Motorrad-Dashcam INNOVV K5 im Test: 4K-Augen und Ohren für das Motorrad​

Die K5 ist eine Motorrad-Kamera zum Festeinbau. Sie zeichnet permanent auf und kann zum Mitschnitt eines Ausflugs dienen, ihre Bildqualität reicht dafür aus.

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Dashcam

(Bild: Nikolai Zotow)

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  • Nikolai Zotow
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Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Damit es nicht nur beim Erzählen bleibt, kann man seine Motorradtour selbstverständlich auch filmen. Die meisten Motorrad-Vlogger nutzen hierzu meist Actioncams, die sie an den Helm oder an die Lenkstange montieren. Hier kommen meist Modelle von GoPro zum Einsatz.

Doch ihr Einsatz ist etwas aufwändig – vor jeder Fahrt muss der Biker sie an Helm oder Motorrad fixieren und daran denken, dass der Akku vollständig aufgeladen ist. Meist hält er nicht die ganze Fahrt, also sollte auch ein Ersatz-Akku im Gepäck nicht fehlen. Manche Modelle haben außerdem ein thermisches Problem, werden schlicht zu heiß für eine durchgängige Aufzeichnung der Reise.

Doch wie sieht die Alternative aus? Der chinesische Hersteller INNOVV bietet mit der K5 eine Dashcam für Motorräder. Das Gerät wird fest installiert und mit der Zündung eingeschaltet – und zeichnet permanent auf. Die Idee dahinter stammt von Dashcams wie sie in Autos üblich sind. Kritische Situationen und Unfälle werden dokumentiert und später in eventuellen Rechtsstreitigkeiten verwendet. Jedoch kann man die Dashcam auch für die Aufzeichnung eines Ausflugs nutzen, die Bildqualität bietet sie dafür.

Die K5 besteht aus Front- und Rückkamera, einem Netzteil, einem GPS-Empfänger, einer Steuerungseinheit und einem Mikrofon. Das mit der Fahrzeugbatterie verbundene Netzteil sitzt unter dem Sattel und versorgt die Frontkamera mit Strom. Anders als bei anderen Motorrad-Dashcams bildet es nicht die zentrale Einheit – diese ist in der Frontkamera untergebracht. Grund dafür ist, dass bei der K5 frontseitige Videos mit einer Auflösung von 4K möglich sind. Daher muss die Micro-SD-Karte direkt in der Kamera sitzen, denn eine Übertragung des Signals an eine Zentraleinheit unter dem Sitz über Kabel könnte störanfällig sein. Entsprechend fällt die Frontkamera etwas groß aus.

INNOVV K5 (16 Bilder)

Unvermeidlich: Wer ordentliche Bilder haben will, muss die Linse regelmäßig putzen.
(Bild: Nikolai Zotow
)

Direkt mit der Frontkamera sind die restlichen Module verbunden und werden von ihr mit Strom versorgt. Die Heckkamera bietet eine maximale Auflösung von HD-Qualität was für die Aufzeichnung des rückwärtigen Verkehrs voll ausreicht. Für die Tonaufzeichnung fügt INNOVV ein externes Mikrofon hinzu. Durch sein zwei Meter langes Kabel kann der Motorradfahrer es unter seinen Helm befestigen und seine Eindrücke ins Video einsprechen. Im Test wurde davon abgesehen, da das Mikrofonkabel leider einen filigranen Eindruck erzeugt. So fand es unter dem Sitz Platz, wobei das Motorgeräusch gut zur Geltung kam.

Die Bildqualität der K5 ist für eine Dashcam recht gut. Im Gegensatz zu einer Actioncam verfügt sie allerdings nicht über einen Bildstabilisator. Im Test fiel dies aber nicht auf, da die verwendete Kawasaki Ninja 1000 SX mit ihrem samtigen Vierzylinder nur wenig Vibrationen erzeugt. Die K5 fertigt Videos wahlweise im Format TS oder MP4 an. Beide Kameras haben einen Aufzeichnungswinkel von 120 Grad und arbeiten recht robust. Laut Hersteller beträgt die Temperaturspanne, in der sie funktionsfähig sind, von -30 bis 70 Grad Celsius. Beide Kameras sind entsprechend IP67 gegen Staub und Wasser geschützt.

