Fahrbericht Land Rover Discovery Sport P300e PHEV

Der Antrieb des Land Rover Discovery Sport ist mit einer vergrößerten Batterie nun als Plug-in-Hybrid erhältlich. Wie fährt sich das SUV damit?

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Mehr Strom im SUV bietet nun auch der Land Rover Discovery Sport.

(Bild: JLR)

Von
  • Wolfgang Gomoll
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Bei seinen vergleichsweise kleineren SUV-Modellen Evoque und Discovery Sport Hybrid kombiniert Land Rover einen Benziner mit einem Elektromotor. Nun ist dieser Antrieb mit einer vergrößerten Batterie auch als Plug-in-Hybrid erhältlich. Der Discovery bietet damit weiterhin den gewohnten Komfort, wie sich auf einer offenbar aus Gründen der Verbrauchsverschleierung leider allzu kurzen Fahrt zeigte.

Zwischen "echtem" Range Rover und dem lifestylishen Range Rover Evoque fristet der Discovery eine Art Nischendasein. Er bietet nicht die aristokratische Ausstrahlung eines Range Rover und das Design gefällt nicht jedem, aber die Ansprüche, mit denen die Marke wahrgenommen werden will, erfüllt er tadellos. Das gilt auch in seiner neuesten Erscheinungsform als Plug-In-Hybridmodell.

Hat man auf den bequemen Sitzen Platz genommen, relativieren sich bald die Unterschiede zum Topmodell. Wohlfühlatmosphäre entsteht dank weichem Leder, Klavierlack und Holzfurnier. Dazu kommt ein gut abgestimmtes Fahrwerk, das mit dem 2168 Kilogramm schweren SUV gut zurechtkommt und selbst grobe Fahrbahnunebenheiten geschmeidig wegfiltert. Die adaptive Dämpfung arbeitet mit Schwingungsdämpfern, deren Flüssigkeit sich durch anlegen von Spannung elektrisch verschieden zäh einstellen lässt.

Der Plug-in-Hybrid-Antriebsstrang setzt sich aus einem 147 kW (200 PS) leistenden 1,5-Liter-Dreizylinder, der die Vorderachse antreibt, und einem Elektromotor mit 80 KW an der Hinterachse zusammen. Das ergibt eine Systemleistung von 227 kW (309 PS) und ein maximales Drehmoment von 540 Nm. Als Energiequelle für die E-Maschine dient eine 15 kWh fassende Batterie, die eine elektrische Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h oder eine Reichweite von bis zu 55 Kilometern laut WLTP ermöglichen soll, nach NEFZ wären es 61. An der Wallbox ist eine Ladeleistung von maximal 7 kW möglich, an Gleichstrom aus Schnellladesäulen sind es bis zu 32 kW. Damit sollte eine leere Batterie in rund 30 Minuten zu 80 Prozent zu füllen sein.

Drei Fahrmodi stehen zur Auswahl: Hybrid für einen automatisch gesteuerten Mischbetrieb, EV für batterieelektrisches Fahren und Save, um den Batterieladezustand beizubehalten. Das Zusammenspiel zwischen dem Verbrenner, dessen Kraft eine Achtstufen-Wandlerautomatik von ZF verwaltet, und dem Elektromotor bietet den hohen Antriebskomfort, den man von einem Range Rover erwartet. Der daraus resultierende Allradantrieb hilft bei der Traktion in schnellen Kurven und rutschigem Untergrund. Darüber hinaus kann er dank automatischer Regelung auch zur Stabilisierung der Fahrdynamik genutzt werden.

Fahrbericht Land Rover Discovery Sport P300e PHEV (8 Bilder)

Als Energiequelle für die E-Maschine dient eine 15 kW fassende Batterie. An der Wallbox ist eine Ladeleistung von maximal 7 kW möglich, an Gleichstrom aus Schnellladesäulen sind es bis zu 32 kW. Damit sollte eine leere Batterie in rund 30 Minuten zu 80 Prozent zu füllen sein. 

