"Demon’s Souls" angespielt: Gelungenes Comeback eines Klassikers

Bluepoint Games verschafft dem Kultklassiker "Demon’s Souls" ein würdiges Comeback auf der Playstation 5.

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(Bild: Bluepoint Games)

Von
  • Andreas Müller

Ein im Westen weitgehend unbekannter Entwickler, ein kleiner Publisher und ein Spielprinzip aus der Hölle – nichts deutete vor über 10 Jahren daraufhin, dass mit "Demon’s Souls" eines der einflussreichsten Videospiele der letzten Jahrzehnte erscheinen würde. Für eines der ersten "Soulsbornes" hagelte es Bestwertungen und Preise. Mit dem PS5-Remake von Bluepoint Games gelangt "Demon's Souls" zu verdienter neuer Aufmerksamkeit.

Wer den ungleich erfolgreicheren Nachfolger "Dark Souls" gespielt hat, kennt das Spielprinzip: durch ein Labyrinth voller Ruinen irren, große und kleine Gegner töten und neue Wege freischalten, um sich am Ende riesigen Endgegnern zu stellen. Aber vor allem: Seelen sammeln! Sie sind Währung, Lebenskraft und Erfahrungspunkte in einem, mit denen die Spieler ihrer Charakterwerte aufbessern oder Gegenstände kaufen.

Die erste Tugend des Spielers ist Geduld. In "Demon’s Souls" gibt es keine leichten Wege und keine ungefährlichen Gegner. Hinter jeder Ecke lauert eine tödliche Gefahr. Unvorsichtiges Handeln bringt meist den Tod der Spielfigur mit sich. Um Erfolg zu haben, müssen sich die Spieler die Verhaltensmuster der Gegner genau anschauen. Das erfordert Ruhe und Hartnäckigkeit, denn gestorben wird viel. So viel, dass weniger frustresistente Spieler ihre Gamepads am liebsten an die Wand werfen würden.

Unfair wird es aber nie – nach jedem Fehler lernen die Spieler dazu. Am Ende ist jeder Gegner mit der richtigen Taktik zu schlagen. Schnelle Reflexe spielen da kaum eine Rolle. In Zeiten von hektischen Actionspektakeln sind "Demon’s Souls" und seine Nachfolger "Dark Souls" oder "Sekiro" ein wohltuendes Kontrastprogramm. Ein Soulsborne ist so etwas wie die Entdeckung der Langsamkeit in der hektischen Videospielewelt.

Die Unterschiede zwischen "Demon’s Souls" und "Dark Souls" erkennen vor allem eingefleischte Fans. Die Steuerung ist nahezu identisch und die Hintergründe ähneln sich. Selbst die Endbosse haben ähnliche Angriffsmuster. Die Liebe zum Detail bei der Gestaltung der einzelnen Abschnitte ist dennoch unerreicht. Überall finden sich kaum sichtbare Abkürzungen, die das Abenteurer-Leben in dieser morbiden Fantasywelt erleichtern.

Bluepoint Software, die schon vor zwei Jahren den Klassiker "Shadow of the Colossus" veredelten, erweisen dem PS3-Original den nötigen Respekt. Das Spiel steckt voller "Aha"-Momente: Mächtige Brücken führen über endlose Täler, riesige Ritter versperren den Weg und Priester, die mit ihren Tentakeln nach den Abenteurern greifen, verströmen einen morbiden Charme. Probleme wie das nervige Ruckeln, als im Original die überbordende Fantasie der Entwickler mit der technischen Limitierung der PS3 kämpfte, gehören der Vergangenheit an. In diesem Glanz merkt man "Demon’s Souls" nicht eine Sekunde das Alter an.

Demon's Souls angespielt (5 Bilder)

Schwer, geheimnisvoll, einzigartig – Das Remake von "Demon’s Souls" lässt kaum Wünsche offen. (Bild: heise online)

Ganz oldschool gibt sich Bluepoint aber auch an einem anderen Punkt: Barrierefreiheit. Das hätte zwar kein "Easy"-Modus sein müssen, aber es fehlen Einstellungen, um Spielern und Spielerinnen mit körperlichen Einschränkungen den Zugang zu erleichtern. Schade, hatte doch zuletzt "The Last of Us 2" gezeigt, dass es besser geht.

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Es ist schon kurios, dass einer der Vorzeigetitel der neuen Konsolengeneration das Remake eines über 10 Jahre alten Klassikers ist. Bluepoint Games haben wie schon in "Shadow of the Colossus" hervorragende Arbeit geleistet und From Softwares Klassiker auf Hochglanz poliert – mit besserer Grafik, höheren Bildraten und frischen Animationen. Das wird natürlich Spielern, denen diese Art von Spiel zu anstrengend ist, egal sein. Für Fans des Originals geht dagegen ein Traum in Erfüllung, der sie stundenlang am Bildschirm fesseln wird.

"Demon’s Souls" ist am 19. November für PS5 erschienen. Es kostet ca. 80 €. USK ab 16.

(dahe)