Fahrbericht: Genesis GV70

Hyundai versucht, über die Submarke Genesis im Nobelsegment einzusteigen. Das SUV GV70 wirkt im ersten Fahrbericht gelungen, sieht man einmal vom Verbrauch ab.

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Genesis GV70

(Bild: Genesis)

Von
  • Wolfgang Gomoll
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Versuche von Importeuren, im Nobelsegment Fuß zu fassen, gab es schon einige. Der Erfolg war, zumindest auf dem global betrachtet kleinen deutschen Absatzmarkt, eher überschaubar. Vielfach lag es nicht an den Autos oder gar deren Qualitäten, denn unter den Exoten gab es vielversprechende Modelle. Mit Genesis, einer Marke die zum Hyundai-Imperium gehört, läuft gerade ein weiterer Versuch. Eine erste Ausfahrt mit dem SUV GV70 zeigt, dass, falls das Auto kein Erfolg werden sollte, den Entwicklern kein Vorwurf zu machen ist.

Mit einer Länge von 4,72 m ist der Genesis GV70 ungefähr so lang wie Audi Q5, Mercedes GLC und BMW X3 (Test). Das Platzangebot ist etwa vergleichbar mit diesen Modellen. Der Kofferraum fasst zwischen 542 und 1678 Litern. Gegen das, was Genesis an Innenraum-Materialien auffährt, wirken die Deutschen zumindest im Basistrimm geradezu hemdsärmelig. Ganz die Noblesse eines G80 erreicht das SUV zwar nicht, doch es sind keine Welten. Alle Materialien wirken sehr hochwertig, die Verarbeitung des Testwagens war makellos.

Genesis bedient zudem den Spieltrieb der Fahrer soweit, dass manch einer ihn vielleicht als User bezeichnen würde. Schon das Display des Kombiinstrumentes misst 12,3 Zoll, jenes in der Mitte gar 14,5 Zoll. Mit etwas Geduld kann man sich den GV70 mit einer Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten nach eigenem Gusto konfigurieren. Das fängt bei der Darstellung vor dem Fahrer an: Das virtuelle Cockpit stellt die Instrumente auf Wunsch in 3-D-Optik dar, eine Kamera verfolgt die Augen des Fahrers und hebt die Informationen im Blickfeld besonders hervor. Wer will, kann das SUV auch per Fingerabdruck starten und aktiviert so alle Einstellungen, die diesem Profil zugeordnet sind. Selbst die Bremse kann auf „sportlich“ gestellt werden und packt dann herzhafter zu. Ein Jingle ertönt, sobald man den GV70 an- oder abschaltet.

Reichlich Aufwand steckt Genesis auch in das Fahrwerk, das per Kamera Hindernisse und Bodenunebenheiten erkennt und proaktiv agiert. Das klappt ziemlich harmonisch. So lassen sich lange Strecken entspannt bewältigen. Selbst in der straffen Einstellung malträtiert der Genesis GV70 den Fahrer nicht. Sobald man schneller als 130[]km/h fährt, blasen sich die Wangen der Sitze auf und geben dem Körper des Fahrers zusätzlichen Halt. Bei den sportlichen Fahrprogrammen geschieht das automatisch.

Wie bei der Konkurrenz auch kann der Fahrer zwischen den Modi Eco, Comfort, Sport und Sport+ wählen. Die Unterschiede der einzelnen Fahrprogramme sind durchaus spürbar, wobei vor allem in Eco und Comfort eine Antrittsschwäche deutlich wird. In der Sport-Einstellung soll dieser Umstand durch ein erhöhtes Drehzahlniveau kaschiert werden. Bei Sport plus haben die Genesis-Techniker dieses Allheilmittel allerdings übertrieben. Aktiviert man diesen Fahrmodus, dreht der Vierzylinder unter lautem Getöse hoch, wirkt aber eher kurzatmig als dynamisch. Dass man den künstlichen Motorsound deaktivieren kann, halten wir für eine gute Idee, denn wirklich überzeugend tönt der nicht.

Genesis GV70 (7 Bilder)

Der Genesis GV70 tritt unter anderem gegen Mercedes GLC, Volvo XC60, Audi Q5 und BMW X3 an.

Dabei ist der Benziner prinzipiell gut bei Kräften. Der Hubraum ist mit 2,5 Litern für einen Vierzylinder ungewöhnlich groß, eine Aufladung kommt gewissermaßen noch obendrauf. 224 kW (304 PS) und 422 Nm maximales Drehmoment beschleunigen das knapp zwei Tonnen schwere SUV in 6,1 Sekunden auf Tempo 100, Schluss ist erst bei 240 km/h. Die Achtgang-Wandlerautomatik erledigt ihre Aufgabe unauffällig.

Genesis verzichtet bei dieser Maschine auf jegliche Elektrifizierung des Antriebsstrangs. Das hat Folgen. Das einzig Positive im Kapitel Verbrauch ist, dass wir der Werksangabe ungewöhnlich nahekamen. Leider liegt schon die im WLTP bei unzeitgemäßen 10,2 Litern/100 km, auf unserer Ausfahrt kamen wir auf 10,5 Liter. Als vorerst einzige Alternative zum Benziner bietet Genesis einen 2,2-Liter-Diesel mit 154 kW (210 PS) an. Beide werden grundsätzlich mit Automatik und Allradantrieb kombiniert.

Was den Diesel für den ein oder anderen Interessenten möglicherweise bedenkenswert macht, ist nicht nur sein rund drei Liter geringerer Verbrauch, sondern auch eine ungewöhnliche Preisdifferenz. Der Benziner kostet rund 4000 Euro mehr. Der günstigste GV70 kostet 45.920 Euro, der von uns gefahrene GV70 2.5T ist ab 49.900 Euro zu haben. Wer diese Preise mit der Konkurrenz vergleichen mag, sollte bedenken, was Genesis hier dazulegt. Inklusive ist nicht nur eine vergleichsweise umfangreiche Serienausstattung, deren exakter Umfang noch nicht bekannt ist, sondern auch ein Fünf-Jahre-Sorglos-Programm mit Garantie, Pannenhilfe, Over-the-air-Updates, Kundendienst samt Werkstattersatzwagen.

(mfz)