Citroën Ami im Test

Erste Proberunde: Wie fährt sich Citroëns Elektro-Leichtkraftwagen für die städtische Mobilität, der Anfang nächsten Jahres auch nach Deutschland kommen soll?

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Citroën Ami: Elektro-Leichtkraftwagen für die städtische Mobilität

Von
  • Wolfgang Gomoll

Der Ami ist Citroëns Antwort auf die Mobilitätsprobleme unserer Großstädte. Rein elektrisch mit 6 kW / 8 PS und bis zu 45 km/h schnell. Das heißt, man kann den rollenden Kubus mit dem AM-Führerschein bewegen, was wohl die Franzosen auf die Wiederbelebung des traditionellen Namens Ami verfallen ließ.

Die Idee ist charmant: Erschwinglich für rund 7000 Euro oder 19,99 Euro Leasingrate pro Monat und extrem wendig. Der Ami ist mit 2,41 Metern Länge rund 30 Zentimeter kürzer als der aktuelle Smart Fortwo und hat einen Wendekreis von 7,20 Metern, was in einer Stadt Gold wert ist. Auf den überfüllten Verkehrsadern reicht auch die Höchstgeschwindigkeit locker aus. Allerdings fehlen dem Ami die Schmalheit eines Rollers, man muss beim Abbiegen hinten anstellen und kann nicht an der Blechschlange vorbeizirkeln.

Beim Fahren des Ami sollte man sich vom gewohnten Komfort verabschieden: Um den günstigen Grundpreis zu ermöglichen, haben die Franzosen auf jegliche Dämmung verzichtet. Der E-Würfel rumpelt über die Straßen und untermalt den Vorwärtsdrang mit einem kernigen Elektromotorgeräusch, das einen an einen X-Wing bei Star Wars erinnert.

Citroën Ami (18 Bilder)

Der Citroën Ami steht im ersten Quartal 2021 für rund 7000 Euro bei den deutschen Händlern.

Platz ist für zwei genug. Die Sitze erinnern an die Ausstattung öffentlicher Busse, sind immerhin aber nicht so unbequem, dass es nervig geworden wäre. Der Vorteil gegenüber einem ähnlich motorisierten und klassifizierten Renault Twizy ist, dass man wie gewohnt nebeneinander sitzt und echten Witterungsschutz genießt. Auf die Autobahn darf man mit diesem Auto ohnehin nicht fahren, obwohl der Motor mehr drauf hätte als die 45 km/h. Die gute Beschleunigung profitiert auch vom geringen Gewicht von 471 Kilogramm.

Der Ami hat große Glasflächen neben, vor und über dem Fahrer. Eine Klimaanlage gibt es nicht, sie würde zu viel Saft aus der 5,5 kWh fassenden Batterie saugen. So kommt der Ami mit vollgeladenen Akkus bis zu 75 Kilometer weit und verbraucht dabei 119 Wh/km. Für die Durchlüftung müssen im Sommer Klappfenster genügen, eine Reminiszenz an den legendären Citroën 2CV.

Im Winter muss ein tapferes Gebläse die Abwärme der Batterie in den Innenraum pusten. So angenehm das lichtdurchflutete Gewächshaus samt Glasdeckel auch ist, wenn die Sonne in einem ungünstigen Winkel einfällt, ist das Display schwer abzulesen. Abhilfe soll eine Folie schaffen, die man auf das Glas kleben kann.

Dass sich die Türen entgegengesetzt öffnen, ist ein witziges Detail, genau wie die Tatsache, dass die Überhänge und das ganze Auto symmetrisch sind. Allerdings ist die gegenläufig öffnende Tür auf der Fahrerseite nicht immer praktisch. Genauso wie die Tatsache, dass man zwei verschiedenen Schlüssel für den Ami braucht – einen zum Öffnen und einen für das Lenkschloss.

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Den Ami soll man an jeder Haushalts-Steckdose innerhalb von rund drei Stunden von leer auf voll aufladen können. An einer Ladesäule ist das noch nicht möglich, allerdings soll dafür ein Adapter kommen. Das Ladekabel muss umständlich hinter der Beifahrertür in die Karosserie gestopft werden, da es sich nicht wie bei einem Staubsauger selbst einzieht. Im Sommer mit ein bisschen Übung kein großer Akt, im Winter, bei Minusgraden und schmutzigem Schneematsch am Kabel wohl weit weniger inspirierend.

Dass man die Batterie nicht ausbauen und daheim laden kann, limitiert den Kleinstwagen für die Stadt etwas. Denn von den gerade in der Stadt so zahlreichen Etagenbewohnern hat nicht jeder eine Steckdose vor dem Haus oder in der Garage.

Der Vertrieb des Citroën Ami ist genauso komfortabel, wie es der durch Amazon gestählte Kunde erwartet. Entweder wird das Auto ab dem ersten Quartal des nächsten Jahres nach Hause geliefert, oder man holt es ganz klassisch beim Händler ab. Interessant dürfte sein, welche Supermarktkette die Franzosen als Partner gewinnen. Ob der Ami in der Lidl-Edition genauso gefragt wäre wie die Turnschuhe, dürfte spannend werden.

(fpi)