Fujifilm X-E4 im Test: Spiegellose Systemkamera für die Jackentasche

Neuer Sensor, neues Display und schneller Autofokus. Mit der X-E4 hat Fujifilm nun auch seine X-E-Linie technisch und haptisch auf den aktuellen Stand gebracht.

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(Bild: Fujifilm)

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  • Peter Nonhoff-Arps
c't Fotografie 3/21

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Die Fujifilm X-E4 ist eine kompakte spiegellose Systemkamera mit APS-C-Sensor. Sie folgt auf die X-E3. Wie die größeren Modelle der X-Reihe von Fujifilm besitzt sie eine Auflösung von 26,1 Megapixeln. Auch der schnelle Autofokus und die Farbtechnologie stammen aus den ambitionierten Kameras der Serie.

Darüber hinaus bietet die X-E4 eine Augen- und Gesichtserkennung sowie ein nach unten und um 180 Grad nach oben neigbares Touchdisplay. Bei der Bedienung verfolgt der Hersteller einen Weg zwischen dem Fujifilm-üblichen manuellen und dem bei anderen Herstellern verbreiteten Konzept mit PASM-Modulwahlrad. Damit ist sie technisch ähnlich ausgestattet wie die kürzlich eingeführte Fujifilm X-S10. Allerdings fehlen ihr eine sensorbasierte Bildstabilisierung sowie ein eingebauter Blitz – das macht sie ein wenig günstiger.

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Die neue Fujifilm-Kamera hinterlässt ehrlich gesagt etwas gemischte Gefühle. Durch ihre kompakte, handliche Bauweise wirkt sie vor allem mit der neuen Festbrennweite XF 27mm wie eine sympathische Immer-dabei-Kamera. So passt sie gerade noch in die Jacken- oder zumindest in die Handtasche. Mit dem kleinen Objektiv liegt sie gut in der Hand, aufgrund des fehlenden Griffwulstes allerdings eher in der linken als in der rechten Hand.

Der Sucher ist seitlich angeordnet und weitgehend ins Gehäuse integriert. Bei rechtsäugigen Fotografinnen oder Fotografen hat die Nase reichlich Platz neben dem Display. Wer es gewohnt ist, mit dem linken Auge durch den Sucher zu schauen, dürfte hingegen ein Problem bekommen.

Fujifilm XE-4 (7 Bilder)

Die Fujifilm X-E4 ist eine besonders kompakte spiegellose Systemkamera mit APS-C-Sensor.
(Bild: Fujifilm)

Die Bedienung erschließt sich schnell, vor allem, wenn man bereits mit Fujifilm-Kameras vertraut ist. Die Blende stellen Fotografinnen und Fotografen am Objektiv ein, die Belichtungszeit und die Belichtungskorrektur jeweils an fest vorgegebenen Einstellrädern an der Kameraoberseite. Der ISO-Wert liegt standardmäßig auf der Funktionstaste neben dem Auslöser. Wem das zu umständlich erscheint, kann die ISO-Verstellung auch direkt auf das vordere Einstellrad legen.

Das Rad für die Belichtungskorrektur verstellt sich ab und zu versehendlich, es dürfte etwas schwergängiger sein.

(Bild: Fujifilm)

Für die Umstellung des Fokus-Modus zwischen AF und MF gibt es keinen separaten Hebel wie bei anderen X-Kameras. Standardmäßig muss man dafür ins Menü. Die Wahl des Fokus-Modus lässt sich jedoch auch auf eine der rückseitigen Funktionstasten legen. Man kann sich die Bedienung im gewissen Rahmen so konfigurieren, wie man es gewohnt ist oder wie es die Fotosituation erfordert.

Eine Sache sei noch erwähnt: Der Autofokuspunkt lässt sich wahlweise per Joystick oder per Touch einstellen. Praktisch ist hier, dass die Touch-Funktion auch beim Blick durch den Sucher erhalten bleibt und man den Fokuspunkt per Daumen am Display verschieben kann. Was für Fujifilm-Kameras recht neu ist, bieten andere wie Canons M-Serie schon lange. An dieser Stelle entpuppt sich das kleine Gehäuse etwas als Manko. Mangels Platzes neben dem Display berührt man die Oberfläche immer wieder unbeabsichtigt. Dann springt der Autofokuspunkt unkontrolliert in eine Ecke. Da wäre es praktisch, wenn sich die Touch-Funktion nur beim Blick durch den Sucher aktivieren ließe.

Und noch etwas: In der Praxis verstellte sich immer mal wieder unbeabsichtigt die Belichtungskorrektur. Man sollte das Rädchen ständig im Blick behalten. Hier wäre eine mechanische Verriegelung sinnvoll.

