Hyundai Ioniq 5 im ersten Fahrbericht: Elektroauto mit viel Platz und Komfort

Der Ioniq 5 wurde mit Spannung erwartet. Im Erstkontakt zeigt er sich leise, kraftvoll und großzügig geschnitten. Dazu verrät Hyundai endlich auch die Preise.

Lesezeit: 6 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 172 Beiträge
Hyundai Ioniq 5

(Bild: Hersteller)

Von
  • Martin Franz

Sollte sich das Interesse unserer Leser in Verkaufszahlen spiegeln, kann Hyundai sich auf dem Arbeitsmarkt schon mal nach Autoverkäufern umsehen. Der Ioniq 5 und der baugleiche Kia EV6 gehörten zu den Autos, die im zurückliegenden Quartal eine ungewöhnliche Neugier geweckt haben. Kein Wunder, heben sie doch die 800-Volt-Technologie in einen finanziellen Bereich, der für eine relevante Zielgruppe irgendwie noch erreichbar scheint. Nun stand uns der Hyundai Ioniq 5 für eine erste Ausfahrt zur Verfügung.

Der erste Eindruck überrascht, wenngleich man ihn sich vorab hätte denken können: Der Ioniq 5 ist in der Realität viel größer als er auf Pressebildern wirkt. Mit 4,64 Metern ist er etwa so lang wie VW ID.4 und Skoda Enyaq. Der Radstand misst drei Meter, was für fürstliche Platzverhältnisse reicht. Was sich bestätigt: Im Ioniq 5 bleibt reichlich Platz zum Räkeln. Der Kofferraum fasst 527 Liter, hinzu kommt ein Stauraum unter der vorderen Klappe, der je nach Antriebsart zwischen 57 (Heckantrieb) und 24 Liter (Allrad) fasst. Das reicht, um das Ladekabel zu verstauen. Wer jemals erst den Kofferraum ausräumen musste, um an ein solches Kabel zu kommen, wird diesen Frunk besonders zu schätzen wissen.

Auch an anderer Stelle fällt auf, dass Hyundai mitgedacht hat. Die Rücksitze lassen sich um knapp 14 cm verschieben, womit man den Raum variabler nutzen kann. Charmant auch die Liegesitze vorn inklusive Fußstütze oder die "Pinnwand" links neben dem Kombiinstrument. Die Sitze selbst sind bequem, könnten allerdings etwas mehr Seitenhalt vertragen. Schade auch, dass der Verstellbereich des Lenkrades etwas knapp ausfällt.

Hyundai Ioniq 5 Interieur (7 Bilder)

Das Cockpit überzeugt mit guter Ergonomie. Dazu gehören auch Schalter.

Vier Antriebe soll es zunächst geben, für eine erste, noch kurze Ausfahrt stand uns das Topmodell mit 225 kW zur Verfügung. Es ist immer wieder frappierend, mit welcher Leichtigkeit sich ein Elektroauto in Szene setzt. Klar, 5,2 Sekunden im Standardsprint sind schon weit überdurchschnittlich flott.

Doch es ist die scheinbare Mühelosigkeit, mit der sich auch dieses E-Auto absetzt. Wer sich nicht auf das Geräuschniveau erdet, wundert sich womöglich, warum der Stadtverkehr heute besonders zäh wirkt – bis er auf den Tacho schaut und feststellt, dass er dies öfter tun sollte. Es bleibt festzuhalten: Trotz eines Leergewichts von fast 2,2 Tonnen stellt der Ioniq 5 mit dieser Motorisierung auch sehr verwöhnte Fahrer vollauf zufrieden – wenn diese sich erst einmal daran gewöhnt haben, dass auch ein rasanter Zuwachs an Tempo nicht mit dem gewohnten Lärm verbunden ist.

Die Batterie hat im Topmodell einen Energiegehalt von 72,6 kWh, alternativ gibt es auch einen Speicher mit 58 kWh. Welche Kombinationen möglich sind, haben wir in der Preisliste festgehalten.

