Navi-App Calimoto für Motorradfahrer im Dauertest: Auf der Suche nach Kurven

An eine Routenführung werden auf dem Motorrad andere Anforderungen gestellt als im Auto. Löst die App Calimoto das besser als ein eigenes Navigationsgerät?

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Motorradnavigation bedeutet im besten Fall: Kurvenreiche Strecken und schöne Orte

Von
  • Sebastian Bauer
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Auf die Frage, was eine gute Motorradnavigation ausmacht, wird man viele Antworten erhalten. Das Potsdamer Entwicklungsteam hinter der Motorradnavigation Calimoto ist auf einem guten Weg, für die meisten auch eine Lösung anzubieten. Ein Erfahrungsbericht nach über 25.000 mit der App gefahrenen Kilometern und eine Antwort auf die Frage, ob es überhaupt noch Hardware-Navis für’s Motorrad braucht.

Im Kern einer Anforderungsliste für Motorradnavis steht allem voran eine gute Routenplanung und -Führung, ein guter Algorithmus zum Aufspüren interessanter Strecken und gute Bedienbarkeit mit Handschuhen. Klar, das hängt vor allem von der verwendeten Hardware (Display und/oder Handschuhe) ab, das User Interface sollte sich aber durch ausreichend große Schaltflächen auch mit Handschuhen gut und schnell bedienen lassen.

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Auf den ersten und auch zweiten Blick kann Calimoto all das und sogar mehr bieten: Unterschiedlich kurvige Routenprofile, schnelles Generieren von Rundtouren, Offlinekarten und -Navigation, aufgeräumtes User-Interface mit Handschuh-freundlichen Schaltflächen, motorradfreundliche POI-Datenbank (unter anderem mit Bikertreffs, Tankstellen und Motorradhotels), Tracking gefahrener Strecken.

Zentrales Herausstellungsmerkmal ist das Planen und Finden kurvenreicher Strecken. Vier unterschiedliche Routenprofile stehen zur Wegberechnung zur Auswahl. Profil eins und zwei sind am ehesten mit der typischen "Schnellste Route" gängiger Navigationssysteme vergleichbar. Profil eins bezieht Autobahnen mit ein, in Profil zwei werden diese bereits ausgeschlossen.

Kernfunktion Navigation klappt hervorragend in Hoch- und Querformat, je nach Lenkermontage. Die angezeigten Informationen sind auswählbar.

Profil drei ist das kurvige Routenprofil. Es vermeidet Autobahnen strikt. Bundesstraßen werden nur in Ausnahmefällen in die Route integriert. Von früheren TomTom-Motorradnavis sind mir die Stolperfallen kurviger Routenplanung bekannt, denn es geht ja um mehr, als nur das Auffinden der meisten Kurven, sondern um einen guten Fahrfluss. Eine Ortschaft möchte ich nicht durchfahren, nur weil das Dorfzentrum auf der Karte nach toller Serpentinenstrecke aussieht. Von Calimotos Algorithmus wird das überwiegend gut berücksichtigt. Profil drei stellt schon eine ziemlich gute Streckenführung zusammen und bietet einen sehr guten Kompromiss aus Vorankommen und Spaß haben, ohne gleich jede Mini-Serpentine einzurechnen oder für zwei Kurven einen großen Umweg in Kauf zu nehmen.

Profil vier hört auf den Namen "Super kurvig" und ist das kurvenreichste Profil. Es ist in Regionen wie der Eifel nicht immer gut zu gebrauchen. Zu viele Mini-Sträßchen werden mit eingeplant, die meist so schmal oder in schlechtem Zustand sind, dass dort Motorradfahren schon keinen Spaß mehr macht. In Regionen ohne etliche Mini-Landsträßchen hat dieses Routenprofil allerdings ganz gute Ergebnisse geliefert.

Calimoto 1 (4 Bilder)

Das Setzen eines (Zwischen)Ziels geht unschlagbar schnell: Lange auf den gewünschten Ort tippen ...

Für die meisten meiner rund 25.000 Kilometer wählte ich überwiegend das Standardprofil und war damit bestens bedient. Selbst wenn man überhaupt keine Zeit in die Routenplanung investiert, schlicht ein Ziel hinterlegt und losfährt, wurde ich mit einer abwechslungsreichen Route für meine Planungsfaulheit belohnt. Sogar beim Anfahren mir bekannter Ziele wurde ich immer wieder auf mir bis dahin unbekannte und interessante Strecken geführt. Viele davon habe ich danach in mein Repertoire übernommen.

Neben der Möglichkeit, eine Navigation für ein spezielles Ziel per Suche oder langem Tipp auf die Karte schnell zu berechnen und zu starten, bietet Calimoto auch die Möglichkeit, eine zufällig errechnete Rundtour frei konfigurierbarer Länge und (optional) Himmelsrichtung zu generieren. Die Ergebnisse dieser Rundtouren waren in meinen Versuchen meist nur bedingt zu gebrauchen. Aufgrund der von mir festgelegten Streckenlänge und Himmelsrichtung wurde ich oft auf vermeintlich kurvenreichen Strecken außen um die Eifel herumgeführt, während es die wirklich interessanten Straßen innerhalb dieses Kreises ignorierte.

Variable Kartenansichten zur Orientierung.

Für das System ist es natürlich einfacher auf Basis der vorgegebenen Streckenlänge einen Kreis mit definiertem Umfang auf die Karte zu legen und entlang dessen nach kurvenreichen Strecken zu suchen, anstatt unter Berücksichtigung der wirklich guten Straßen eine gegebenenfalls sternförmige Rundtour zu errechnen. In anderen Regionen mag das besser funktionieren, vom Epizentrum vieler fahrspaßtauglicher Strecken ausgehend, ist diese Funktion hingegen eher untauglich.

Neben etlichen in der App auffindbaren, von der Community erstellten Routen, ist es natürlich auch möglich, selbst Hand anzulegen und Routen mit Zwischenzielen im Detail auszuarbeiten. Das gelingt schon am Smartphone erstaunlich gut, indem man mit Eingabe von Start und Ziel beginnt (können für eine Rundtour auch gleich sein). Alle weiteren Ziele lassen sich entweder über die Suche oder direkt über die Kartenansicht einfügen, auf welcher kurvenreiche Straßen farblich hervorgehoben sind.