Canon EOS 850D im Test: Spiegelreflexkamera mit besonders einfachem Handling

Die 850D will erfahrene Fotografen und Einsteiger gleichermaßen zufrieden stellen. Gelingen soll das mit einer anpassbaren Menüführung. Klappt der Spagat?

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Canon EOS 850D

(Bild: Sophia Zimmermann)

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Die EOS 850D ist der jüngste Zugang in Canons System rund um die Spiegelreflexkameras mit EF- beziehungsweise EF-S-Bajonett. Optisch unterscheidet sich die Neue kaum von der Vorgängerin 800D und auch im Datenblatt muss man die Unterschiede zwischen den beiden Modellgenerationen mit der Lupe suchen. Dass die EOS 850D etwas leichter geworden, ist springt dabei ins Auge und auch, dass sie mit einer Akku-Ladung nun auf 800 statt auf 600 Aufnahmen kommt. Bahnbrechend ist das nicht. Verwunderlich ebenso wenig, denn die 100er-Serie gehört bei Canon zu den Dauerläufern. Die Allrounder-Spiegelreflexkameras, die sich an Hobbyfotografen richten, werden seit Generationen nach dem Fußball-Motto: "Never change a winning team" weiterentwickelt.

In den Details kann man jedoch weitere Unterschiede zur Vorgängerin erkennen, die sich vor allem in der Anordnung und Gestaltung der Bedienelemente bemerkbar machen. Besonders auffällig: Auf ihrer Rückseite besitzt die EOA 850D nun ein Wahlrad, das gleichzeitig zum zweiten Einstellrad wird und so die manuelle Handhabung erleichtert. Dieses Feature kennen Fotografen bereits seit langem von den höherpreisigen Modellen des Herstellers. Die Einsteigermodelle, zu denen auch die 850D noch gehört, mussten bisher lediglich mit vier separaten Kreuztasten auskommen. Das deutet darauf hin, dass die EOS 850D neben der EOS 800D auch die etwas höher angesiedelte EOS 77D beerben könnte.

Für eine Einsteigerkamera liegt die EOS 850D richtig gut in der Hand. Das hat mehrere Gründe: Zum einen formt Canon den Griffwulst angenehm tief aus. Zum anderen findet der Daumen auf der Rückseite ein ausreichend großes, gummiertes Plätzchen. Anders als bei manchen spiegellosen Modellen in der Klasse droht er nicht, wichtige Bedienelemente zu verdecken oder versehentlich zu betätigen. Hier spielt das Spiegelreflexgehäuse seinen Größenvorteil voll aus. Auch ansonsten überzeugt der matte Kunststoff-Body hinsichtlich Haptik und Verarbeitung.

Dabei spart Canon nicht mit Tasten, deren Gestaltung und Anordnung an die größeren APS-C-Schwestern erinnern. Damit bekommen alle wichtigen Einstellungen eine eigene Entsprechung auf dem Gehäuse, dass die Kreuztasten auf der Rückseite nun ebenfalls ein Wahlrad sind, bereichert das Bedienkonzept zusätzlich. Damit richtet sich die EOS 850D explizit an erfahrene Hobbyfotografen, die ihre Kamera gern umfassend selbst konfigurieren.

Doch Canon fährt zweigleisig: Mit einer umfassenden Touchbedienung und geführten Menüs wendet sich die EOS 850D auch gezielt an absolute Einsteiger in die Fotografie und Aufsteiger vom Smartphone. Dabei spart der Hersteller nicht mit hübsch illustrierten Erklärbildern zu jedem Belichtungsmodus und zu jeder Einstellungsmöglichkeit. Meist können die entsprechenden Parameter mithilfe von (Touch-)Schiebereglern dort auch direkt verstellt werden.

