Musik durch Gesten: Der Mini.Mu-Handschuh

Wer ein Spielzeug für Coding-Anfänger sucht, sollte sich den Mini.Mu-Handschuh genauer ansehen. Mit MicroBit und aufgenähtem Lautsprecher macht er Musik.

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Eine Hand hält einen Handschuh mit aufgenähter Elektronik.
Von
  • Elke Schick

Im Jahr 2010 machte sich die Musikerin Imogen Heap daran, Menschen zu finden, die mit ihr einen Handschuh entwickeln wollten, mit dem man elektronische Musik durch Gesten steuern kann. Mit diesem Handschuh wollte sie von der üblichen Art, elektronische Musik auf der Bühne zu machen – verborgen hinter vielen technischen Geräte – wegkommen. Aus der Kollaboration, die sie mit Leuten aus Kunst und Technik einging, entstand in den folgenden Jahren der Mi.Mu-Datenhandschuh. Er wird inzwischen von vielen Künstlerinnen und Künstlern genutzt und weiterentwickelt.

Der Mi.Mu kann sehr vieles, er verfügt unter anderem über einen Lagesensor, Zugsensoren, die die Beugung der einzelnen Finger übermitteln und ein 2,4 GHz WLan-Netz. Er ist teuer und alles andere als einfach zu bedienen – gleichzeitig ist er ein Stück Technik, das auch Menschen begeistert, die sich nicht per se für Technik interessieren.

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Das ist eine gute Voraussetzung, um Anfänger zu motivieren, sich mit Technik zu beschäftigen und diese Beobachtung muss auch Helen Leigh gemacht haben, die sich mit Imogen Heap zusammentat, um eine einsteigerfreundliche Variante des Datenhandschuhs zu entwickeln. Dabei entstand der Mini.Mu – ein Handschuh aus Filz zum Selbstnähen, der mit einem MicroBit, einem Batteriehalter und einem aufnähbaren Lautsprecher daher kommt.

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Das Ausschneiden und Nähen der Filzteile für den Handschuh ist wirklich einfach. Auf den mitgelieferten Filzstücken sind verschiedene Größen vorgezeichnet und alle Nähte können von Hand vernäht werden. Im Prinzip stellt man hier nur eine Art Stulpe mit Daumen-Ausgang und zwei aufgenähten Taschen her. Auch das Anbringen und Verkabeln der Elektronik ist sehr einfach. Der MicroBit kommt in die Tasche auf dem Handrücken, mit drei Krokodilklemmen-Kabeln schließt man mit GND, 3V und 0 den Lautsprecher an (alles sehr leserlich beschriftet) und steckt dann die Kabel des Batteriefachs in den entsprechenden Anschluss.

Der Handschuh in unserer ersten Variante: Um ihn für Links- und Rechtshänder einsetzen zu können haben wir die Technik mit Klettband befestigt. Das war nicht so praktisch.

Auch die erste Programmierung ist sehr einfach. Im Browser ruft man dazu das Programmier-Interface für den MicroBit auf und hinterlegt dort Bedingungen, die voreingestellte Gesten mit voreingestellten Melodien verbinden. Dann spielt man mit dem Handschuh die Melodien durch Gestensteuerung ab. Unser siebenjähriges Testkind hat diese Zusammenhänge nach einmaliger Erklärung verstanden und konnte sie problemlos anwenden.

Die einfachste Programmierung für den Mini.Mu: Eine Geste wird mit einer Melodie verbunden. Neben der hier gezeigten Online-Programmierumgebung gibt es auch Android- und ios-Apps für den MicroBit.

Allerdings liegt in diesem schnellen Verständnis auch das Problem des Mini.Mu. Nachdem unser Testkind die 5 interessantesten Melodien und alle 8 Gesten durchprobiert hatte, wollte sie mehr. Und das gibt es nicht so einfach. Der Mini.Mu ist dank des MicroBits gut erweiterbar und kann wie sein großer Bruder mit Musiksoftware wie zum Beispiel Ableton Live oder Puredata verbunden werden, aber dafür muss man sich schon sehr gut mit dem Programmieren auskennen. Bisher gibt es noch keine Möglichkeit, die große Lücke zwischen der Programmierung für Einsteiger und der für Fortgeschrittene zu schließen.

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Die einzige Möglichkeit, die wir gefunden haben, um Kinder bei der Stange zu halten, ist die Komposition von eigenen Lieblingsmelodien in der Programmierumgebung. Allerdings lernen sie dabei nicht das Programmieren, sondern das Notenlesen. Aber auch das ist ja nicht schlecht.

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Aus dem Make-Testlabor

Die Make-Redaktion probiert viel mehr aus, als ins alle zwei Monate erscheinende Heft passt. Deshalb veröffentlichen wir auf unserer Webseite in loser Folge weitere Testberichte.

Außerdem hatten wir nach einer Weile ein paar technische Probleme mit unserem Musikhandschuh. Obwohl die Spannung an allen Stellen messbar vorhanden ist, funktioniert er nicht mehr mit dem mitgelieferten Batteriepack, dafür aber mit einem 3,7V-Lipo-Akku. Außerdem machte der für diesen Handschuh entwickelte Lautsprecher Probleme. Die Verbindung des Lautsprechers mit dem Board, auf dem er sitzt, besteht aus kleinen Abstandhaltern, die mit Schrauben auf Lötpads auf dem Board fixiert werden. Die Schrauben lösten sich bei uns im Gebrauch und wir hatten mit einem Wackelkontakt zu kämpfen, den wir letztendlich beheben konnten.

Hier sieht man (oberhalb der GND-Beschriftung) den Abstandhalter und die Schraube, über die der Lautsprecher auf dem Board fixieren und an die Strom- und Datenversorgung angeschlossen wird. Diese Verbindung war bei unserem Handschuh anfällig.

Abschließend können wir sagen, dass Helen Leigh mit ihrer Annahme, ein Handschuh zum Steuern von Musik sei ein gutes Programmier-Einsteiger-Spielzeug Recht hatte. Unser Testkind war von Beginn an von diesem Bastelprojekt begeisterter als von jedem Lernroboter (und die findet sie schon sehr toll). Es bleibt allerdings zu hoffen, dass die Software-Lücke zwischen den Möglichkeiten für Programmier-Anfänger und -Fortgeschrittene schnell geschlossen wird, damit die Kinder das Interesse an ihrem Musik-Handschuh behalten. (esk)