MacBook Pro mit M1-Prozessor im ersten Test: Tolle Performance

Der erste Mac mit Apple Silicon erwies sich im Test der Mac & i gegenüber den Intel-Vorgängern als deutlich schneller – aber nicht immer. Rosetta 2 überzeugt.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 1020 Beiträge
Update
Von
  • Johannes Schuster

Ab dem heutigen Dienstag werden die ersten Macs mit ARM-Prozessor ausgeliefert. Alle Welt ist gespannt, ob sich die vollmundigen Versprechungen von Apple hinsichtlich großartiger Performance-Verbesserungen in der Praxis bestätigen.

Mac & i hatte Gelegenheit, ein MacBook Pro 13" M1 mit 8 GByte RAM und 256 GByte SSD (Kaufpreis 1412,45 Euro) im eigenen Labor einem ersten Test zu unterziehen. Der Rechner besitzt acht Grafikkerne, während das günstige MacBook Air nur sieben hat. Zum Vergleich zogen wir ein MacBook Pro 13" mit 2 GHz schnellem Core-i5-Prozessor von Intel, 16 GByte RAM und 512 GByte SSD (2075,30 Euro) heran, das es weiterhin zu kaufen gibt. Hier die wichtigsten Ergebnisse vorab.

ARM-Macs: Apples Umstieg auf eigene Prozessoren

Beim Auspacken warten auf den Käufer des neuen MacBook wenig Überraschungen: Das Modell mit M1 sieht genauso aus wie der Vorgänger – bis auf eine kleine Weltkugel auf der fn-Taste. Beim Einschalten ertönt wieder der klassische Mac-Startsound, den vermutlich viele Apple-Fans vermisst haben.

Die Kopfhörerbuchse an der rechten Seite ist geblieben, links gibt es zwei USB-Anschlüsse mit Thunderbolt 3 und USB 3.1 Gen 2. Dass Apple hierfür die Bezeichnung USB 4 benutzt, entspricht zwar der USB-Spezifikation, ist aber Augenwischerei, denn geändert hat sich nichts. Die Thunderbolt-Geschwindigkeit mit einem G-Drive Pro erreichte in unseren Tests auf beiden Maschinen ähnliche Werte von rund 2000 MByte/s beim Schreiben und über 2300 MByte/s beim Lesen.

Die USB-C-Anschlüsse des MacBook Pro M1 sind trotz "USB 4" nicht schneller geworden.

Geekbench 5 ist als Universal-App bereits für Apple Silicon und Intel-CPUs optimiert. Beim Test für einen Prozessorkern ergab sich ein Vorsprung von 1724 zu 1262 Punkten gegenüber dem als Vergleichsgerät eingesetzten MacBook mit Core i5. In der Abteilung Multicore landete der M1-Mac bei 7543 Punkten, das ist ein Plus von 68 Prozent zum wesentlich teureren Intel-Mac mit 4485 Punkten. Beim Metal-Grafiktest von Geekbench 5 ging das Rennen 1919 zu 1049 aus, was einem Zuwachs von sogar 83 Prozent entspricht. Geekbench 5 meldet als CPU-Takt 3,2 GHz. Das wären 200 MHz mehr als beim A14 Bionic im iPhone 12 oder iPad Air 4.

Da es sich hierbei um einen synthetischen Benchmark handelt, testen wir immer noch mit diversen Real-World-Szenarien. Das Videoschnittprogramm Final Cut Pro liegt ebenfalls schon universal vor. Beim Rendern eines Full-HD-Projektes gewann der M1-Mac mit 49 zu 157 Sekunden und bei 4K-Material siegte er mit 230 gegenüber 429 Sekunden. Bei mehreren Spuren von 8K-Material verlor er allerdings deutlich mit 1718 zu 680 Sekunden. Dies geht mit Sicherheit auf den nur halb so großen Arbeitsspeicher zurück.

Ebenfalls sehr auf RAM angewiesen ist das Musik-Programm Logic Pro X (auch bereits universal). Hier verlor der M1-Mac ebenfalls und zwar mit 132 zu 156 Spuren, die die Macs gleichzeitig abspielen konnten.

Beim ersten Startversuch einer noch nicht optimierten App verlangte macOS Big Sur die Installation der Laufzeitumgebung Rosetta 2, die problemlos gelang – genauso wie der Start vieler älterer Programme. [Update:] Bei einem erneuten Anlauf mit zwei Tagen Abstand lief auch Starcraft II, das zunächst beim Öffnen einer Mission eingefroren war.

Unter Steam liefen bei uns alle Titel in der Emulation – und zwar bemerkenswerterweise immer schneller als nativ auf dem Intel-Mac. Bei Rise of the Tomb Raider in 1080p-Auflösung gewann der ARM-Mac mit 41 zu 16 Bildern pro Sekunde, bei Shadow of the Tomb Raider war er mit 24 zu 21 fps nur knapp überlegen. Das dürfte wiederum mit dem Arbeitsspeicher zusammenhängen.

Rosetta funktioniert nach unseren ersten Eindrücken ebenso flott wie reibungslos mit den meisten Programmen. Bei einigen anderen werden Updates nötig sein.

Auf eine native Windows-Installation müssen ARM-Mac-Käufer verzichten, weil es kein Boot Camp mehr gibt. Noch sind keine Virtualisierer von VMware oder Parallels erhältlich.

Dafür lassen sich iOS-Apps ganz einfach benutzen. Man lädt sie aus dem Mac App Store herunter, der hierfür einen Reiter „iPhone- & iPad-Apps“ zeigt. Nach dem Download landen sie im Programmordner und man kann sie auch im Dock ablegen. Statt mit dem Finger bedient man sie mit Maus, Trackpad oder Tastatur. Apps, die Hardware der iOS-Geräte wie Kamera oder GPS benötigen oder von denen es Mac-Versionen gibt, bleiben außen vor.

M1-Software (4 Bilder)

Im Info-Dialog kann man sehen, ob ein Mac-Programm auch für den M1-Prozessor optimiert ist – wie hier FinalCut Pro (Universal).

Wie sich die neuen ARM-Prozessoren auf die Akku-Laufzeit und den Lüfterlärm auswirken, wie schnell das neue Wi-Fi 6 sowie die integrierten Apple-SSDs sind und was es sonst noch zu entdecken gibt, erfahren Sie in einem ausführlichen Test in Mac & i Heft 6/2020, das ab 3. Dezember erhältlich ist.

(jes)