Canon EOS 850D mit geführtem Menü

Ein Beispiel: In der Blendenautomatik (TV) visualisiert Canon den Effekt der Belichtungszeit mit zwei sich bewegenden Menschen – der eine in fließender, verschwommener Bewegung, der andere in eingefrorenem Lauf. Dazwischen setzt der Hersteller eine Achse für die Belichtungszeiten, auf der der Fotograf einen Regler hin zum gewünschten Ergebnis schieben kann. Darunter sind weitere Parameter dargestellt, die Sie in diesem Modus konfigurieren können: Belichtungskorrektur, Betriebsart, Fokusfelder, Fokussiermethode.

Das ist tatsächlich alles sehr selbsterklärend und dürfte Neulingen helfen, sich schnell mit der Kamera und den wichtigsten Einstellungen vertraut zu machen. Wer diese ganzen Hilfestellungen nach einer Weile nicht mehr benötigt, kann das Anzeigeprofil über das Menü anpassen und von "Mit Anleitung" auf "Standard" setzen.

Überraschungen haben wir beim Fotografieren im Labor und unterwegs nicht erwartet, immerhin ist der Sensor schon bekannt und mit der Auflösung von 24 Megapixeln bereits in den älteren Schwestermodellen zu finden. Seine Leistung ist solide. So startet er bei niedrigster Empfindlichkeit von ISO 100 mit einem Visual Noise von 1,3. Visual Noise (VN) steht für das subjektiv wahrnehmbare Rauschen. Werte bis 0,8 stehen für weitgehende Rauschfreiheit. Werte bis zwei deuten auf einen wenig, Werte bis drei auf einen mäßig und Werte über drei auf einen deutlich störenden Rauscheindruck hin.

Erst bei ISO 3200 klettert die EOS 850D auf einen Wert von über zwei, bei ISO 6400 kratzt sie dann an der 3er-Marke – dann fällt auch der messbare Dynamikumfang auf unter zehn Blendenstufen. Damit bewegt sich die Canon-DSLR messtechnisch auf dem Niveau anderer Systemkameras mit APS-C-Chip.

Canon EOS 850D: ISO-Reihe (10 Bilder)

c't Testszene im Überblick

In den Bildern der c't Testszene zeigt die EOS 850D bei ISO 100 tatsächlich ein sehr brillantes Bildergebnis – mit fein ausdefinierten Details, angenehmer Schärfe und natürlichen Farben. Ab ISO 800 erkennt man in der 1:1-Ansicht einen deutlichen Detailverlust, der sich außerdem in unsauberen Übergängen innerhalb von Strukturen wie unserer Blume bemerkbar macht. Bereits mit ISO 1600 aufgenommene Fotos wirken in der Detailansicht verwaschen und unsauber. Feine Strukturen bügelt die EOS 850D einfach glatt.

Andere aktuelle Vertreter dieser Klasse machen das tatsächlich nicht besser, setzen aber bei der JPEG-Ausgabe andere Schwerpunkte. So sehen die ISO-1600-Fotos von Fujifilms spiegelloser Systemkamera X-A7 deutlich knackiger aus, sind aber stark nachgeschärft. Sonys A6100 positioniert sich dazwischen und erhält so einen vergleichsweise natürlichen Look auch bei höheren ISO-Zahlen. Letztendlich ist das natürlich ein Stück weit Geschmackssache. Wer im Raw-Format fotografiert, hat hier mehr Spielraum bei der Bildentwicklung.

Testszene bei ISO 3200:
links: Canon 850D
Mitte:Fujifilm X-A7
rechts: Sony A6100

Das beiliegende Objektiv macht einen passablen Job, zeigt seine beste Leistung in Weitwinkelstellung und bei den "größeren" Blendenöffnungen. Allerdings müssen Fotografen hier mit einer sichtbaren Verzerrung sowie Auflösungsverlusten zum Rand hin leben. Am langen Ende bleibt das Objektiv insgesamt weicher, dafür klaffen Bildmitte und Ränder nicht mehr so stark auseinander. Für den Anfang mag das EF-S 18-55mm 1:4.0-5.6 STM noch ausreichen. Wer langfristig mehr aus der Kamera herausholen will, sollte wechseln beziehungsweise erweitern.

