Opel Grandland X Hybrid4 mit Plug-in-Hybrid im Test

Der Grandland X PHEV ist ein kraftvoller Cruiser. Sparrekorde darf man bei 300 PS Systemleistung allerdings nicht erwarten.

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Opel Grandland X Hybrid 4

(Bild: Christoph M. Schwarzer)

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  • Christoph M. Schwarzer
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Leise, bitte! Das künstliche Umgebungsgeräusch ist im Innenraum des Opel Grandland X Hybrid4 fast unhörbar. Eine angenehme Auslegung und eine sinnvolle, denn das Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS) soll die Menschen auf der Straße warnen und nicht den Komfort der Reisenden mindern. Das passt zum Grandland X mit Plug-in-Hybridantrieb: Der Fahrkomfort hat Priorität, und hier liegt die Stärke dieses Modells. Er ist mit 221 kW (300 PS) auch ziemlich kraftvoll. Der Preis des Allradlers: Ab 51.165 Euro; eine Summe, die sich durch die Kombination aus staatlicher Förderung und Unternehmensnachlass – dem sogenannten Umweltbonus – auf 47.059 Euro reduziert.

Attraktiv sind Plug-in-Hybride vor allem für Selbstständige und Gewerbetreibende, weil sich die pauschale Versteuerung des geldwerten Vorteils der Privatnutzung halbiert. Im Pressetext redet Opel von Jägern, Seglern und „Birdwatchern“ als potenziellen Kunden. Wahrscheinlich werden die Käufer aber eher jene sein, die vom Fiskal-Nachlass profitieren, denn für Waldwege ist der Grandland X zu schade, für Yachten hat er mit 1250 kg zu wenig Anhängelast, und Vogelkundler gehen zumindest im norddeutschen Deichvorland zu Fuß. Der Grandland X Hybrid4 konkurriert also schlicht mit beliebten Kompakt-SUVs wie dem VW Tiguan und dem Toyota RAV4. Von Tiguan und RAV4 sind Plug-in-Hybride angekündigt, erhältlich ist er bei Opel.

Der Opel Grandland X Hybrid4 teilt die Plattform mit diversen Modellen aus dem PSA-Konzern; so steht unter anderem der Peugeot 3008 GT Hybrid4 (Test) auf der „EMP2“, die in Kooperation mit dem chinesischen Unternehmen Dongfeng Motor entstand. Die Batteriezellen wiederum stammen von LG Chem, und die Bruttokapazität liegt bei 13,2 kWh. Genug für durchschnittlich 43 km rein elektrischer Realreichweite, wobei grundsätzlich nicht auf Annehmlichkeiten wie die Heizung verzichtet wurde. Außerdem lief der Testwagen auf Winterreifen; bei milderen Temperaturen als einstelligen Plusgraden ist also eine leichte Annäherung an die Werksangabe von 59 im WLTP zu erwarten.

In der Praxis sorgt das Layout des Antriebsstrangs zeitweise für das Gefühl, ein batterieelektrisches Auto zu fahren: So lange Strom verfügbar ist, wird der Grandland X nämlich über die Hinterachse angetrieben. Also ohne Schaltrucke, maximal geschmeidig. Plug-in-Hybride, die dagegen keine Axle Split-Bauweise haben wie zum Beispiel der VW Passat GTE (Test) erzeugen im E-Betrieb je nach Getriebe unterschiedlich starke Schaltrucke. Das liegt daran, dass der richtige Gang eingelegt sein muss, falls der Verbrennungsmotor anspringt.

Neben dem Elektromotor an der Hinterachse mit 83 kW für bis zu 135 km/h Geschwindigkeit hat der Opel Grandland X Hybrid4 einen weiteren an der Vorderachse. Er ist in die 8-Gang-Wandlerautomatik integriert und leistet 81 kW. Der Dritte im Verbund ist der Vierzylinder-Benziner mit 147 kW (200 PS); ein Turbodirekteinspritzer mit 1,6 Litern Hubraum.

Test Opel Grandland X Hybrid4 (10 Bilder)

Der Opel Grandland X Hybrid4 Innovation kostet 51.165 Euro, von denen nach Abzug des so genannten Umweltbonus 47.059 Euro übrig bleiben. Dafür bekommen die Kunden einen entspannten und bei Bedarf äußerst kraftvollen Cruiser: Der Opel hat 221 kW (300 PS) Systemleistung.
(Bild: Christoph M. Schwarzer)

Es ist üblich, dass die Leistungsdaten der einzelnen Motoren nicht addiert werden, sondern im System reduziert sind. Die 221 kW (300 PS) Gesamtleistung sind mehr als genug: Bei Bedarf beschleunigt der Opel in 6,1 Sekunden auf 100 km/h. Der Vierzylinder wird dann deutlich hörbar, und irgendwie passt das überhaupt nicht zum eher sanften Charakter dieses Autos. Man weiß, dass man kann, wenn es unbedingt mal sein muss. Beim Überholen auf der Bundesstraße oder beim Einfädeln auf der Autobahn.

Diesem Überfluss zum Trotz sollten Interessenten nicht auf den elektrischen Allradantrieb verzichten. Es gibt den Opel Grandland X Hybrid auch ohne die Ziffer 4. Dann ist er beim Bruttolistenpreis 6500 Euro günstiger, aber es entfällt neben dem ruckfreien elektrischen Hinterradantrieb auch die Traktionsstärke des Hybrid4. Die Fahrleistungen gehen merklich zurück (8,9 Sekunden statt 6,1 Sekunden bis 100 km/h, 225 statt 235 km/h Maximaltempo), was eher gleichgültig ist, und der reine Fronttriebler ist etwas leichter (1810 statt 1875 kg). Nur die Geizigen unter den Wohlhabenden werden die 4 weglassen.

Gemäß den gesetzlichen Vorgaben gibt Opel 1,3-1,4 Liter Superbenzin an, was 29-32 Gramm CO2 pro Kilometer entspricht. Es ist bekannt, dass diese Werte das Ergebnis einer Mischformel sind, die den verbrennungsmotorischen Verbrauch mit dem elektrischen Verbrauch anhand der Reichweite gewichtet. Anders formuliert: Das ist EU-Verfahren intransparent. Bei heise/Autos sind darum alle Werte nach Antriebsart aufgeteilt und auf 100 km hochgerechnet.