"Griftlands" angespielt: Rollenspiel mal anders

Das Karten-Rollenspiel "Griftlands" von Klei Entertainment macht in der Early Access-Version Lust auf mehr, muss aber noch nachlegen.

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(Bild: heise online)

Von
  • Andreas Müller

Das war eine schwierige Geburt: Erst sollte "Griftlands" von Klei Entertainment ein normales Rollenspiel mit Rundenkämpfen werden. Das Konzept schien die Entwickler aber nicht zu überzeugen, deshalb machten sie kurzerhand ein Karten-Rollenspiel im Stil von "Slay The Spire" daraus. Der Mix aus schrägem Science Fiction-Szenario und originellem Karten-Kampfsystem spielt sich anfangs prächtig, stolpert dann aber in die Wiederholungsfalle.

Die Spieler landen als Söldner auf einer geheimnisvollen Welt, in der es von Gangstern, korrupten Soldaten und hinterlistigen Dieben wimmelt. Durchgeknallte Roboter und giftige Schleimmonster tummeln sich in den Slums und Sümpfen, in denen die Söldner um Geld, Ruhm und nicht zuletzt Rache kämpfen. Der Kampf ist dabei aber nicht immer das letzte Mittel, denn oft ist das Wort mächtiger als der Schuss einer voll geladenen Laserpistole.

Griftlands | In 100 Sekunden

Die Early Access-Version enthält zwei Spielfiguren, eine weitere soll demnächst noch hinzugefügt werden. Jeder dieser Protagonisten hat unterschiedliche Fähigkeiten – beziehungsweise ein anderes Kartendeck. Spieler sammeln im Spielverlauf zahlreiche Karten, die sie in Gefechten und in Kampfdialogen einsetzen können.

Spielerisch gliedert sich "Griftlands" in zwei Teile: Einerseits reisen die Spieler über eine kleine Weltkarte, nehmen Aufträge an und müssen sich für eine bestimmte Fraktion entscheiden. Außerdem knüpfen sie soziale Kontakte. Ähnlich wie in Spielen wie "Persona" sind diese überlebenswichtig: Ein guter Freund hilft schon mal in einer prekären Lage aus, während ein Feind sich aus dem Hinterhalt anschleicht. Andererseits wird die Sammelwut geweckt: Vieler der gesammelten Karten können im Verlauf des Spiels zu einer besseren Version aufgewertet werden.

In den Kampfdialogen geht es darum, sein Gegenüber mit guten Argumenten zu überzeugen. Das erfordert vom Spieler ein wenig Abstraktionsvermögen. Statt mit Schwertern oder Pistolen kämpfen die Spieler mit Argumenten in Kartenspiel-Manier gegen ihren Gegner. Argumente können mit Gegenargumenten attackiert werden, aber auch von eigenen Karten verstärkt werden. So festigen die Spieler zum Beispiel mit "Gemütsruhe" ihre argumentative Verteidigung, nerven den Gegner mit "Geschwätz" oder schüchtern ihn ein. Hat man den Dreh raus, spielt sich das Ganze sehr flüssig und bleibt übersichtlich.

"Griftlands" angespielt (5 Bilder)

"Griftlands" überzeugt durch ein originelles Kampfsystem, enttäuscht in der Early-Access-Version aber durch eine fehlende Story und mangelnde Abwechslung. (Bild: heise online)

Die normalen Kämpfe wirken dagegen etwas bieder. Hier tritt der Spieler allein oder in einer Gruppe gegen seine Gegner an und nutzt seine Karten ganz traditionell als Zaubersprüche und Spezialfähigkeiten. Während eine Niederlage in den Kampfdialogen nur Boni oder Geld kostet, geht es bei diesen normalen Kämpfen ums Überleben: Sinken die Lebenspunkte auf Null, ist das Spiel vorbei und es geht mit ein paar gesammelten Boni wieder von vorne lost.

Trotz des frischen Kampfsystems hat man schnell alles gesehen. Abwechslung entsteht nur durch die zwei Söldnertypen, die in unterschiedlichen Gebieten starten und andere Kartendecks besitzen. Von einer spannenden Story ist in dieser Early Access-Version noch nichts zu sehen. Stattdessen fokussiert sich Klei in der Early-Access-Version noch aufs Kerngeschäft: kämpfen, diskutieren, Karten sammeln.

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Dennoch sind die Charaktere herrlich schräg und die Spielwelt voller Charme. Sie erinnert in ihrem chaotischen Humor etwas an Wasteland und Borderlands. Bis jetzt besteht das Spiel aber hauptsächlich aus endlosen Kämpfen und ein paar mehr oder weniger interessanten Dialogen.

"Griftlands“ hat ein cooles Kampfsystem, ein schräges Sci-Fi-Szenario und ist zugänglich. Man merkt dem Titel aber noch deutlich an, dass es von der aktuellen Entwicklungsphase bis zum Release noch ein langer Weg ist. Die Early-Access-Version ist eine üppige Demo zu einem möglicherweise tollen Spiel. Bis dahin muss Klei aber noch ordentlich feilen, wobei Story und Abwechslung im Fokus stehen sollten. "Griftlands" hat zweifellos großes Potenzial, aber bis wir die fertige Version starten können, dürfte noch einige Zeit vergehen.

(dahe)