Eine gute Figur macht das Kit-Team in Sachen Autofokusgeschwindigkeit. Im Labor ermittelten wir eine Auslöseverzögerung mit Autofokus von 0,35 Sekunden. Das ist kein Spitzenwert – die spiegellose Konkurrentin Sony A6100 schafft es hier auf 0,23 Sekunden – doch etliche Mittelklasse-Systemkameras sind noch langsamer. Fujifilms spiegellose X-A7 kam in unserem Labor mit ihrem Kit-Objektiv lediglich auf 0,5 Sekunden. Diesen Wert erreicht die 850D selbst beim Fotografieren über das rückseitige Display. Für eine Spiegelreflexkamera ist das mehr als ordentlich.

Canon EOS 850D: Beispielbilder (6 Bilder)

Canon EOS 850D mit EF-S 18-55mm 1:4-5.6 IS STM bei 41 mm, f/5.0, ISO 1600, 1/500 s

Die EOS 850D macht in unserem Test eine gute Figur. Canon hat an wenigen Stellen wie den Bedienelementen sinnvoll nachgebessert und damit das Image der Allrounder-DSLR geschärft, die so auch erfahrenen Fotografen gute Dienste leisten dürfte. Die Bildqualität ist gemessen an Kameraklasse und verwendetem Objektiv gut und die Handhabung intuitiv. Das geführte Menü sieht sehr ansprechend aus und vermittelt praktisches Fotowissen, was vor allem Einsteigern sehr entgegenkommt.

Nichtsdestotrotz bleibt die Frage: Wer soll eine Mittelklasse-DSLR wie die EOS D850 eigentlich kaufen? Mit einem Gehäuse-Neupreis von knapp 900 Euro beziehungsweise einem Kit-Preis von 980 Euro ist sie bei weitem kein Schnäppchen. Ein Kauf will gut überlegt sein. Doch eine Kamera, die für alle und jeden passen will, passt am Ende für alle und doch für niemanden so richtig.

Wem es lediglich darum geht, Fotos über Smartphone-Niveau zu machen, kommt längst günstiger und vor allem kompakter zum Ziel. Hochwertige Kompaktkameras wie die Fujifilm XF10 seien hier genannt. Sie arbeitet mit einem vergleichbaren Sensor, bietet eine tastenarme, einfache Touch-Steuerung sowie viele verspielte Extras wie Filmsimulationsmodi. Mehr als 500 Euro braucht man für diese Kompakte nicht im Budget einplanen und obendrein passt sie noch in die Hosentasche.

Erfahrene Hobbyfotografen, denen es vor allem auf eine sehr hohe Bildqualität ankommt, bekommen in der Preisklasse der EOS 850D schon eine Vollformatkamera – zumindest in der Gattung der spiegellosen Systemkameras. Mit der EOS RP hat Canon hier selbst einen Preisbrecher am Start, der weniger als 1500 Euro kostet. Ältere Modelle wie die Sony A7 II liegen mittlerweile sogar unter 1000 Euro.

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Wem es bei seinen Foto-Touren auf ein besonders robustes Werkzeug ankommt, wird mit einer Kamera wie der EOS 850D ebenso nicht glücklich, denn mit Staub- und Spritzwasserschutz kann sie nicht aufwarten. Eine Alternative liefert Pentax mit der K70. Die wetterfeste Mittelklasse-DSLR ist allerdings bereits seit vier Jahren auf dem Markt. Wer damit leben kann, kein ganz aktuelles Kameramodell zu besitzen, schaut sich zudem bei älteren, höherwertigen Kameramodellen wie der Canon EOS 80D um, die mittlerweile ebenfalls für unter 1000 Euro zu haben sind.

(ssi)