Erste Ausfahrt im Lexus UX 300e: Toyotas erstes Elektro-Auto

Das erste Stromauto von Lexus bietet mehr Raum als seine PHEV-Variante, gleitet leise und gut gefedert. Eine komfortable Alternative zu VW ID.4 und Skoda Enyaq?

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Ab Januar 2021 ist der Lexus UX 300E zu haben.

(Bild: Lexus)

Von
  • Wolfgang Gomoll

Mit dem Lexus UX 300e stellt Toyotas Premium-Marke sein erstes batterieelektrisches Auto vor. Das kompakte Crossover-Modell ist ein Derivat der Lexus-UX-Modellfamilie und nutzt ebenfalls die Toyota New Global Architecture (TNGA).

Dass sich eine große Traktionsbatterie in einem Elektroauto beim Platz nicht immer negativ auswirken muss, zeigt das Kofferraumvolumen von 367 Litern, 47 Liter mehr als im Hybridmodell UX 250h. Die 54,3 kWh fassende Batterie befindet sich zwischen den Achsen und ist von außen gut sichtbar. Als Reichweite nennt Toyota 315 Kilometer, untermauert von der Berechnung der Ingenieure, dass Autofahrer im Durchschnitt täglich 46 Kilometer zurücklegen und damit einmal pro Arbeitswoche Strom tanken müssen.

Bei der maximalen Ladeleistung von 50 kW vergehen laut Hersteller 50 Minuten, ehe die leere Batterie zu 80 Prozent gefüllt ist. An einer Wallbox dauert es mit 6,6 kW rund acht Stunden, an der 230-Volt Haushaltssteckdose einen ganzen Tag. Ein Wechselstrom-Ladeanschluss befindet sich rechts hinten, während ein Gleichstrom-Ladeanschluss für schnelles Laden hinten links angebracht ist.

Wir kamen auf eine Reichweite von 244 Kilometern, was angesichts des Streckenprofils mit Autobahn-Etappen, bei denen wir die Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h erreichten, durchaus in Ordnung ist. Unser Verbrauch von 24,2 kWh pro 100 Kilometer lässt sich so erklären. Als durchschnittlichen Verbrauch gibt Lexus 17,1 kWh/100 km an. Allerdings reduzierte unser Testfahrzeug aufgrund dieser Beanspruchung temporär seine Leistung, um die Batterie zu schonen.

Der Motor hat mit 150 kW und 300 Nm Drehmoment genug Kraft, den mit 1765 Kilogramm relativ leichten Stromer engagiert voranzuziehen. Vor allem im Sport-Modus kitzelt die Software alles aus dem Antriebsstrang heraus, was zu einer Sprintzeit von null auf 100 km/h von 7,5 Sekunden und einem sehr spontanen Ansprechen auf das Fahrpedal führt. Auf Landstraßen macht der Lexus Laune. Bei starken Beschleunigungen aus bei niedrigeren Geschwindigkeiten drehen schon mal kurz die Räder der Antriebsachse vorn durch. Allradantrieb könnte dem abhelfen, doch fehlt dazu der Platz.

Lexus UX 300E (14 Bilder)

Toyotas erstes Serien-Elektroauto kommt von der Marke Lexus.

Das komfortabel abgestimmte Fahrwerk arbeitet auch bei groben Bodenunebenheiten noch geschmeidig, die Abstimmung führt in Kurven stärkerer Neigung und Untersteuern. Die Stärken des elektrischen Crossovers liegen eindeutig im entspannten Vorankommen, von Wind- und anderen Umweltgeräuschen dringt nur wenig in die Fahrgastzelle vor.

Die Rekuperation ist in vier Stufen einstellbar, was mit den Wippen am Lenkrad erledigt wird. Allerdings muss dazu vorher der Schalthebel in die B-Stellung gebracht werden. Durch diese Unterteilung kann man sich die Motorbremse nach Geschmack justieren. Zum fast ausschließlichen Einpedalfahren genügt die Bremswirkung der Energierückgewinnung im Lexus UX 300e allerdings nicht.

Die Fahrmodi Eco, Normal und Sport werden durch einen der beiden Hörner, die sich links und rechts neben der Instrumenten-Hutze befinden, mit einem Drehring aktiviert und wirken sich spürbar auf das Ansprechverhalten des Antriebsstrangs aus. Das spontane Ansprechen im Dynamik-Fahrprogramm bereitet auf Landstraßen die größte Freude. In den beiden anderen Einstellungen wird nur das Ansprechverhalten zahmer, nicht aber die Kraft des Motors gedrosselt.

Beim Infotainment geht Lexus wie Toyota gern eigene Wege. Dass sich die Radio-Bedienung am vorderen Ende der mittleren Armauflage befindet, irritiert nur kurz. Auch das eher seltene Touchpad stellt den Fahrer vor keine großen Probleme, da man beim Anwählen der einzelnen Menüpunkte einen eindeutigen Druckpunkt spürt, ähnlich, wie das beispielsweise bei Apple Laptops der Fall ist. Allerdings wünschen wir uns von der Premiummarke Lexus eine modernere Grafik.

Während man vorn im 4,49 Meter messenden Kompakt-Crossover gemütlich sitzt, geht es dahinter schon deutlich enger zu. Personen, die über 1,80 Meter groß sind, kommen mit dem Kopf nah an den Dachhimmel und auch die Beinfreiheit ist nicht üppig. Der Kofferraum bietet, wie eingangs schon erwähnt, genug Platz und die Ladekabel sind im Fach unter dem Boden gut aufgehoben. Allerdings müssen die Gepäckstücke erst über eine recht hohe Ladekante gewuchtet werden.

Der Lexus UX 300e kostet 47.550 Euro und soll – ab Januar beim Händler – die Palette der Elektroautos in Deutschland bereichern. Ob er als komfortable Alternative beispielsweise zu Skoda Enyaq iV oder VW ID.4 (mit 150 kW) angenommen wird, ist fraglich. Mit seinen konventionell motorisierten Autos jedenfalls spielte Lexus bislang immer eine kleine Sonderrolle.

(fpi)