Capture One vs. Lightroom

Der Raw-Konverter-Markt wird seit Jahren von Lightroom dominiert. Der aktuell vielversprechendste Herausforderer ist Capture One. In der Bildqualität kann Phase One Adobe schon länger Paroli bieten. Wir haben getestet, ob Capture One inzwischen auch als Gesamtpaket Lightroom ebenbürtig ist.

Lesezeit: 22 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 3 Beiträge
Von
  • Sascha Erni
Inhaltsverzeichnis

Lightroom von Adobe ist das mit Abstand populärste All-in-One-Workflowtool, das von Amateur- und Profifotografen gleichermaßen genutzt wird. Capture One von Phase One ist inzwischen auf technischer Ebene ähnlich aufgestellt wie Adobe, die Vollversion ist mit 280 Euro allerdings deutlich teurer als Lightroom (120 Euro). Capture One kann ebenfalls Rohdaten entwickeln, Bilder nicht-destruktiv bearbeiten und seit einiger Zeit auch Bilddaten verwalten. In Einzeldisziplinen, wie bei der Bildqualität, kann Capture One den Konkurrenten Lightroom schlagen. Capture One wird nach wie vor hauptsächlich von professionellen Fotografen genutzt, obwohl es von seiner Konzeption her durchaus auch für Amateurfotografen interessant ist. Wir haben uns in einem ausführlichen Vergleichstest beide Programme als Gesamtpakete angesehen. Ohne dem Testergebnis vorgreifen zu wollen, sei so viel verraten: Capture One ist inzwischen in vielen Bereichen eine vollwertige Alternative zu Lightroom.

Die Arbeitsweise von Capture One kann man nur verstehen, wenn man die Entwicklungsgeschichte der Anwendung kennt. In den späten 90er Jahren hatte der dänische Mittelformat- Hersteller Phase One ein Problem: Irgendwie mussten die Rohdaten der hauseigenen Digitalrückteile für Mittelformatkameras wie Hasselblad, Mamiya und Contax für die Weiterverarbeitung in einer Bildbearbeitungssoftware wie Photoshop optimiert werden. Heute hat Photoshop mit Adobe Camera Raw einen eigenen Konverter integriert, damals war das nicht der Fall. Phase One musste also einen Raw-Konverter passend zur eigenen Hardware entwickeln. Der Name wechselte im Lauf der Zeit von Portrait One über Lightphase bis man sich auf das heutige Capture One fest legte. Frühe Versionen von Capture One arbeiteten ausschließlich mit Sitzungen, also standardisierten Ordnerstrukturen mit Unterordnern für Rohdaten, Schlüsselbildern und die aus den Rohdaten erzeugten Bitmap-Dateien (TIFF, JPEG, PSD) — in Anlehnung an die analoge Fotografie oft Abzüge genannt. Der Einsatz solcher Standard-Ordner machte es möglich, dass der Fotograf an der Kamera arbeitete, die Bilder durch Tethered Shooting direkt auf einen Rechner gelangten und der oder die Assistenten bereits mit der Sichtung und Entwicklung der Bilder beginnen konnten. Die Abzüge wanderten dann via Photoshop in die Layout-Software und danach in die Druckvorstufe. Capture One war nur ein Glied eines komplexen Workflows mit weiteren Programmen.

Der Funktionsumfang von Capture One erweiterte sich im Laufe der Jahre. Aus einer spezialisierten Zusatzsoftware für das Tethered Shooting wurde ein universeller Raw-Konverter für immer mehr unterstützte Kameras. Heute ist Capture One ein All-in-One-Tool mit Bildverwaltung, das sich sowohl an Profis als auch Enthusiasten wendet – und konkurriert damit direkt mit Lightroom.

Immer mehr Wissen. Das digitale Abo für IT und Technik.

  • Zugriff auf alle Inhalte von heise+
  • exklusive Tests, Ratgeber & Hintergründe: unabhängig, kritisch fundiert
  • c't, iX, Technology Review, Mac & i, Make, c't Fotografie direkt im Browser lesen
  • einmal anmelden – auf allen Geräten lesen - monatlich kündbar
  • erster Monat gratis, danach monatlich 9,95 €
  • Wöchentlicher Newsletter mit persönlichen Leseempfehlungen des Chefredakteurs
GRATIS-Monat beginnen Jetzt GRATIS-Monat beginnen Mehr Informationen zu heise+