E-Bike mit App und verstecktem Akku

Pedelecs müssen nicht nach Pedelec aussehen, es geht auch schlicht und unauffällig. Eines dieser schicken City-Bikes ist das Ampler Curt.

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Von
  • Steffen Herget

Schwarz, schlicht und modern, so grüßt das Curt des estnischen Herstellers Ampler. Das Pedelec ist in den Rahmengrößen 50, 54 und 58 Zentimeter erhältlich und sollte damit zu den meisten Körpergrößen passen. Es wird vormontiert geliefert, die Kundschaft muss einzig den Lenker in die richtige Position drehen und die Pedale anschrauben. Das passende Werkzeug liegt mit im Karton.

Das Curt wiegt je nach Ausstattung 13,4 oder 14,4 Kilogramm und ist damit für ein E-Bike ziemlich leicht – und unauffällig. Der kompakte Motor in der Hinterradnabe fällt kaum auf, der Akku steckt im Unterrohr, das nicht dicker ist als bei vielen Rädern ohne Akku. Knapp über dem Tretlager sitzt der Knopf zum Ein- und Ausschalten, auch das Ladegerät dockt hier magnetisch an. Die Griffe dürften für größere Hände ruhig etwas dicker, der straff gepolsterte Sattel etwas bequemer sein. Beides ist jedoch Gewohnheitssache.

Das Curt ist wahlweise mit Riemenantrieb (Gates Carbon CDX) und Single-Speed oder mit 11-Gang-Kettenschaltung (Shimano Deore M5120) erhältlich. Preislich macht das keinen Unterschied, beide Varianten kosten 2900 Euro. Im Preis inbegriffen sind Schutzbleche aus Metall sowie eine Lichtanlage. Vorne strahlt eine Lampe von Busch + Müller angenehm hell, die in die Sattelstütze integrierten roten LEDs sind aber weniger gut zu sehen als viele gängige Rücklichter. Die Scheibenbremsen stammen aus der M6000er-Serie von Shimano, als Erstbereifung kommen Continental Grand Prix 4-Season in 32 Millimeter Breite zum Einsatz.

Viel auffälliger als bei der Optik wird das Ampler-Fahrrad, wenn es auf die Straße geht. Das Curt ist ein schnelles Rad für die Stadt. Die Sitzposition ist sportlich, die Lenkung direkt, man schlängelt sich problemlos durch enge Stellen. Die Scheibenbremsen von Shimano packen kräftig zu, bleiben dabei aber gut zu dosieren. Auffällig: Im Test gaben sowohl Vorder- als auch Hinterradbremse in unregelmäßigen Abständen ein merkliches Knacken von sich. Ein Schaden war nicht feststellbar und auch die Funktion einwandfrei. Tritt so etwas an einem neu gekauften Rad auf, sollte man das allerdings im Auge behalten.

Der Motor schiebt nahezu unhörbar, aber durchaus kräftig an. Durch die Position im Hinterrad liegt der Schwerpunkt des Rades recht weit hinten, daran muss man sich unter Umständen etwas gewöhnen. Die Nenndauerleistung beträgt 250 Watt, das ist die in Deutschland maximal erlaubte Leistung für ein Pedelec. Die Ampler-App zeigt stets die aktuelle Leistungsaufnahme des Motors an. Zwischen 15 und 24 km/h auf gerader Strecke lag sie im Test zwischen 90 und 145 Watt. Geht es ordentlich bergauf, pumpt der Motor kurzzeitig bis zu knapp 400 Watt auf die Kette. Das ist fast ein zusätzliches Paar kräftige Radlerbeine.

Der Motor in der Hinterradnabe fällt optisch kaum auf, schiebt aber kräftig an.

In der von uns getesteten Variante mit Kettenschaltung ist das Curt auch ohne Motor bequem und flott zu bewegen, auch wenn man das Gewicht von Akku und Motor nicht ablegen kann. Der Kettenantrieb ist vor allem dann die bessere Wahl, wenn das Curt nicht nur in der Stadt zum Einsatz kommen, sondern auch auf größere Tour gehen soll – einen Gepäckträger muss man nachrüsten. Der wartungsarme Riemenantrieb dürfte im Zusammenspiel mit dem kräftigen Motor in der Stadt vollkommen ausreichen, und so sieht das Rad noch minimalistischer aus.

Über die zum Rad gehörende App wechselt man zwischen den beiden Stufen der Motorunterstützung oder schaltet diese aus, knipst das Licht an und aus, navigiert mittels der Kartenansicht und erhält Informationen über Geschwindigkeit, Ladestand der Batterie, aktuelle Leistung des Motors, Gesamtkilometerstand und Ähnliches. Auch Firmwareupdates bekommt das Rad über die App eingespielt, im Test war das einmal der Fall und in wenigen Minuten problemlos erledigt. Generell bietet es sich an, eine Halterung für das Smartphone am Rad nachzurüsten.

Die Ampler-App überträgt auf Wunsch gefahrene Strecken zu Fitness-Portalen wie Strava. Das klappte im Test jedoch nur dann, wenn wir mit Navigation radelten; beim einfach Drauflosfahren wurde nichts aufgezeichnet. Hin und wieder vergaß die App auch Strecken trotz Speicherung mit dem Save-Button.

