersten Blick außerdem ein paar Räder und Tasten im Vergleich zu den großen Geschwistern. Canon lässt sogar gleich den ON/OFF-Schalter weg und verfrachtet diese Funktion auf das Moduswahlrad. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen.

Ansonsten findet man sich schnell auf den kleinen Gehäusen zurecht. Mit besagtem Moduswahlrad gelangen Fotografen zu den Belichtungsautomatiken und der Vollautomatik. Dazu packen die Hersteller auch noch die Szenenprogramme für Porträt-, Landschafts- oder Nahaufnahmen mit aufs Rad – gut zu erkennen mit selbsterklärenden Piktogrammen.

Fotografen komponieren ihre Bilder bei DSLR eigentlich über den optischen Sucher. Das ist zumindest mit dem Canon-Modell, der ein winziges und eher dunkles Sucherbild zeigt, keine Freude. Nikon macht das besser: Das Sucherbild der D3500 ist heller und wirkt zumindest etwas größer. Der LiveView-Modus über das Display ist für Nikon-Fotografen eine Alternative, da es ein klares kontrastreiches, hinreichend hoch aufgelöstes Bild bietet, über das man die Schärfe gut abschätzen kann. Der Canon-Monitor ist dagegen ein Totalausfall und sogar ein Rückschritt im Vergleich zur älteren Canon 1300D, die 2016 als absolute Einsteigerin eingeführt wurde. Er taugt gerade einmal zur groben Abschätzung, ob das Motiv richtig im Bild sitzt. Die Schärfebeurteilung beim manuellen Fokussieren ist kaum möglich – wahrscheinlich ist diese Anwendung nicht vorgesehen.

Mehr zum Thema: Einsteiger-Spiegelreflexkamera Canon EOS 1300D im Test [5]

Obwohl die kleinen DSLR auf den Automatik-Betrieb hin optimiert sind, bieten sie dennoch etliche Direktzugriffe über das Gehäuse. Über ein Einstellrad steuern Fotografen Blende oder Belichtungszeit, im Zusammenspiel mit weiteren Tasten verändern sie damit außerdem die Belichtungskorrektur besonders flott. Die 4000D packt auch die ISO-Einstellungen gut sichtbar auf die Vierwege-Wippe, gleiches gilt für Autofokusmodus, Weißabgleich sowie die Betriebsart. Nikon macht das ähnlich. Beide Kameras bedenken darüber hinaus eine Taste mit einem Schnellmenü, über das Fotografen ebenfalls flott zu den wichtigsten Funktionen gelangen. Tasten nach den eigenen Wünschen zu belegen, erlauben beide Kameras nur äußerst begrenzt.

Nikon D3500 in Bildern (5 Bilder) [6]

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Die D3500 ist die neue Einsteiger-Kamera bei Nikon. Sie startet mit einem...
(Bild: Nikon)

Die SnapBridge-App von Nikon verbindet Kamera und Smartphone via Bluetooth für den Bildaustausch. Die D3500 lässt sich dank der Anwendung auch fernauslösen, eine echte Fernsteuerung ist allerdings nicht möglich.

(Bild: Screenshot)

Als Extra für Fotoneulinge bietet Nikons D3500 einen sogenannten Guide-Modus. Damit können sie sozusagen betreut auf das System allgemein, den Wiedergabemodus, den Bearbeitungsmodus sowie die Szenenmodi zugreifen. Die Kamera gibt dafür konkrete Anwendungsszenarien samt farbiger Beispielbilder vor. Sie lernen ihre DSLR so besser kennen, ohne ins Handbuch schauen zu müssen.

Canons 4000D bietet diesen Service, von dem vor allem Einsteiger profitieren, nicht an. Dafür gibt es die "Canon Photo Companion"-App, die aufs Smartphone geladen, ebenfalls mit Tipps und Hinweisen unterstützt. Damit schafft Canon ein umständliches Konzept, denn wer die WLAN-fähige 4000D fernsteuern oder Fotos übertragen will, muss eine weitere App auf sein Telefon laden: Camera Connect.

Nikon belässt es dagegen bei einer Smartphone-Anwendung, streicht allerdings das WLAN an der Kamera. Die D3500 schickt lediglich via Bluetooth Fotos auf das Smartphone. Außerdem lässt sie sich so fernauslösen, Kamera-Einstellungen jenseits der Timerfunktion können Fotografen allerdings nicht über die App fernsteuern.

Im Labor zeigen die Kameras unauffällige Messwerte. Die Nikon D3500 startet beim Rauschverhalten wie die Vorgängerin bei ISO 100 mit einem Visual Noise von 1,8. Werte bis 0,8 stehen dabei für weitgehende Rauschfreiheit, Werte bis zwei für einen geringen, Werte bis drei für einen mäßig und Werte über drei für einen deutlich störenden Rauscheindruck. Für eine Spiegelreflexkamera mit APS-C-Sensor ist ein VN von 1,8 bei ISO 100 ein ungewöhnlich hoher Wert. Die Canon EOS 4000D startet beispielsweise mit einem besseren VN von 0,9. Tatsächlich haben wir dieses Verhalten öfter bei Nikon-Kameras bei niedrigen Empfindlichkeiten beobachtet.

