"Crysis Remastered" angespielt: Früher war alles besser

Spielerisch top, technisch nicht auf der Höhe: "Crysis Remastered" ist eine Neuauflage mit zwei Gesichtern.

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(Bild: Crytek)

Von
  • Andreas Müller

Das SciFi-Spektakel "Crysis" sollte 2007 den Markt der Ego-Shooter kräftig aufmischen. Dazu schickte das Frankfurter Entwicklerstudio Crytek mit der eigens entwickelten Grafik-Engine "CryEngine 2" die Spieler in den spannenden Kampf gegen nordkoreanische Superschurken und Aliens.

Legendär sind auch heute noch die enormen Hardwareanforderungen. Obwohl der ganz große Erfolg im Schatten von "Call of Duty: Modern Warfare" ausblieb, folgten mehrere Fortsetzungen und eine treue Fangemeinde. Schade, dass Crytek gerade diese mit einer lieblosen Remaster-Version des ersten Teils enttäuscht.

An der Geschichte hat sich nichts geändert: Ein Team von Elite-Soldaten macht sich auf einer abgelegenen Insel auf die Suche nach einem verschollenen Forscherteam. Schnell stellt sich heraus, dass nordkoreanische Soldaten ihre Finger im Spiel haben. Allerdings werkelt im Hintergrund noch eine weitaus größere Macht, die den Soldaten an den Kragen will.

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"Crysis" bot damals mit weitläufigen Gebieten und vielen unterschiedlichen Lösungswegen einen wunderbaren Kontrast zum geradlinigen Spielprinzip eines "Call of Duty". Im Mittelpunkt stand der Nano-Suit des Helden Nomad, der ihn mit einigen Gadgets ausstattete. Mit ihm konnte sich Nomad unsichtbar machen, besonders hoch springen oder über die Spielwelt flitzen. Wenn es eng wurde, half der Anzug mit einer besonders dicken Panzerung aus. Dieses abwechslungsreiche Spielgefühl bringt auch die Remaster-Version gut rüber, die inhaltlich fast alles beim Alten belässt. Das Fehlen einer freien Speicherfunktion wird aber einigen Fans sauer aufstoßen.

"Crysis Remastered" angespielt (5 Bilder)

Zeitlos gute Action, aber hardwarehungrig: "Crysis Remastered" vom Frankfurter Studio Crytek.
(Bild: heise online)

Der andere große Pluspunkt des Spiels war die für damalige Verhältnisse enorm aufwändige Grafik, die selbst High-End-PC-Systeme ins Schwitzen brachte. Diesmal sind es vor allem die Raytracing-Effekte, die den Shooter mit hübscheren Reflexionen aufpeppen sollen. Sie machen "Crysis" vor allem heller – eine Geschmackssache, wenn man die neue Version mit dem düsteren Original vergleicht.

Dazu kommen noch ein paar mehr Details und Wasserspielereien, aber sonst nicht viel: Einen Aha-Moment wie damals, als die Entwickler stolz mit dem Maschinengewehr detailreich einen ganzen Wald im Spiel zerlegten, gibt es in der Remastered-Version nicht. Deshalb verwundert es, dass "Crysis Remastered" ein echter Hardwarefresser ist. Das 2070-RTX-System musste ganz schön kämpfen, um das Spiel in höchsten Einstellungen bei 1080p ruckelfrei darzustellen.

Tech-Trailer zu "Crysis Remastered"
(Quelle: Crytek)

"Crysis Remastered" ist eine durchwachsene Neuauflage, die spielerisch fast alles beim Alten lässt und visuell nur wenige Höhepunkte bietet. Dank des zeitlos guten Leveldesigns und der cleveren Anzugsfähigkeiten des Helden macht das auch heute noch Laune und steckt so manchen Schlauchshooter in die Tasche.

Technisch macht das Spiel dagegen keine gute Figur und zeigt sich erstaunlich hardwarehungrig, obwohl die Schauwerte für heutige Verhältnisse nicht außergewöhnlich sind. Nur Besitzer eines PC-High-End-Systems dürfen sich auf einen ruckelfreien Spielgenuss freuen. Der Rest wartet auf Patches, die das Spielerlebnis optimieren. Es wäre schade, wenn dieser Videospielklassiker wieder an der Technikhürde scheitern würde.

"Crysis Remastered" ist als Download für Windows, PS4 und Xbox One erschienen. Die Nintendo Switch-Version erschien im Juli. Das Spiel kostet ca. 30 Euro. USK ab 16. Für unser Angespielt haben wir ein paar Stunden die Windows-Version gespielt.

(dahe)