Der Kuppler: iMT-Getriebe im Kia ProCeed 1.6 CRDI Mildhybrid

Kia rollt in den Handschaltern eine Servo-gesteuerte Kupplung aus. Sie soll durch ausgekuppelte Segel-Etappen minimale Verbrauchsvorteile ermöglichen

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(Bild: Clemens Gleich)

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  • Clemens Gleich
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Kia hat zusammen mit Valeo eine Servo-gesteuerte Kupplung entwickelt, die bei eingelegtem Gang Segel-Etappen mit ausgeschaltetem Motor erlaubt. Davon versprechen sich die Koreaner geringe Vorteile (etwa 3 Prozent) im WLTP und etwas größeres Potenzial in der Praxis, wenn Fahrer das Beste aus dem System herausholen.

Die intelligent manual transmission (iMT) ist simpel aufgebaut: Am Kupplungspedal misst ein Sensor den Pedalweg. Ein Servo löst anhand dessen Daten den eigentlichen hydraulischen Kupplungsvorgang aus. Anhand der Drehzahldifferenzen zwischen Motor und Rad beim Einkuppeln kalibriert sich das System auf immer denselben virtuellen Schleifpunkt. Der gefühlte Schleifpunkt wandert somit beim Verschleiß der Kupplungsscheiben nicht.

Der einfache Aufbau macht es möglich, das System mit wenigen Design-Modifikationen statt einer konventionellen Kupplung zu verwenden. In vielen Märkten hält sich aus Kostengründen ein hoher Anteil handgeschalteter Getriebe. Hier will Hyundai/Kia punkten.

In Fahrt gefällt das iMT durch sehr geringe Bedienkräfte. Es korrigiert kleine Fehler, größere Fehler jedoch nicht. Man kann den Motor ganz normal abwürgen. Er startet dann wieder beim Treten aufs Kupplungspedal. Das Gefühl für die Kupplung wird indirekter. Insgesamt vereinfacht sich jedoch die Bedienung der Kupplung. Das iMT passt sehr gut zu Alltag und Nutzen, und wer Rennsport will, kauft keinen Diesel-Kia.

Kia ProCeed 1.6 CRDI 48V iMT Details (14 Bilder)

Rechts die konventionelle Kupplung, links die iMT-Kupplung von Valeo und Kia.
(Bild: Kia)

Kia kombiniert das manuelle Getriebe mit dem 48-V-Mildhybrid-Antrieb. Dessen Start-Stopp-Management stoppt den Motor auch in möglichen Segel-Phasen: Die Kupplung kuppelt aus; der Motor stoppt. Auf dem Tacho erscheint dann ein kleines Segelboot und die Meldung "Segelmodus". Tritt der Fahrer egal welches Pedal, startet der Motor wieder. Wann gesegelt wird, ist für den Benutzer nicht schaltbar. Das System macht das intransparent nach eigenem Gutdünken, ohne Eingriffmöglichkeit. Deshalb gibt es viele geeignete Segelphasen, die das System auslässt, viele aufgrund des Verkehrs ungeeignete Segelphasen, die es schaltet. Hier wartet eine längere Kennenlernphase auf den Fahrer, bis er aus dem iMT Spritspar-Vorteile zieht.

Interessant, dass Kia so ein System zuerst im Diesel bringt. Das hat wahrscheinlich schlichte logistische Gründe. Die größten Vorteile bringt es im Ottomotor, wo die Drosselverluste so hoch liegen. Hier dürfte das Sparpotenzial deutlich höher liegen, wenn man mit voll offenen Drosselklappen bei niedriger Drehzahl Schwung holt und dann ohne Motor dahingleitet. Als nächstes erhält dann auch der Kia Rio mit dem Einliter-Benziner die neue Kupplung.