Günstig im Ausland surfen, chatten und telefonieren mit eSIMs fürs Smartphone

Mit der eSIM buchen Sie Urlaubstarife für Internet und Telefonie einfach und günstig kurz vor Reiseantritt. Infos zu Tarifen, Bezahloptionen und Praxistipps.

Lesezeit: 10 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 18 Beiträge
,
Update
Von
  • Urs Mansmann
  • Andrijan Möcker
Inhaltsverzeichnis

Mit den fest ins Mobiltelefon eingebaute Embedded-SIM (kurz eSIM) hat das nervige Organisieren von SIM-Karten für das nächste Urlaubsziel ein Ende: Vor allem in Ländern außerhalb der EU musste man bislang weit vor dem Urlaubsantritt SIM-Karten bei dubiosen Zwischenhändlern bestellen. Oder stattdessen im Urlaubsland einen Kartenshop finden, damit alle Mitreisenden günstig surfen oder telefonieren können. Die eSIM kann diesem Umstand ein Ende bereiten.

Statt die Netzzugangsdaten (Profil) auf einem physischen Chip zum Kunden zu schicken, stellen die Anbieter sie einfach zum Download berei. Ob das Profil aus Deutschland oder einem weit entfernten Land kommt, spielt dabei keine Rolle: Das Smartphone lädt es herunter und schreibt es in Sekunden auf die fest verlötete eSIM, wo es sofort einsatzbereit ist. Kurzum: Sie können sich die USA- oder Thailand-SIM einfach entspannt einen Tag vor Urlaubsbeginn herunterladen, statt um drei Uhr in der Früh am Flughafen einen Laden zu suchen oder sich vorab eine physische SIM teuer liefern zu lassen. Dank flexibler Buchungsoptionen und großem Angebot sind Sie im Zielland sofort bei der Ankunft günstig online.

Die eSIM ist flexibel: Android und iOS schlucken eSIM-Profile sowohl von QR-Codes und Links als auch aus Apps und verwalten mehrere Profile gleichzeitig, sodass man sie bei Bedarf innerhalb weniger Sekunden aktiviert und deaktiviert.

eSIM-Profil installieren

Die meisten eSIM-Provider stellen ihren Kunden eine App bereit, die das eSIM-Profil ans System weiterreicht. Die Installation eines Profils ist aber auch ohne App eine ganz einfache Angelegenheit: Der Anbieter schickt einen QR-Code, den Sie mit dem Smartphone einlesen. Das passiert unter iOS unter "Einstellungen/Mobiles Netz/Mobilfunktarif hinzufügen". In Android variieren die Menübezeichnungen von Hersteller zu Hersteller, meist finden Sie sie aber unter "Einstellungen/Netzwerk & Internet" und dann im Menü "SIM-Karten" oder in "Erweitert/Mobilfunkanbieter". Funktioniert das Einlesen des QR-Codes nicht, kann man den im QR-Code enthaltenen Link zur Not auch abtippen und ansurfen.

Sobald das Profil installiert ist, erscheint die eSIM im Menü des Smartphones als eigenständige SIM-Karte Ist parallel dazu eine physische SIM-Karte vorhanden, wechseln die meisten Geräte in den Dual-SIM-Betrieb, in dem man festlegen kann, welche der beiden SIM-Karten standardmäßig für Datenverkehr, für Telefonate und für SMS zuständig sein soll. Benötigt man die heimische SIM-Karte im Ausland nicht, sollte man sie deaktivieren, um ungewollte hohe Rechnungen zu verhindern, denn die entstehen unter Umständen bereits durch die unbemerkte Umleitung von Gesprächen in die Mailbox.

Mittlerweile hat sich ein großer Markt rund um eSIM-Angebote für Reisende entwickelt. Wir fanden bei unseren Recherchen über 15 Anbieter, die für allerhand Länder Tarife bereithalten und eSIMs entweder per Website (QR-Code) oder über eine eigene App herausgeben. Auch hier gibt es sowohl günstige und einfache Angebote als auch intransparente und teure Anbieter, von denen Sie die Finger lassen sollten. Wir wählten für unsere Übersicht nur Angebote mit klaren, verständlichen Preislisten und marktüblichen Kosten aus.

Ein Smartphone mit eSIM ist Grundvoraussetzung für einen eSIM-Tarif. Derzeit sind es vor allen die Topmodelle der großen Hersteller, die eine eSIM integriert haben. Wenn Ihr Smartphone fehlt, können Sie unter Umständen eine Nachrüst-eSIM einsetzen. Alternativ bleibt nur ein Urlaubstarif mit physischer SIM, mehr dazu im Absatz "Einsteck-eSIM".

