Intel Core i9-12900K im Test: Mit der Brechstange an AMDs Ryzen 9 5950X vorbei

Der Core i9-12900K ist in vielen Benchmarks schneller als AMDs 16-Kerner Ryzen 9 5950X, erkauft sich den Vorsprung allerdings mit einer hohen Leistungsaufnahme.

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(Bild: Mark Mantel / heise online)

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  • Mark Mantel
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Die Prozessorbaureihe Alder Lake-S ist da: Intel schickt den Core i9-12900K, Core i7-12700K, Core i5-12600K und deren F-Versionen ohne nutzbare Grafikeinheit in den Handel. Nach jahrelangen 14-Nanometer-Aufgüssen setzen die neuen Prozessoren als erste Desktop-Serie auf 10-nm-Strukturen.

Die neuen Prozessoren warten mit einer Fülle architektonischer Neuheiten auf: Die CPU-Kerne werden nicht nur schneller, sondern verwenden zum ersten Mal in der x86-Desktopwelt einen Hybrid-Aufbau, den man bisher nur von ARM-Geräten bis hin zu Apples MacBooks Pro oder dem glücklosen Mobilchip Intel Lakefield kannte.

Intel kombiniert beim Core i9-12900K acht große, besonders performante Golden-Cove-Kerne mit acht kleineren, langsameren, dafür aber effizienteren Gracemont-Kernen. Nominell handelt es sich beim Core i9-12900K also um einen 16-Kerner, wobei 8+8 die treffendere Bezeichnung ist. Weil die Gracemont-Kerne jedoch kein Hyper-Threading beherrschen, arbeitet das Topmodell bis zu 24 Threads gleichzeitig ab. Zum Vergleich: AMDs 16-Kerner Ryzen 9 5950X nutzt 16 einheitliche Zen-3-Kerne mit insgesamt 32 Threads.

Ebenfalls neu dabei ist DDR5-Arbeitsspeicher – allerdings optional, da der Speichercontroller von Alder Lake-S sowohl DDR5 als auch DDR4 beherrscht. Hersteller können sich bei Mainboards mit der neuen CPU-Fassung LGA1700 und dem ersten passenden Chipsatz Z690 entscheiden, welche RAM-Steckplätze sie verwenden, kombinierbar sind sie aber nicht. Günstigere Modelle tendieren zu DDR4, High-End-Mainboards zu DDR5. Alle Platinen können Grafikkarten zudem mit insgesamt 16 PCI-Express-5.0-Lanes anbinden, allerdings gibt es bis dato noch keine Arc-Alchemist-, GeForce- oder Radeon-GPU mit PCIe-5.0-Unterstützung.

Wie sich Intels Core i9-12900K im Vergleich zu AMDs Ryzen 9 5950X in 3D-Spielen und Anwendungs-Software schlägt, ob DDR5 mehr bringt als DDR4 und wie zuverlässig der Hybrid-Kernverbund unter Windows 11 sowie Windows 10 funktioniert, zeigen erste Tests und Benchmarks.

Unter aktuellen Umständen wird Intel seinem Versprechen gerecht: Der Core i9-12900K ist der schnellste Desktop-Prozessor, den man derzeit zum Spielen bekommt. Mit spezifikationskonformem DDR5-4800-RAM (40-40-40-76-Timings nach JEDEC-Vorgabe) ist die CPU in Spielen mindestens genauso schnell wie mit DDR4-3200 (18-21-21-39-Timings), teilweise landen mit DDR5 auch ein paar fps mehr auf dem Monitor.

So schaffte der Core i9-12900K im Action-Adventure "Shadow of the Tomb Raider" mit DDR5-4800-RAM 203 fps, mit DDR4-3200-Speicher 197 fps. In beiden Fällen haben wir mit einer aktuellen Windows-11-Installation unter hohen Grafikeffekteinstellungen getestet. Um ein verzerrendes GPU-Limit auszuschließen, liefen die Tests in Full-HD-Auflösung (1920 × 1080 Pixel) und mit Nvidias GeForce RTX 3090. In "Assassin's Creed Odyssey" stand es 136 gegen 131 fps. Der Ryzen 5 5950X renderte in "Shadow of the Tomb Raider" 182 Bilder pro Sekunde und in "Assassin's Creed Odyssey" 127 fps.

Spiele-Benchmarks (Windows 11, mit Nvidia GeForce RTX 3090)
Prozessor Metro Exodus, 1080p High [fps] Shadow of the Tomb Raider, 1080p Hoch [fps] Assassin’s Creed Odyssey, 1080p Hoch [fps]
Core i9-12900K (DDR5) 174 203 136
Core i9-12900K (DDR4) 174 197 131
Core i9-12900K (DDR5, Win 10) 178 211 146
Core i9-11900K 155 164 121
Ryzen 9 5950X 157 182 127

Aufgrund des derzeitigen technischen Zustands von Windows 11 sind die Zahlen als vorläufig zu betrachten. Insbesondere AMDs Ryzen-Prozessoren haben mit dem Betriebssystem noch Probleme, weil der Level-3-Cache zu langsam läuft. Unsere Benchmarks zeigen allerdings auch, dass der Core i9-12900K unter Windows 10 meistens etwas flotter läuft als unter Windows 11, obwohl der Scheduler von Windows 11 besonders gut mit den Hybrid-Kernen von Alder Lake-S umgehen können soll.

Ein Ausnahmefall war im Test das Programm Handbrake zum Konvertieren von Videos und Audio-Dateien, das unter Windows 10 nur auf den kleinen E-Kernen und daher extrem langsam lief. Ansonsten konnte sich der Core i9-12900K unter beiden Betriebssystemen sehen lassen: Im Render-Benchmark Cinebench R23 erzielte der Prozessor unter Einbeziehung aller 16 CPU-Kerne gut 27.500 Punkte – fast 80 Prozent mehr als der Vorgänger Core i9-11900K mit acht CPU-Kernen. Damit überholt Intel sogar AMDs Ryzen 9 5950X mit knapp 26.000 Punkten. Im Singlethreading-Test von Cinebench R23 ist der Core i9-12900K die erste CPU mit mehr als 2000 Punkten.

Intels Vorsprung ist allerdings nicht immer gegeben: Den Classroom-Benchmark der Modellierungs-Software Blender etwa absolvierte der Ryzen 9 5950X schneller. Beim Komprimieren von Dateien mit 7-Zip war der Core i9-12900K ausschließlich mit DDR5-RAM schneller, da die höhere Übertragungsrate fast 1:1 durchschlägt. So komprimierte der Intel-Prozessor mit DDR5-4800-RAM knapp 97 MByte/s, mit DDR4-3200 aber nur 66 MByte/s. Der Ryzen 9 5950X schaffte gut 73 MByte/s.

Anwendungs-Benchmarks
Prozessor Cinebench R23 1T Cinebench R23 MT Blender Classroom [s] 7-Zip, Komprimieren [MByte/s] Handbrake, Fast 1080p30 [fps]
Core i9-12900K (DDR5) 2013 27517 250 96,6 117
Core i9-12900K (DDR4) 2017 27423 250 65,5 99
Core i9-12900K (Win 10) 2014 27597 247 99,7 52
Core i9-11900K 1672 15364 469 58,4 66
Ryzen 9 5950X 1656 25757 234 73,2 73