Elektroauto Skoda Enyaq iV 80X im Fahrbericht: Mehr Kraft verteilt

Mit einem zusätzlichen Motor an der Vorderachse bekommt der Enyaq Allradantrieb – und nochmals mehr Leistung. Wie fährt sich das Paket?

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Skoda Enyaq iV 80X

(Bild: Skoda)

Von
  • Martin Franz

Skoda erweitert die Enyaq-Baureihe um ein Spitzenmodell mit Allradantrieb. Gemäß der Plattform-Strategie wäre an dieser Stelle mit einem weiteren Ableger von VW ID.4 GTX und Audi Q4 e-tron zu rechnen gewesen – sprich: Einem Antriebsstrang, der bis zu 220 kW bereitstellt. Er kommt aber erst Ende des Jahres im Skoda Enyaq auf dem Markt. Zuvor platzieren die Tschechen noch ein Modell dazwischen, dass mit dem Zusatz Sportline 80X versehen wird. Wir konnten uns bereits einen ersten Eindruck verschaffen.

Bisher war bei 150 kW im Enyaq Schluss. Der neue Strang verteilt sich auf zwei Motoren. Im Heck bleibt mit 150 kW gewissermaßen alles beim Alten. Hinzu kommt ein 80 kW-Motor an der Vorderachse. Rechnerisch würden sich daraus 230 kW ergeben, doch Skoda will noch Platz lassen für ein RS-Modell, das dann zu den anderen Konzernmodellen mit 220 kW aufschließen wird. Auch deshalb bleibt es im Enyaq 80X bei 195 kW.

Der vordere Motor wird nur bei Bedarf dazugeschaltet, die Hauptlast trägt der Heckmotor. Die Unterschiede werden also erst dann deutlich, wenn man das SUV voll fordert. Schon mit 150 kW geht es ordentlich voran, mit dem Zusatzmotor an der Vorderachse sind 6,9 Sekunden im Standardsprint drin, das sind rund 1,7  weniger als im Modell mit 150 kW. Hier wie dort ist bei 160 km/h Schluss.

Skoda Enyaq iV Sportline 80X außen (6 Bilder)

Der Skoda Enyaq mit 195 kW wird zumindest vorerst nur als Sportline zu haben sein.

Mit dem Antrieb vorn kommen noch einmal rund 70 kg hinzu, was nicht zu merken ist. Das Auto beschleunigt bei Bedarf ohne Verzögerung sehr kraftvoll, egal ob nun Überholmanöver oder die Auffahrt auf die Autobahn ansteht. Leistung ist stets reichlich vorhanden. Dass der Enyaq iV Sportline 80X trotzdem kein Sportler ist, hat nicht nur etwas mit dem Fahrzeugformat zu tun. Fast 2,4 Tonnen werden hier bewegt, und obwohl der Testwagen ein Fahrwerk mit kürzeren Federn und strafferen Dämpfern eingebaut hatte, blieb er ganz klar auf der komfortablen Seite.

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Skoda geht damit einen spürbar anderen Weg als VW und Audi. Schlechte Straßen werden angenehm ausgeblendet, ohne dass sich der Wagen schwammig anfühlen würde. Die Neigung in Kurven hält sich in Grenzen. Die Achslastverteilung ist, bedingt durch die Batterie in der Mitte, vorn und hinten fast gleich, auch das kommt der Dynamik zugute. Dieser Skoda Enyaq verhält sich in Kurven weitgehend neutral, der Allradantrieb tut sein Übriges dazu. Nur in engen Kurven, die flott durchfahren werden, drängt er nach außen. Die Spreizung der Fahrmodi hätten wir uns ausgeprägter gewünscht, so verhärtet sich im Sport-Programm lediglich die Lenkung.

Skoda Enyaq iV Sportline 80X innen (7 Bilder)

Blick auf das sauber verarbeitete Armaturenbrett durch das ...

Die Innenausstattung macht einen feineren Eindruck als im VW ID.3, was zugegebenermaßen nicht so schwierig ist. Das mit Kunstleder bezogene Armaturenbrett wirkt nicht billig. Schön wäre es, wenn Skoda auch den "Sportline"-Kunden eine gewisse Wahl bei den Interieurleisten lassen würde, denn die Verkleidungen in der angestrebten Karbon-Optik sind aus Kunststoff und lassen daran auch keinen Zweifel. Ob es in einem Auto mit solch komfortablem Grundtenor als Gegenpol wirklich Halbschalensitze und ein unten abgeflachtes Lenkrad sein muss? Die Zielgruppe wird diese Frage beantworten, auf den Tester wirkte das etwas bemüht. Immerhin: Die Sitze sind ziemlich bequem und bieten viel Seitenhalt.

Der Enyaq verbindet das, was viele Autokäufer wollen – das Format SUV – mit der Möglichkeit, es weniger umweltbelastend als bisher zu nutzen. Allerdings ist Sparsamkeit auch für Elektrofahrzeuge ein Umweltfaktor: Bei unserer Ausfahrt, ohne Anspruch maximal geringer Verbrauchswerte, kamen wir auf 22,5 kWh/100 km laut Anzeige. Hinzu addieren sich noch die Ladeverluste, die der Bordcomputer naheliegenderweise nicht ausweist, die aber mitbezahlt werden müssen. Ein dreiphasiges Ladegerät ist serienmäßig, der Enyaq nimmt an Wechselstrom auf diesem Weg maximal 11 kW entgegen. An Gleichstrom sind es bis zu 125 kW. Eingeplant werden sollte beim Kauf die Wärmepumpe, die voraussichtlich auch im Topmodell mit 1150 Euro extra in Rechnung gestellt wird.

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Noch verrät Skoda nichts zu den Preisen, doch ein Schnäppchen wird der Neue eher nicht. Ein Enyaq Sportline mit 150 kW kostet schon 48.000 Euro, und hat durchaus noch Lücken in der Ausstattung, die wohl die meisten gern füllen werden wollen. Abstandstempomat, Sitzheizung, Parkhilfen und Navigationssystem erleichtern schließlich irgendwann die Weiterreichung an den nächsten Interessenten. Und all diese Dinge wird auch der Enyaq 80X-Käufer extra bezahlen müssen.

Wesentlich weniger als 50.000 Euro wird das neue Spitzenmodell des Enyaq also nicht kosten. Zu viel? Einen Enyaq mit 150 kW ohne Sportler-Dress ist ab 43.950 Euro zu haben. Diese Möglichkeit wird es zumindest vorerst im Modell mit 195 kW nicht geben. Skoda kann sich trotzdem entspannen: Die Erfahrung zeigt, dass die Marke mit RS-Modellen gutes Geld verdient hat. Also ausgerechnet mit jenen, die den viel beschworenen Markenkern "Viel Auto fürs Geld" nicht in den Vordergrund stellt. Im Zweifelsfall heißt es vermutlich eher: Das Geld, was der Skoda im Vergleich zu den anderen Markenablegern weniger kostet, wird in Zugkraft investiert.

(mfz)