Für die beiden Fahrmodi lässt sich frei einstellen, bis zu welcher Geschwindigkeit und in welcher Stärke der Motor mitarbeiten darf. In der Standardeinstellung liegen beide nicht besonders weit auseinander und der Unterschied ist beim Fahren kaum zu bemerken. Naheliegend ist, die erste Stufe etwas zurückzuschrauben, um im Fall der Fälle ein wenig akkuschonender unterwegs zu sein.

Im Test hatte die App Schwierigkeiten, sich die Verbindung mit dem Android-Smartphone dauerhaft zu merken. Mindestens einmal pro Tag, teils sogar mehrmals täglich poppte beim Öffnen der Anwendung wie beim allerersten Mal die Frage auf, ob man Smartphone und Rad über Bluetooth denn nun tatsächlich koppeln möchte. Zwar ist die App zum Fahren nicht zwingend notwendig, nervig ist das aber allemal. Ampler arbeitet derzeit an einer komplett neuen App, die bereits in der Beta-Phase ist.

Ampler verspricht mit einer Ladung des im Unterrohr fest verbauten Lithium-Ionen-Akkus eine Reichweite von 45 bis 100 Kilometern. Das ist eine ziemlich ungenaue Angabe, aber ehrlich, denn die Reichweite eines Pedelecs hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab: Gewicht des Fahrers, Zuladung, Temperatur, Streckenprofil und Geschwindigkeit. Wir sind im Test zwischen 60 und 70 Kilometer weit gekommen, und das bei weitgehend flacher Strecke in Stadt und Umland mit nur gelegentlichen Steigungen und nicht allzu grazilem Fahrer. Da ließe sich freilich noch etwas mehr rauskitzeln, etwa mit heruntergeregelter Motorunterstützung oder anderer Fahrweise – entweder langsamer, damit der Motor weniger anschieben muss, oder auf freier Strecke schneller als 25 km/h, damit er nicht mehr anschieben darf.

Ladeanschluss und Schalter befinden sich am Sattelrohr, der Akku ist fest verbaut im Unterrohr. Das ist hübsch, aber unpraktisch.

Ist der Akku einmal leer, muss das mitgelieferte Ladegerät ran. Das ist ein ziemlicher Klotz und wiegt 820 Gramm, liefert 54,6 V und 3 A, bringt das Curt in ziemlich genau zweieinhalb Stunden von 0 auf 100 Prozent – und trifft damit die vom Hersteller angegebene Ladezeit exakt. Ein zweites Ladegerät zum Mitnehmen oder Im-Büro-Deponieren kostet 120 Euro. Da der Akku fest eingebaut ist, muss man das Rad zum Laden in die Nähe einer Steckdose bringen. Entnehmbare Akkus sind da flexibler. Muss der Akku einmal komplett getauscht werden, soll das laut Ampler von jeder Fahrradwerkstatt in einer Stunde zu erledigen sein.

Wer ein schlichtes und schickes Rad für die Stadt sucht, das die flotte Gangart beherrscht, wird mit dem Ampler Curt fündig. Ähnlich wie bei der günstigeren Konkurrenz von Cowboy und Sushi ist die Sitzposition sportlich, der Motor im Hinterrad und das Design minimalistisch. Das Curt mit Kettenschaltung statt Riemen und Singlespeed ist aber flexibler, wenn es einmal auf Tour abseits der Stadt gehen soll, und zudem bequemer zu fahren, wenn der Akku unterwegs leer geworden sein sollte. Die Schaltung als Option gibt es bei Cowboy und Sushi nicht, das ähnlich teure Vanmoof S3 kann mit immerhin vier Gängen aufwarten. Für ausgedehnte Touren mit Gepäck bieten sich andere Räder als das Curt eher an, aus dem gleichen Haus etwa die Schwestermodelle Stout und Stellar.

Bei den smarten Funktionen kann das Curt grundsätzlich überzeugen. Die App zeigt wichtige Daten und Statistiken und dient nicht zuletzt zur Navigation – lediglich die nervige Vergesslichkeit bei der Bluetooth-Verbindung lässt auf Updates hoffen. Die wichtigeren Qualitäten eines E-Bikes, nämlich zuvorderst eine kräftige Motorleistung, dynamisches Fahrverhalten und ordentliche Reichweite, bringt das Curt auf die Straße.

Ampler Curt

Pedelec
Motor Hinterradnabenmotor, 250 W
Akku Lithium-Ionen, 48 V, 336 Wh, fest verbaut im Unterrohr
Antrieb wahlweise Singlespeed-Riemenantreieb (GatesCDX Carbon Drive) oder 11-Gang-Kettenschaltung (Shimano Deore M5120)
weitere Ausstattung integrierte Beleuchtung, Scheibenbremsen (Shimano M6000)
Gewicht 13,4 kg (Riemenantrieb) / 14,4 kg (Kettenschaltung)
Systemanforderungen Smartphone mit Android ab 4.4 oder iOS ab 9.1
Preis 2900 €
c’t Ausgabe 10/2021

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(sht)