Nach 6,6 Sekunden sind 100 km/h erreicht und bei 209 km/h ist der Vortrieb zu Ende. Der Dreizylinder überrascht mit einem angenehm satten Klang, allerdings gönnt sich der Verbrennungsmotor unterhalb von 2500/min eine kurze Atempause, ehe er seine volle Kraft entfaltet und bei hohen Drehzahlen geht ihm etwas die Luft aus. Das ist aber nur eine Charakterbeschreibung, das 4,60 Meter lange SUV lässt sich durchaus flott bewegen.

Land Rover gibt einen Durchschnittsverbrauch von 2,0 l/100 Kilometer im WLTP an, wir kamen mit voller Batterie auf einer Route, die uns über Landstraßen und kleinere Ortschaften geführt hat, auf 2,9 l/100 km laut Bordrechner. Sobald der Stromspeicher geleert ist, dürften sich – je nach Betriebsbedingungen – Verbräuche zwischen acht und zehn Litern einstellen.

Für die neue Einstiegsmotorisierung mit dem gleichen Dreizylinder, aber nur 118 kW (160 PS), gibt Land Rover einen Verbrauch ab 6,6 l/100 km im WLTP an. Da der Verbrenner im Verbrauchszyklus in seinen beiden Leistungsvarianten bei weitem nicht in den Bereich seiner jeweiligen Höchstleistungen kommt, dürfte der Zyklusverbrauch des PHEV mit leerer Batterie nicht allzu weit abweichen. Aufgrund der höheren Rekuperationskapazität dürfte er aber unter bestimmten Betriebsbedingungen günstiger sein. Anders ausgedrückt: Die kräftigere Elektromaschine mit größerem Akku vergrößert die Spreizung zwischen den erreichbaren Verbrauchsextremen.

Bei den Assistenzsystemen legt Jaguar Land Rover zum neuen Modelljahr ebenfalls nach. Neue Funktionen überwachen den Verkehr hinter dem Discovery Sport und bremsen während einer Rückwärtsfahrt ab, falls eine Kollision droht. Das Ganze wird durch eine verbesserte 360-Grad Kamera, die bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h ein Bild der Umgebung auf das Display wirft. Der Totwinkelwarner ist nun auch im Stand beim Öffnen der Türen aktiv, vor allem in Ortschaften eine nützliche Funktion.

Das Infotainmentsystem mit dem zentralen Zehn-Zoll-Display hat in seiner neuesten Ausbaustufe einen nötigen Schritt nach vorne gemacht. Der Musikdienst Spotify ist Teil des Systems, bei dem nun zwei Mobiltelefone gleichzeitig per Bluetooth verbunden werden können und Updates kommen drahtlos ins Auto. Allerdings ist die Bedienung noch immer nicht ganz eingängig und manche Funktionen nur über Umwege erreichbar. Eine zentrale App, mit der man auf alle Bereiche des Autos, wie zum Beispiel den Innenraum, die Anzeigen oder die Fahrdaten zugreifen kann, fehlt. Beim virtuellen Cockpit gibt es dagegen wenig zu bemängeln: Die Anzeigen sind gestochen scharf und übersichtlich.

Offenbar will Land Rover mit dem hoch motorisierten PHEV die Fahrdynamik erhöhen. Der Spareffekt hängt – wie immer bei Plug-In-Konzepten – von der Konsequenz des Ladens und den Streckenprofilen ab und liegt damit vor allem in der Verantwortung der Nutzer. Der Alltagsnutzen sinkt durch das Konzept insofern, als der Hybrid-Disco lediglich 1600 kg ziehen darf im Gegensatz zu den mit 147 respektive 184 kW (200 und 249 PS) schwächeren Versionen ohne elektrische Unterstützung, die beide für 2000 kg freigegeben sind. Ganz billig ist das Vergnügen, einen solchen Land Rover zu fahren, nicht, der Land Rover Discovery Sport ist als PHEV nur mit der gehobenen Ausstattung erhältlich und kostet so mindestens 55.446 Euro. Anfang 2021 soll dieses Modell lieferbar sein.