Hofkunst: Die Yamaha XSR 900 im Test

Die XSR 900 ist mehr als ein ein schickes Retro-Bike. Sie überzeugt auf der Probefahrt mit ihrem brillanten Motor und einem guten, wenn auch straffen Fahrwerk.

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Das Revier der XSR 900 ist die Landstraße

Von
  • iga
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Yamaha hat clevere Marketing-Strategen. Schon 2014 rief die japanische Marke mit den drei gekreuzten Stimmgabeln im Logo das "Yard Built Project" ins Leben. Das Ziel war, Customizer aus der ganzen Welt zu Retro-Umbauten von aktuellen Yamaha-Modellen zu bewegen. Das Echo war überwältigend und die fantasievollen Ergebnisse lassen sich bis heute auf der Yamaha-Homepage bewundern. Einige der Ideen aus den angeblichen oder wirklichen Hinterhöfen flossen schließlich in den Serienbau ein, die betroffene Modellreihe wurde Sport Heritage getauft. Auch der Bestseller MT-09 (Test) bekam mit der XSR 900 einen auf Nostalgie getrimmten Ableger.

Das Design des Naked Bikes MT-09 ist ein bisschen auf Krawall gebürstet, präsentiert sich aber in Form der XSR 900 als überraschend schickes Retro-Bike. Antrieb, Rahmen und Fahrwerk blieben identisch und das ist gut so. Der 847-cm3-Dreizylinder ist ein brillanter Motor und gehört zweifellos zu den besten Antrieben auf dem Markt. Sehr kompakt und gleichzeitig leicht leistet er 115 PS bei 10.000/min. Dabei verwöhnt er mit Laufruhe und gleichmäßiger Leistungsentfaltung. Wenn der Gasgriff voll geöffnet wird, dreht der als Dreizylinder gewissermaßen zwangsläufige Crossplane-Motor (mit 120 Grad Hubzapfenversatz) rasant hoch.

Der Aluminiumrahmen ist für den Retro-Stil eigentlich nicht passend, deshalb wurde er an der XSR 900 schwarz lackiert. Der Tank entpuppt sich bei näherer Untersuchung als Blendwerk: Es sind Aluminiumblenden mit einem mittigen Kunststoffstreifen, der eigentliche 14-Liter-Tank verbirgt sich darunter. Immerhin handelt es sich bei den Blenden um gebürstetes Aluminium, dem gleichen Material wie für das hintere Schutzblech und den Lampenhalter.

Yamaha XSR 900 (8 Bilder)

Die XSR 900 präsentiert sich als schickes Custom-Bike. Hinter der Retro-Fassade versteckt sich eine MT-09.
(Bild: Ingo Gach)

Die Sitzbank ist knapp geschnitten und eher straff gepolstert. Yamaha legt Wert auf die Feststellung, dass der Sitzbezug von Hand genäht ist. Unterhalb der Sitzbank sind auf beiden Seiten funktionslose Alublenden mit drei Löchern montiert, sie sollen wohl das Erscheinungsbild aufwerten. Unsere XSR 900 wurde in "Garage Metal" lackiert, im Gegensatz zu "80 Black" und "Dymanic White" kombiniert Yamaha diese Variante nicht mit goldfarbenen Felgen.

Der Rundscheinwerfer der XSR 900 ist groß, sein Gehäuse besteht aus Kunststoff. Das runde Rücklicht ist mit LEDs bestückt und ebenfalls groß, die Hinterradabdeckung umso schmaler. Ansonsten wirkt die XSR 900 recht stimmig, einzig der breite Kühler will sich nicht so recht in das harmonische Gesamtbild einfügen. Unser Test-Exemplar ist mit einer Akrapovic-Komplettanlage aus Edelstahl für 1557 Euro aus dem Yamaha-Zubehör bestückt. Die Serienversion endet kurz hinter dem Motorblock, während die Akrapovic-Anlage mit ihren zwei übereinander angeordneten Rohren das Krad mit 74 dB Fahrgeräusch angenehm leise macht.

Schon beim ersten Aufsitzen hat man das Gefühl, es passt eigentlich alles: Sitzhaltung, Abstand zum Lenker, Position der Fußrasten. Die XSR 900 gehört zu den seltenen Motorrädern, auf denen sich Fahrer fast jeglicher Körpergröße wohlfühlen. Mit 830 Millimeter Sitzhöhe liegt sie irgendwo im Durchschnitt, aber die vorn schmal zulaufende Sitzbank lässt auch Kurzbeinige sicher mit beiden Füßen den Erdboden erreichen.