Auf das Bildergebnis wirken sich diese Messwerte nicht negativ aus. Auffällig ist dabei außerdem, dass die D3500 bei höheren ISO-Zahlen sehr stabil bleibt, während die 4000D schneller nachgibt. Ab ISO 800 liegen die Konkurrentinnen gleichauf. Beim gemessenen Dynamikumfang begegnen sich die beiden mit 10 Blendenstufen ebenfalls auf Augenhöhe.

Nikon D3500 gegen Canon 4000D: ISO-Vergleich (7 Bilder) [8]

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c't Testszene im Überblick

Bei niedrigster Empfindlichkeit zeigt die D3500 einen sehr natürlichen Look, der die Strukturen und Details unserer c't Testszene plastisch widergibt. Die 4000D belichtet etwas großzügiger, fällt aber schon durch einen "gerechneten" Bildlook auf, der manche Strukturen etwas überschärft und andere wie die Malpalette unserer Testszene weicher zeichnet. Mit dieser Ausgangslage entwickeln sich die beiden Kameras konstant fort. Spätestens ab ISO 1600 verschwinden die meisten Strukturen in der 1:1-Ansicht aus den JPEGs – zurück bleiben glattgerechnete Flächen. Die 4000D wirkt dabei immer eine Nuance weicher. Der Gesamtbildeindruck bleibt aber weiterhin plastisch. Ab ISO 3200 müssen Fotografen mit farbigen Artefakten rechnen, das Bild wird insgesamt "krisseliger".

Großen Einfluss auf die ausgegebene Bildqualität haben die Objektive. Einsteiger-Modelle wie D3500 und 4000D werden häufig im Kit mit einem einfachen Zoomobjektiv verkauft, das einen universellen Brennweitenbereich abdeckt. In diesem Fall sind das etwa 28 bis 80 Millimeter (kleinbildäquivalent).

Tatsächlich bieten beide Objektive für den Start eine gute Basis. Sie haben aber auffällige Schwächen. In Weitwinkelstellung verzeichnen sie recht stark, dazu kommen deutlich hervortretende Farbsäume. Der "Offenblendenlook" bei f/3.5 ist außerdem vergleichsweise weich und auch im Telebereich neigen die Objektive zu einem faden Bildlook. Wer das Potenzial der beiden Kameras voll ausnutzen möchte, wird nicht darum herumkommen, sich nach einer weiteren Optik umzuschauen.

Nikon D3500 gegen Canon 4000D: Beispielbilder (17 Bilder) [10]

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Canon EOS 4000D mit Kit-Objektiv bei 32 mm, f/4.5, 1/3 s, ISO 100

Ein Preistipp wären die 50-Millimeter-Brennweiten für die großen Spiegelreflexschwestern mit Vollformatsensor. Das Nikon AF-S NIKKOR 50 mm 1:1,8G kostet um die 200 Euro, das Canon EF 50mm 1:1.8 STM gibt es für etwa 100 Euro. Der Bildwinkel entspricht an den APS-C-DSLR in etwa 26 Grad wie ihn auch moderate Teleobjektive haben. Deshalb eignen sich beide auch dank ihrer hohen Lichtstärke ausgezeichnet für Porträtaufnahmen vor angenehmer Hintergrundunschärfe.

Mehr zum Thema: 50er der Superlative: Edle Standardfestbrennweiten im Test [12] (Artikel-Archiv c't Fotografie)

Die kleinen DSLR hinterlassen gemischte Gefühle: Für Einsteiger in die Fotografie und für Aufsteiger vom Smartphone und einfachen Kompaktkameras sind sie gut geeignet. Gerade die Nikon D3500 dürfte sich als erste richtige Kamera bewähren. Sie liegt gut in der Hand, arbeitet mit aktueller Technik und liefert vernünftige Bildergebnisse.

Canons EOS 4000D wirkt dagegen wie ein zu großer Kompromiss in Billigplastik. Dass sie nur 300 Euro kostet, kann über so manche Unzulänglichkeit wie das äußerst magere Display nicht hinwegtäuschen. Langfristig dürfte da mehr Frust als Fotolust aufkommen. Für weniger als 100 Euro mehr gibt es das nächstgrößere Modell EOS 2000D mit Technik auf aktuellem Stand.

Günstiger als mit den Mini-DSLR geht es kaum. Doch, wenn ein- und aufsteigende Fotobegeisterte ihr Budget noch ein wenig aufstocken, bekommen sie dafür spannende Alternativen, die mehr Individualität versprechen. Die spiegellose Systemkamera Olympus E-PL9 kommt beispielsweise im Metallgehäuse und etwas peppigeren Design. Sie arbeitet mit einem kleineren Four-Thirds-Sensor, muss sich aber 4000D und D3500 in Sachen Bildqualität nicht geschlagen geben. Sie bringt dafür spannende Extras wie einen klappbaren Bildschirm, Touchbedienung und Fotomodi für Langzeitbelichtungen mit, die zum Experimentieren anregen. Spaß an der Fotografie steht hier im Vordergrund. Auch Fujifilms X-A5 im kantigen Retrogehäuse und dem Schwerpunkt auf Selfies könnte für junge Fotobegeisterte die bessere Wahl sein.

Mehr zum Thema: Kaufberatung Spiegellose Systemkameras [13]

(ssi [14])


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