Im WLTP nennt Hyundai für das Modell mit 225 kW einen Verbrauch von 17,6 kWh und eine Reichweite von 462 km. Mit den optionalen 20-Zoll-Felgen steigt der Verbrauch in diesem Zyklus übrigens auf 18,8 kWh/100 km. Für das Basismodell mit "nur" 125 kW und Heckantrieb nennt Hyundai 16,3 kWh.

Freunde ausgeprägter Dynamik werden ein leicht synthetisches Lenkgefühl und eine Wankneigung in sehr flott durchfahrenen Kurven monieren. Durch den im Topmodell serienmäßigen Allradantrieb ist die Traktion auch aus engen Kurven heraus exzellent. Man muss es schon arg übertrieben, um ein leichtes Untersteuern zu provozieren. Das Fahrwerk ist komfortabel abgestimmt.

Erstaunlich weit gespreizt sind die Fahrmodi: Die Programme Eco, Normal und Sport unterscheiden sich spürbar, da sich Leistung, Gasannahme und auch die Rückstellkräfte der Lenkung verändern. Bei Sport färbt sich auch die Geschwindigkeitsanzeige rot, was etwas bemüht wirkt. Was dagegen fehlt, sind ein frei einstellbarer Modus und ein adaptiver. Dafür bietet der Ioniq 5 ein Schneeprogramm, das auf rutschige Verhältnisse zugeschnitten ist.

Hyundai Ioniq 5 Exterieur (12 Bilder)

Dank der durch die 800-Volt-Technik kürzeren Ladevorgänge verspricht der Ioniq 5 eine entspanntere Elektromobilität auf längeren Strecken. 

Freigegeben hat Hyundai inzwischen die finalen Preise. Das Basismodell kostet mit 41.900 Euro ähnlich viel wie der Audi Q4 e-tron und damit deutlich mehr als die vergleichbaren Einstiegsmodelle von VW und Skoda. Schon die Einstiegsversion des Ioniq 5 bringt Dinge wie LED-Scheinwerfer, Navigationssystem, Rückfahrkamera, Abstandstempomat und Sitzheizung mit. Eine Wärmepumpe muss hier, zusammen im Paket mit einer Batterieheizung, mit 1500 Euro zusätzlich bestellt werden.

Hyundai bietet drei (Dynamiq, Techniq, Uniq) Pakete an, die aufeinander aufbauen und das Auto erheblich teurer machen. Erst auf diesem Weg sind dann wenige einzelne Extras wählbar. Diesen Weg gehen viele Hersteller, weil diese Varianten-Reduktion die Produktionskosten senkt. Für den Kunden macht das Wünsche unter Umständen ziemlich kostspielig. Das, leider nicht zu öffnende, Panoramadach kostet 1150 Euro, das Soundsystem von Bose 650 Euro. Beides gibt es aber erst ab dem Techniq-Paket, das seinerseits 8500 Euro kostet. Das kann dazu führen, dass schon wenige Wünsche den Preis auf deutlich mehr als 50.000 Euro anheben.

Antrieb Leistung in kW Batterie in kWh Ioniq 5 Mit Dynamiq-Paket Mit Techniq-Paket Mit Uniq-Paket
Heckantrieb 125 58 41900 46.900 50.400 53.750
Allradantrieb 173 58 45.700 50.700 54.200 57.550
Heckantrieb 160 72,6 45.100 50.100 53.600 56.950
Allradantrieb 225 72,6 48.900 53.900 57.400 60.750

Dennoch muss sich Hyundai wohl keine Sorgen machen, ob sie den Ioniq 5 in ausreichender Zahl absetzen können. Womöglich wiederholt sich eher das Problem, das der Konzern schon in der Vergangenheit hatte: Der Kundennachfrage war größer als das für Europa vorgesehene Kontingent, lange Lieferzeiten die Folge. Das könnte dem Konzern wieder drohen, und dieses Mal wäre er daran nur zum Teil selbst Schuld. Aufgrund des weltweiten Mangels an Chips musste Hyundai Anfang April die Produktion des Ioniq 5 unterbrechen. Vor diesem Problem steht der mächtige Hyundai-Konzern allerdings nicht allein. Nahezu alle Autohersteller haben derzeit diese Sorgen.

(mfz)