Komfortbetont, aber nicht für die Autobahn: Der Opel Mokka-e Ultimate im Test

Auf bekannter Konzern-Basis mit 50 kWh und 100 kW bietet der Mokka-e guten Raumkomfort. Seine Statur lässt jedoch auf der Autobahn den Verbrauch stark steigen.

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Ein zutiefst bequemes Elektroauto, leise, komfortabel und mit einem µ mehr Platz als im Corsa-e. Mühselig wird es nur auf der Autobahn, weil der Stromverbrauch wegen der Stirnfläche deutlich ansteigt und die Reichweite auf unter 200 km sinkt.

(Bild: Christoph M. Schwarzer)

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  • Christoph M. Schwarzer
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Breiter und flacher: Der Opel Mokka B hat andere Proportionen als sein Vorgänger. Man sitzt immer noch erhöht und steigt bequem ein. Nur der Rentnerlook ist Vergangenheit. Die Form des neuen Mokka kommt gut an, wie Passanten ungefragt klarmachen. Er zeigt das neue Gesicht von Opel. So richtig zeitgemäß ist er aber erst als Mokka-e: Durch die Kraft des 100 kW starken Elektromotors beschleunigt er mit neun Sekunden eine symbolische Zehntelsekunde schneller als der handgeschaltete Vierzylinder mit 96 kW.

Vergleicht man den Grundpreis von 34.110 Euro der Fairness halber mit der Automatikversion, ergibt sich eine Preisdifferenz von 225 Euro zugunsten des Stromers. Das liegt an der sogenannten Innovationsprämie in Höhe von 9570 Euro, einer Subvention, die teilweise vom Steuerzahler und teilweise vom Hersteller aufgebracht wird. Der Mokka-e ist leiser, geschmeidiger, kraftvoller und preisgünstiger als der vergleichbare Mokka mit Superbenzin im Kraftstofftank. Alle Fragen sind damit dennoch nicht beantwortet.

Das erste Lob gilt wie eingangs erwähnt dem Design. Es fiel schon beim Peugeot e-2008 in der Öffentlichkeit positiv auf. Er und weitere Elektroautos vom Corsa-e bis zum Citroën ë-C4 (Test) basieren auf der Konzernplattform e-CMP. Unabhängig vom subjektiven Geschmacksempfinden lässt sich feststellen: SUV-artige Autos entsprechen dem Zeitgeist. Wer in diesem Segment ohne ein solches Fahrzeug im Portfolio antritt, ist verloren. Die Sitzposition ist im Vergleich zu einem Opel Corsa-e (Test) hoch, Plastik an den Radläufen ist eine weitverbreitete Reminiszenz an Geländewagen vergangener Epochen, und die Ladekante des Kofferraums ist niedrig genug für entspanntes Einladen.

Mehr über den Peugeot e-2008

Der Innenraum ist luftig breit, und die Armaturentafel ist nicht als wuchtige Trutzburg, sondern etwas entfernt nach vorne gerückt. Das verbessert das Raumgefühl. Auch Materialauswahl und Verarbeitungsqualität im Opel Mokka-e, der als Pressetestwagen in der maximalen Ausstattungsversion Ultimate (41.220 Euro vor Prämie) kam, sind überzeugend. Stoff, Leder, Nähte, das alles ist hochwertiger komponiert als beim Volkswagen ID.3.

Opel Mokka-e I (7 Bilder)

Stämmig und kompakt: Der Opel Mokka-e gefällt. Er basiert auf der Konzernplattform e-CMP mit 100 kW Motorleistung und ebenfalls bis zu 100 kW DC-Ladeleistung an der schnellen Säule.
(Bild: Christoph M. Schwarzer)

Der Opel Mokka-e Ultimate hat diverse Extras inbegriffen. Zwei davon sind exklusiv und besonders erwähnenswert: Zum einen das Fahrerinfodisplay, das von sieben auf zwölf Zoll wächst. Die breiten Ränder des Basisscreens erinnern ein wenig an die Einsteiger-Notebooks der Jahrtausendwende. Das andere ausschließlich im Ultimate eingebaute Feature ist das Intellilux LED Matrix-Licht.

Das LED Matrix-Licht gehört zum Besten, was es zu kaufen gibt. Wie üblich bei Premiumscheinwerfern machen sie die Nacht zum Tag. Der Gegenverkehr wird auch mit Fernlicht nicht geblendet, weil der Lichtkegel diese Autos in einem schönen Oval ausnimmt. In dieser fein geschliffenen Machart herausragend: Es schaltet nicht einfach ein oder aus, sondern dimmt extrem schnell und fließend. Ein Plus für die Fahrsicherheit und den Komfort.

Wer solche Systeme als überflüssige Gimmicks erachtet, dürfte auch mit der Basisvariante Edition zufrieden sein. Einziger technischer Abstrich: Mit Wechselstrom (abgekürzt AC für alternating current) an der Wallbox oder an öffentlichen Säulen kann nur einphasig geladen werden, also zu Hause wegen der Schieflastverordnung mit rund 4,6 kW und unterwegs mit 7,4 kW. Alle anderen Mokka-e haben serienmäßig ein dreiphasiges Ladegerät mit elf kW Leistung.