"Everspace 2" angespielt: Mit Vollgas durchs All

Early Access, wie es sein soll: Mit der Weltraumflugaction "Everspace 2" macht das deutsche Entwicklerstudio Rockfish Lust auf mehr.

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(Bild: Rockfish Games)

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  • Andreas Müller

Das ging schnell. Kaum ist "Everspace 2" vom Hamburger Studio Rockfish Games erschienen, schon hat es die Spitze der Steamcharts übernommen. Fast gleichzeitig gewann das Spiel den "Most Wanted"- Award beim Deutschen Entwicklerpreis. Dabei steht bis jetzt nur eine Early-Access-Version zur Verfügung, die nur einen kleinen Ausblick auf das fertige Spiel liefert.

"Freelancer", "Wing Commander" oder "Elite" – die Liste der Vorbilder von "Everspace 2" ist lang, glorreich und heutzutage nahezu vergessen. Das mag einer der Gründe sein, warum das weitgehend unbekannte Hamburger Entwicklerstudio Rockfish mit dem Vorgänger einen Überraschungserfolg verbuchen konnte. Der Nachfolger der rasanten Weltraumaction macht alles ein bisschen größer, schaltet den Afterburner ein und flitzt mit Lichtgeschwindigkeit an die Spitze der aktuellen Weltraumballerspiele.

Vor allem stimmten hier die Missionsvielfalt und die spektakulären Effekte. Sich einfach hinter das Steuern zu klemmen, loszudüsen und Weltraumpiraten in die Luft zu jagen sieht zwar toll aus und steuert sich einfach, ist aber noch lange nicht alles. Ähnlich wie in "Descent" tauchen die Spieler auch in Weltraumwracks ein, verbinden Energieknotenpunkte oder schleichen sich an feindliche Schiffe an, um Information aus dem Computer zu stehlen. In solchen Momenten ist Rockfishs Space Opera keine Weltraumflugsimulation, sondern eine Art Action-Rollenspiel im All.

Das merken die Hobbypiloten auch bei den Actionszenen: Skills sind nett, aber nicht alles. Wer im All überleben will, muss sich erstmal mit den nötigen Gerätschaften versorgen. Meistens hinterlassen zerstörte Raumschiffe ein paar Waffen, alternativ kann man sie auch bei Weltraumshops kaufen.

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Neben der Beutejagd darf auch fleißig gebastelt werden. Mit Rohstoffen und Bauplänen werden Waffen und Ausrüstung gebaut oder verbessert. Jeder Missionserfolg bringt zusätzlich Erfahrungspunkte ein, mit denen die Piloten im Level aufsteigen und stärker werden. Zusätzliche Boni gibt es durch Mitstreiter, die einen Traktorstrahl oder Selbstheilung freischalten. Schon jetzt bieten sich dadurch viele Möglichkeiten, die unzählige motivierende Stunden im All versprechen. Ob alle genutzt werden, bleibt abzuwarten, denn für "Everspace 2" gilt das, was für alle Early-Access-Spiele gilt: Work in Progress.

Trotz des gelungenen spielerischen Grundsprinzips läuft noch nicht alles rund: Das User-Interface ist unübersichtlich, der Sternenhintergrund wirkt eher wie eine lieblos hingeklebte Tapete und der Schwierigkeitsgrad sorgte bei unseren Anspielstunden für ein Wechselbad der Gefühle. Besonders merkt man die frühe Entwicklungsphase aber an der drögen Storypräsentation: Irgendwo zwischen "Captain Future" und tausend SciFi-Klischees wird die Geschichte eines verirrten Klons erzählt. Wie bei vielen Indie-Spielen üblich verzichten die Macher weitgehend auf Animationen und setzen aktuell auf einfach gezeichnete Comic-Szenen.

"Everspace 2" angespielt (5 Bilder)

Spektakulär und abwechslungsreich: "Everspace 2" von Rockfish Games lässt bereits in der Eary-Access-Version die Muskeln spielen.
(Bild: heise online)

Bis die finale Version erscheint, wird noch einige Zeit vergehen. Rockfish nennt noch kein Datum, wird aber in den kommenden Monaten das Spiel mit neuen Inhalten ausbauen. Flightsticks werden bereits unterstützt, aber Multiplayer- oder VR-Modi sind nicht geplant. Zumindest dürfte sich einiges am Umfang ändern: Die Early-Access-Version bietet momentan rund 8 Stunden der Story-Kampagne und noch einige Stunden Open-World-Action, die Spieler mit Nebenmissionen und Bastelarbeiten verbringen können. Ein ordentliches Paket, das auch den recht happigen Preis von knapp 40 Euro für eine Early-Access-Version rechtfertigt.

"Everspace 2" macht bereits in der Early-Access-Version einen runden Eindruck. Die Action im All bietet spektakuläre Effekte und abwechslungsreiche Missionen, die der alten und neuen Konkurrenz das Fürchten lehren – schöner und spannender konnten sich Spieler selten durch den Weltraum ballern. Dennoch wird es bis zum finalen Release noch Monate dauern. Neben dem spielerischen Umfang sollten die Entwickler an der Story feilen, die weder vom Inhalt noch vom Stil spannend und zeitgemäß ist. Wer sich nur auf die Action konzentrieren will, dem kann das egal sein – "Everspace 2" verspricht endlich würdigen Nachschub für Fans von "Freelancer" & Co.

"Everspace 2" ist am 18. Januar zum Download als Early-Access-Version für Windows erschienen. Es kostet ca. 40 €. USK nicht geprüft.

(dahe)