Die Auflösungen beider Kameras können nur im Verbund eingestellt werden. Zur Wahl stehen folgende Varianten:

  • Vorn 4K und 30 FPS (Bilder in der Sekunde), hinten 1080P und 30 FPS
  • Vorn 4K und 30 FPS, hinten 720P und 30 FPS
  • Vorn 2K und 60 FPS, hinten 1080P und 30 FPS
  • Vorn 2K und 60 FPS, hinten 720P und 30 FPS
  • Vorn 1080P und 96 FPS, hinten 1080P und 30 FPS
  • Vorn 1080P und 96 FPS, hinten 720P und 30 FPS
  • Vorn 720P und 96 FPS, hinten 1080P und 30 FPS
  • Vorn 720P und 96 FPS, hinten 720P und 30 FPS

Die 4K-Auflösung eignet sich besonders für den reinen Dashcam-Betrieb. Hier werden Details wie etwa Kennzeichen gut aufgezeichnet – in Deutschland rechtlich problematisch. Für den touristischen Einsatz reicht das klassische 1080P vollkommen. Da während einer Fahrt Details ohnehin etwas verschwimmen, kann 4K seine Qualitäten nicht voll ausspielen. Hingegen sorgen die 96 Bilder in der Sekunde bei der Auflösung mit 1080P für einen flüssigen Videoverlauf, ohne dass störendes Ruckeln bemerkbar wäre.

Möchten passionierte Motorradfahrer ein Video für verschneite Winterabende erstellen, in denen sie sich schon auf die nächste Saison vorfreuen können, werden sie ohnehin zu einem Schnittprogramm auf PC oder Mac greifen. Um riesengroße Dateien zu vermeiden, wird die Bildwechselrate dabei zwangsläufig reduziert. Auch für das Hochladen in Videoportale wie YouTube muss das Originalformat geändert werden. Dies kann auch ein Grund dafür sein, dass die Dashcam-Videos dort weniger gut aussehen als ursprünglich gefilmt.

Einstellung und Export erfolgen über die INNOVV-App. Diese ist sowohl für Android (ab Version 5.1) und iPhone (ab iOS 8.3) verfügbar. Neben der Auflösung bietet die App auch andere Optionen wie etwa die Ausrichtung des Videobildes. So kann man die Frontkamera auch um 180 Grad gedreht (also mit Befestigung unter einem Bauteil des Motorrades anstelle von auf dem Motorrad) montieren.

Die K5 verbindet sich mit dem Smartphone, indem sie ein WLAN mit 2,4 oder 5 GHz aufbaut. Letzteres bietet eine wesentlich schnellere Datenübertragung und sollte für den Transfer der Videodaten zum Smartphone zum Zuge kommen. Die Aufzeichnung erfolgt fortwährend. Wenn die Micro-SD-Karte voll ist, überschreibt das System die ältesten Aufnahmen wieder. Möglich ist eine maximale Kapazität der Karte von 512 GByte – genug für einen kurzen Urlaub voller Motorradfahrten. Ob nun eine Karte mit 512 GByte genutzt werden soll, oder auch eine kleinere Kapazität ausreicht, kann auch rechtliche Gründe haben.

Jedoch wird die anschließende Übertragung der Videodateien zum Geduldsspiel und kann schon mal bedeutet, dass man eine halbe Stunde oder mehr auf dem Motorrad mit eingeschalteter Zündung verbringt, denn wenn das Motorrad ausgeschaltet ist, funktioniert auch die Kamera nicht. INNOVV liefert auch ein kleines Bedienmodul mit. Mit ihm kann der Fahrer ein Foto aufnehmen sowie die letzte gefahrene Videosequenz dauerhaft speichern und so vor Überschreiben schützen – etwa bei Unfällen – oder das System zurücksetzen. LEDs zeigen an, ob die Kameras aufzeichnen und ob GPS und WLAN in Betrieb sind. Daher kommt der Biker nicht umhin, die kleine Klappe seitlich an der Frontkamera, die mit winzigen Schräubchen verschlossen ist, zu entfernen und die Micro-SD-Karte zu entnehmen, um sie im PC oder Mac auszulesen. Alternativ ist auch ein Micro-USB-Anschluss vorhanden. Dem etwas fummeligen Handling mit der Seitenklappe entkommt man leider weder bei der Entnahme der Speicherkarte noch beim Anschluss an ein Endgerät per USB.

Der Einbau des Systems ist sehr komplex. Beim Test fand die Montage der K5 in einer Kawasaki Ninja 1000 SX statt. Besonders die Platzierung der Frontkamera gestaltete sich als schwierig. Die Heckkamera besitzt eine runde und relativ kompakte Form, während die Frontkamera in einem kleinen Kästchen sitzt. Bei Adventure-Bikes wie der BMW R 1250 GS (Test) beispielsweise kann die vordere Kamera auf dem "Schnabel" montiert werden, bei der Ninja musste sie ihren Platz unterhalb der Beleuchtung finden. Dabei ist der Federweg des vorderen Rades zu berücksichtigen. Montiert man die Kamera zu mittig, kann sie bei starkem Einfedern wie etwa beim kräftigen Bremsen oder auf unwegsamen Strecken mit dem Rad kollidieren.