Wir haben die Fujifilm X-E4 zusammen mit dem neuen kompakten XF 27mm 1:2.8 R WR ins Messlabor geschickt. Da im Innern der Kamera der gleiche Sensor und Prozessor stecken wie in den anderen aktuellen X-Kameras, sollten auch die Messungen ein ähnliches Verhalten zeigen. Und tatsächlich liefert die Kamera auf dem gleichen Niveau ab wie ihre größeren Geschwister. Bis ISO 400 bietet die X-E4 die volle Auflösung von 2080 Linienpaaren pro Bildhöhe (Lp/Bh). Danach sinkt der Wert kontinuierlich, erreicht aber selbst bei ISO 12.800 noch fast 90 Prozent der theoretischen Auflösung. Das ist sehr gut. Der Dynamikumfang schwankt über den gesamten Empfindlichkeitsbereich kaum und liegt bei guten zehn Blendenstufen.

Das sogenannte Visual Noise (VN) steht für das Rauschempfinden des Menschen. Werte unter 0,8 stehen dabei für weitgehende Rauschfreiheit, Werte bis zwei für einen geringen, Werte bis Drei für einen mäßig und Werte über drei für einen deutlich störenden Rauscheindruck. Die X-E4 startet bei niedrigster ISO-Stufe (ISO 160) mit einem VN von guten 1,0 und steigt bis ISO 6400 auf einen Wert von 2,1, rauscht also in dem gesamten Bereich nur gering. Selbst bei ISO 12.800 bleibt sie noch unter drei. Damit bewegt sie auf demselben Niveau wie ihre Geschwister sowie die Sony-Konkurrenz, lässt jedoch andere Mitstreiter wie etwa die kürzlich erschienene Canon EOS M50 II messtechnisch hinter sich.

Fujifilm X-E4 Praxisbilder (8 Bilder)

Fujifilm X-E4 mit XF 27mm 1:2.8: c't Testszene aufgenommen bei unterschiedlichen ISO-Werten (Auschnitte)
(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Die Praxisbilder bestätigen die Messungen im Wesentlichen. Die Schärfe ist sehr gut, die Belichtung ausgewogen und Bildfehler wie Rauschen oder bunte Kanten treten kaum auf. Wenn man einen Bildstabilisator gewohnt ist, macht sich dieses Defizit der X-E4 in der ein- oder anderen Aufnahmesituation bemerkbar und quittiert dies mit verwackelten Aufnahmen.

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Als Objektiv stand uns das neue XF 27mm 1:2.8 R WR zur Verfügung, das wir ebenfalls durch unseren Messparkur geschickt heben. Es handelt sich um ein sehr kompaktes Standardobjektiv mit einer Kleinbild-äquivalenten Brennweite von 40,5 Millimetern. Durch seine geringen Abmessungen eignet es sich als unauffällige Immer-drauf-Linse für Street-Fotografie und Storytelling. Die Schärfeleistung ist mittig sehr gut und lässt am Rand vor allem bei Offenblende deutlich nach. Dort erzielt es nur 66 Prozent der theoretisch machbaren Auflösung. Seine besten Ergebnisse ergeben sich bei Blende f/8.0. Hier erreicht es auch am Rand nahezu 90 Prozent der Auflösung.

Das XF 27mm 1:2.8 R WR bietet mittig gleich bei Offenblende eine tadellose Auflösung, in den Randbereichen erreicht es erst abgeblendet seine volle Leistung.

(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Die Vignettierung des XF 27mm 1:2.8 R WR fällt bei Blende f/2.8 deutlich stärker ins Gewicht als bei f/8.0.

(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Bei Offenblende neigt die Konstruktion zu deutlich sichtbarer Vignettierung. Die Ecken sind bei f/2.8 gegenüber der Mitte um knapp 30 Prozent dunkler, bei f/8.0 sind es lediglich 14 Prozent. Die Chromatische Aberration (CA) hält sich mit durchschnittlichen Werten unter 0,1 Pixeln in Grenzen.

Die X-E4 erweitert die breite Palette der Fujifilm X-Kameras mit APS-C-Sensor um eine besonders kompakte und gleichzeitig robuste Variante. Zusammen mit einem handlichen Objektiv wie dem neuen XF 27mm eignet sie sich gut als ständiger Begleiter. Technisch ist sie auf der Höhe der Zeit und die Bildergebnisse lassen kaum zu wünschen übrig.

Dennoch gibt es ein paar kleine Schwächen im Detail. So sollte Fujifilm die Touch-Funktion (nicht nur bei diesem Modell) weiter verfeinern und das Rad für die Belichtungskorrektur gegen versehentliches Verdrehen sichern. Hier und da fehlt der Bildstabilisator. Im Vergleich zur Konkurrenz von Sony und Canon macht sie eine gute Figur. Preislich bewegt sie sich mit 900 Euro im Mittelfeld. Wer zum Kit mit dem XR 27mm für 1050 Euro greift, spart im Vergleich zu den Einzelpreisen etwa 300 Euro.

(pen)