Erste Ausfahrt im Toyota RAV4 PHEV: Sparmodell mit 320 PS

Der Toyota RAV4 ist unter den kompakten Mittelklasse-SUV eines der erfolgreichsten Modelle. Nun gibt es den japanischen Bestseller auch als Plug-In-Hybrid.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 8 Beiträge

(Bild: Toyota)

Von
  • Stefan Grundhoff

Mit dem Plug-In-Hybridantrieb bekommt der Toyota RAV4 einen deutlichen Leistungsnachschlag, ab sofort stehen dem Fahrer üppige 225 kW / 306 PS Systemleistung zur Verfügung. Das ist auf dem Niveau der Konkurrenz von Audi, Mercedes oder BMW. Optisch unterscheidet sich der RAV4 als PHEV nicht von der seltenen Ausführung mit Verbrennungsmotor oder der deutlich erfolgreicheren Version mit leistungsverzweigtem Hybridantrieb ohne Stecker.

Lesen Sie auch

Von den 120.000 in Europa verkauften RAV4-Modellen wurden bisher mehr als 100.000 als Hybridvariante ausgeliefert. Mit ihrem zweiten Plug-in-Hybrid hat sich der Hybrid-Pionier Toyota viel Zeit gelassen. Vor acht Jahren kam der Prius als PHEV (Test) auf den Markt. Doch ein Erfolg wurde das in Europa rund 8000 Euro teurere Plug-in-Modell nicht, die meisten Kunden kauften weiter den normalen Prius Hybrid.

Das dürfte beim neuen Toyota RAV4 PHEV anders sein. Er bietet viel Platz und überzeugt mit seinem Hybridkonzept. Die Basisarbeit übernimmt ein 2,5 Liter großer Vierzylinder-Ottomotor ohne Aufladung, der 136 kW (185 PS) und ein maximales Drehmoment von 227 Nm bietet. Er wird unterstützt von zwei Elektroantrieben, von denen der kräftigere mit 134 kW und 270 Nm die Vorderachse antreibt. Die Hinterachse wird wie beim normalen Hybriden von einem vergleichsweise kleinen Elektromotor mit 40 kW versorgt. Die Systemleistung liegt bei immerhin 225 kW / 306 PS.

Einen mechanischen Durchtrieb von vorn per Kardanwelle gibt es nicht. Die Hinterachse wird nur angetrieben, wenn Traktionsprobleme bestehen oder nach den Berechnungen der Steuerelektronik wahrscheinlich sind. Im Normalbetrieb fährt der Toyota als Fronttriebler und dann macht sich die vergleichsweise große Motorleistung an der Vorderachse durch Antriebseinflüsse in der Lenkung bemerkbar. Daher würde dem RAV4 mehr Kraft an der Hinterachse durchaus guttun.

Toyota RAV4 PHEV (12 Bilder)

Kaum sichtbar ist der Unterschied zum "normalen" Hybridmodell.

Abseits befestigter Pisten hat der RAV4 nichts zu suchen, doch auf lockerem Untergrund bemüht sich ein Trail Mode um maximale Traktion. Neben den vier Hybridprogrammen gibt es drei Fahrmodi, von denen Normal und Sport besser passen als Eco, der den knapp zwei Tonnen schweren Allradler träger erscheinen lässt als er an sich ist.

Rund 60 Kilometer sind rein elektrisch fahrbar, wenn man es nicht allzu engagiert angehen lässt. Der Normverbrauch liegt bei 1,2 Litern Benzin oder 16,6 kWh auf 100 Kilometern - wie es zu dieser aberwitzigen Angabe kommt, haben wir an dieser Stelle einmal aufgedröselt. Die elektrische Höchstgeschwindigkeit liegt bei 135 km/h, bei 180 km/h ist der Wagen abgeregelt, um dem Elektromotor keine zerstörerischen Drehzahlen zuzumuten. Tempo 100 aus dem Stand sind in 6,0 Sekunden erreichbar, 2,1 Sekunden schneller als mit dem RAV4 Hybrid. Das sollte auch verwöhnte Menschen zufriedenstellen.

Das Lithium-Ionen-Akkupaket mit einer Kapazität von 18,1 kWh besteht aus 96 Batteriezellen, die über die Klimaautomatik des Fahrzeugs temperiert mit einer Spannung von 355 Volt arbeiten. An einer mit 16 A abgesicherten 230-Volt-Steckdose lässt sich ein leeres Akkupaket in 7,5 Stunden füllen. Deutlich sinnvoller ist die Wallbox, die diese Zeit auf immerhin 4,5 Stunden verkürzt.

Auch wenn der mindestens 46.293 Euro teure RAV4 PHEV deutlich mehr Leistung als der bisherige RAV4 hat, bleibt er ein kräftiger, aber ruhiger Gleiter. Das Leistungsplus tut dem SUV gut, doch sind die drei Motoren in Verbindung mit dem eCVT-Planetenradgetriebe kompromisslos auf niedrigen Verbrauch ausgelegt. Mit mehr Kraft an der Hinterachse würde zwar die Fahrdynamik noch weiter zunehmen, doch die Stärke des Toyota RAV4 Plug-in-Hybrid bleibt der niedrige Verbrauch, das niedrige Geräuschniveau, das nicht zuletzt durch die Dämmglasscheiben nochmals verbessert wurde und der entsprechende Fahrkomfort.

Das Platzangebot des 4,60 Meter langen Toyota RAV4 ist im Vergleich zum normalen Hybriden unverändert. Der Ladeboden wurde der Akkus wegen um 3,5 Zentimeter angehoben, trotzdem steht noch Laderaum von 520 Litern zur Verfügung, der sich durch Umlegen der Rückbank auf 1604 Liter erweitern lässt. Wer die im Verhältnis 60:40 teilbare Rückbank umklappt, erhält eine ebene Ladefläche – nicht selbstverständlich für ein Hybridmodell. Zudem kann der RAV4 als Plug-In-Hybrid mit einem Anhänger immer noch 1,5 Tonnen an den Haken nehmen.

Die bequemen Sitze passen zum allgemeinen Komfort, die serienmäßige Sitzheizung der elektrischen Lederausstattung wird beim 58.380 Euro teuren Topmodell des RAV4 inklusiv Technik- und Stylepaket um eine Sitzkühlung erweitert. Ihre Frischhalte-Wirkung hätten wir uns an den heißen Sommertagen noch etwas kräftiger gewünscht - fraglos ein Klagen auf sehr hohem Niveau. Auch hinten gibt es ausreichend Platz, dazu Sitzheizung. Nur die Fondkopfstützen sind zu kurz um wirklich zu schützen.

Der acht Zoll große Zentralbildschirm mit Touch-Funktion ist gut bedienbar. Die Instrumente haben teils noch tatsächlich vorhandene Zeiger, nur der Tachometer und die zentrale Info-Insel werden auf Displays dargestellt. Ein echter Fortschritt ist das farbige Head-up-Display, das alle wichtigen Informationen ohne Blickabwendung ins Sichtfeld des Fahrers bringt.

Wer als Stammautohaus einen Suzuki-Händler hat, bei Suzuki bessere Konditionen bekommt oder für den der nächste Toyota-Stützpunkt weit entfernt liegt, bekommt das gleiche Fahrzeug übrigens als Suzuki Across mit einem leicht geänderten Kühlergrill und anderen Markenzeichen.

Lesetipp

(fpi)