Mehr von c't Magazin Mehr von c't Magazin

Unsere Auswahl orientiert sich an im DACH-Raum beliebten Reisezielen außerhalb der EU: Wir haben in der Tabelle auf der letzten Seite bis zu vier Datenpakete pro Anbieter und Zielland aufgelistet. Die meisten bieten zeitlich eng begrenzte Pakete an. Achten Sie darauf, wie der Anbieter das berechnet: Meist startet die Nutzung mit dem ersten Einbuchen ins Roaming-Netz, in einigen Fällen aber bereits bei der Buchung. Im Zweifelsfall sollten Sie die Pakete kurz vor dem Abflug aus Deutschland buchen, denn es ist nicht gesagt, dass sie am Ziel ein kostenloses WLAN vorfinden, über das sich die Buchung bewerkstelligen lässt.

Augen auf beim Tarifkauf: Manche Pakete werden sofort bei der Buchung aktiviert. Yesim bietet den "Activate later"-Modus, mit dem man sich bis zu 365 Tage mit der Aktivierung Zeit lassen kann.

Positiv stechen hier die Angebote von BNESIM und Surfroam hervor. Das Datenvolumen bei BNESIM kennt kein Verfallsdatum, ein gebuchtes Paket könnte also sogar noch im Folgejahr bei einem erneuten Urlaub im selben Land aufgebraucht werden. Surfroam bietet keine festen Pakete an, sondern rechnet fair nach Verbrauch pro Megabyte ab. Man muss lediglich darauf achten, genügend Prepaid-Guthaben einzuzahlen, damit die Datenverbindung nicht plötzlich überraschend abreißt.

In einigen Fällen umfassen die jeweiligen Angebote mehr Pakete, als wir in der Tabelle darstellen konnten. Mancherorts gibt es sehr viele Pakete, die sich nur geringfügig unterscheiden. Achten Sie also bei der Buchung darauf, das Paket mit dem richtigen Volumen und der richtigen Laufzeit zu wählen.

Die meisten der vorgestellten Anbieter haben nur eine eSIM im Programm. Einige bieten aber auch den Versand einer physischen SIM-Karte an. Dann allerdings sollten Sie mit einem ordentlichen Vorlauf für die Postlaufzeit planen und mit einem kräftigen Aufschlag für den Extra-Service rechnen. Für die Anbieter ist der Aufwand, eine Karte zu verschicken, um ein Vielfaches höher, als wenn sie nur eine eSIM provisionieren.

Mehr zu Mobilfunk, Internet und Tarife:

Airalo punktet mit Transparenz: Die Tarifinfos verraten direkt die im Zielland nutzbaren Mobilfunknetze, sodass man die Netzabdeckung vorab beim Betreiber prüfen kann.

Auch der Währungstausch oder das Bangen, ob der Urlaubsanbieter die eigene Kreditkarte akzeptiert, entfällt bei eSIMs: Die meisten eSIM-Provider bieten mehrere Zahlungsmethoden an. Allerdings rechnen viele Anbieter in US-Dollar ab. Je nach gewähltem Zahlungsweg können dadurch zusätzliche Kosten für die Währungsumrechnung entstehen, außerdem schwankt der Wechselkurs.

Besonders weit verbreitet sind Kreditkartenzahlungen und PayPal; viele haben auch Google und Apple Pay integriert. Große Auswahl bietet Airalo, wo man außer den bereits erwähnten Methoden auch mit Debitkarte und Alipay die Rechnung begleichen kann. Nur Yesim setzt noch einen drauf und akzeptiert zusätzlich Klarna, Überweisung, Bitcoin, Litecoin und Ethereum. Angesichts der Transaktionskosten muss man sich das aber genau überlegen.

Zum Teil sind die Zahlungsmethoden aber auch nicht direkt ersichtlich: Bei Nomad, GigSky und eSIM2Fly mussten wir uns durch den Bestellprozess klicken, um zu erfahren, ob wir überhaupt zahlen können; BNESIM verriet es uns per WhatsApp-Support. Beides ist unnötig umständlich – zumal alle Anbieter die FAQs auf ihrer Website haben, diese Details jedoch fehlen.

Mehr zum Thema

(Bild: Rudolf A. Blaha)

Wie die eSIM funktioniert

Den SIM-Karten zum Einlegen ins Gerät droht über kurz oder lang das Aus. Sie schrumpften im Lauf von Jahrzehnten von Scheckkartengröße auf das Mini- und Mikro-Format und sind heute als Nano-SIMs nicht größer als der kleine Fingernagel. Bald könnten sie ganz verschwunden sein.