"Old World" angespielt: Strategie zwischen "Civilization" und "Crusader Kings"

Mohawk Games wandelt mit "Old World" auf den Spuren von "Civilization" und verwöhnt die Fans mit anspruchsvoller 4X-Globalstrategie.

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(Bild: Mohawk Games)

Von
  • Andreas Müller

Eine Welt ist ihm nicht genug: Gamedesigner Soren Johnson gilt als einer der kreativen Köpfe hinter den Klassikern "Civilization 3" und "4". Mit Mohawk Games und seinem neuen Spiel "Old World" fordert er den 4X-Platzhirsch direkt heraus.

Die Römer greifen vom Westen an, ein babylonischer Spion wird in unserer Hauptstadt entdeckt und währenddessen wird unser König wohl langsam wahnsinnig – es ist viel los im Staate Griechenland. "Old World" von Mohawk Games entführt die Spieler und Spielerinnen in eine Antike, in der sich Skythen mit Persern beharken, Allianzen durch Heirat oder Diplomatie geschmiedet werden und Reiche durch Kriege zugrunde gehen. Es ist ein episches Globalstrategieabenteuer, das sich neben dem zugänglichen "Civilization" auch an Strategiebrocken wie "Crusader Kings" mit seinen zahlreichen Figuren und ihren Eigenheiten orientiert. Neben dem Kampf um die Weltherrschaft auf zufällig generierten Welten gibt es auch ein Kampagnen-Szenario über die Gründung Karthagos.

Trailer zu "Old World"
(Quelle: Mohawk Games)

Spielerisch folgt es den bekannten 4X-Pfaden: auskundschaften ausbreiten, ausbeuten und auslöschen. Nachdem wir bei unseren Anspielstunden König Philip von Mazedonien ausgewählt haben, wird schnell eine erste Stadt errichtet. Arbeiter beginnen mit dem Bau von Farmen und die Scouts erkunden das Gelände. Dank der gewohnten "Civ"-Perspektive ist das anfangs sehr überschaubar, aber sobald die Scouts andere Völker entdeckt haben oder mehrere Gebäude stehen, wird es kompliziert. Die Erziehung der Nachfahren muss geplant werden und andere Völker wenden sich mit Bündnis-Vorschlägen, Kriegserklärungen oder Heiratsangeboten an den Herrscher. Das ist nur der Anfang.

"Old World" angespielt (5 Bilder)

Komplex, altmodisch und gut: Die 4X-Globalstrategie "Old World" macht keine großen Experimente. (Bild: heise online)

Der Hofstaat wächst und damit auch die Entscheidungsvielfalt. Ob sich der Erstgeborene als General, Gouverneur oder sogar als fieser Intrigant am Hofe eignet, ist nicht so leicht zu erkennen. Noch dazu können alle krank werden oder an Altersschwäche sterben. Alle diese Figuren entwickeln wie in "Crusader Kings" ihre Eigenheiten. Manchmal geht das gut und ein hoffnungsvoller Nachfahre wird zum stolzen Krieger, manchmal wird er auch zum faulen Taugenichts.

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Ein wichtiges Spielelement sind die sogenannten Orders. Sie geben vor, wie weit die Truppen sich bewegen und welche Aktionen sie ausführen können. Bestimmte Errungenschaften erhöhen die Anzahl dieser Orders. Das ist auch bitter nötig, denn mit jeder neuen Stadt und jeder neuen Einheit müssen diese spärlichen Punkte gleichmäßig verteilt werden. Wer seinen Scout zu weit durch die Gegend schickt, hat am Ende keine Order mehr übrig, um die Grenzen zu sichern. Praktischerweise bügelt eine "Undo"- Funktion kleine Fehler aus.

Um bei der griechischen Mythologie zu bleiben: So ein Reich zu kontrollieren, ist eine wahre Herkulesaufgabe. Statistiken im Auge behalten, Kriege führen, Technologie aufrüsten und die Nachfahren verkuppeln – all das erfordert viel Aufmerksamkeit. Was fehlt, ist ein wenig das Feedback, wenn mal etwas schiefläuft. Die zahlreichen verschachtelten Menus machen den Überblick gerade für Genre-Neulinge schwierig. Da kann es schon passieren, dass unser Herrscher stundenlang am Aufstieg Griechenlands werkelt, bis er plötzlich merkt, dass ein anderes Volk ihn längst abgehängt hat. Spieler und Spielerinnen müssen ganz schön ackern, um die Weltherrschaft an sich zu reißen.

"Old World" von Mohawk Games spricht mit seinem Mix aus "Civilization" und "Crusader Kings" erfahrene Genrefans an. Einerseits müssen die Spieler und Spielerinnen weitreichende Schritte zur Expansion planen. Andererseits müssen sie einen komplizierten Hofstaat organisieren und ihr Erbe geschickt regeln. Recht schnell will hier jeder Schritt wohlüberlegt sein, bevor das eigene Reich in Trümmern liegt. Das bietet enorme Spieltiefe, ist aber nüchtern inszeniert und ganz schön altmodisch. Wer aber keine spielerische Revolution erwartet, darf sich auf anspruchsvolle 4X-Globalstrategie freuen.

"Old World" ist exklusiv als Download im Epic Games Store erschienen. Es kostet ca. 33 €. USK nicht geprüft.

(dahe)