Pedelec aus dem 3D-Drucker: Das E-Bike Urwahn Platzhirsch im Test

Das Urwahn Platzhirsch ist ein Pedelec, dessen Stahlrahmen im 3D-Druckverfahren hergestellt wird. Es wiegt nur 14 kg – inklusive Antrieb von Mahle und Batterie.

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(Bild: Christoph M. Schwarzer)

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  • Christoph M. Schwarzer
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"Wow, was ist das?" Gestatten: Urwahn Platzhirsch. Wer mit diesem Pedelec durch die Stadt cruist, sollte auf Fragen von Fahrrad-affinen Menschen vorbereitet sein. Kern des Platzhirschs ist die Kombination eines Stahlrahmens, der im 3D-Druckverfahren hergestellt wurde, sowie einem elektrischen Hilfsantrieb des Automobilzulieferers Mahle. Das Pedelec wiegt nur 14 Kilogramm, ist zugleich ultrastabil, es fährt sich agil und sehr präzise. Anders ausgedrückt: Das Urwahn-Bike ist ein Freudenspender.

Urwahn Platzhirsch (9 Bilder)

Das Urwahn Platzhirsch ist ein Pedelec mit einem Stahlrahmen, der regional im 3D-Druckverfahren hergestellt wird. Gesamtgewicht: 14 Kilogramm.
(Bild: Christoph M. Schwarzer)

Am auffälligsten am Platzhirsch ist das unterbrochene Sattelrohr im Rahmen. Ein faszinierendes Element: Subjektiv wirkt der gesamte Rahmen enorm steif. Und trotzdem hat er objektiv eine Eigendämpfung. Urwahn weist das in einem Video zum Sicherheitscheck nach DIN ISO 4210 (ab Timecode 0‘41") nach: Der Rahmen ist bei Vertikalbelastung hinten leicht flexibel. In Verbindung mit den hohen Flanken der Continental Urban Grand Prix-Bereifung sowie dem Gel-Sattel (Ergon GA30) bleibt der Platzhirsch sportlich, ohne übertrieben hart zu sein. Genau die richtige Mindestdosis Komfort für den Alltag.

Sebastian Meinecke, Geschäftsführer und Lead Designer bei der Magdeburger Urwahn Engineering GmbH, bringt das 3D-Druckverfahren auf den Punkt: "Letztlich ist es ein Schweißprozess in Schichtbauweise." Das Ausgangsmaterial ist ein Pulver, das durch die so genannte Verdüsung von Stahl gewonnen wird. Die Rahmenrohre, die in einem separaten Prozess entstehen, laufen mit den 3D-Druckteilen bei der Firma Rotor Bikes zusammen und werden dort händisch verschweißt. "Insgesamt dauert das gerade mal drei Arbeitsstunden", so Meinecke, "und eine weitere Teilautomatisierung über Laserschweißroboter ist möglich."

Mit dieser regionalen Rahmenfertigung hebt sich Urwahn von der Konkurrenz ab, die nahezu unisono in asiatischen Ländern wie Taiwan, Vietnam oder Kambodscha bestellt. In diesem Jahr strebt man bis zu 150 Bikes im Manufakturbetrieb an, was kein Problem sein dürfte, weil die 100 bereits überschritten sind. Gut 60 davon entfallen auf den elektrifizierten Platzhirsch, den Rest macht der konventionelle Stadtfuchs aus. Lieferzeit: 45-60 Tage nach Bestellung.

Für die von heise Autos gefahrene Singlespeedversion mit Gates Drive (alternativ: Shimano XT Kettenschaltung 11-fach) hat der Kunde die Wahl zwischen der Übersetzung 60 zu 20 oder 55 zu 20. Wer eine gewisse Kondition hat, sollte unbedingt die im Testrad verbaute lange Übersetzung nehmen. Der Mahle X35-Antrieb (aka "ebikemotion") schiebt geräuschfrei, feinnervig und geschmeidig mit an. Drei, vier, fünf Tritte, und die gesetzliche 25 km/h-Grenze ist erreicht. Das Weitertreten ist – eigene Beinkraft vorausgesetzt – problemlos möglich. Ein Modus, der sich schnell einstellt. Das Teil geht wie die Sau.

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Der Mahle-Antrieb unterscheidet sich damit deutlich von den Bosch-Mittelmotoren. Es ist tatsächlich der viel zitierte Rückenwind beim Beschleunigen. Kraftvoll und gefühlt ziemlich natürlich. Der E-Motor regelt sehr exakt. Und er bietet wie gesagt die wichtige Option, über 25 km/h weiterzutreten; hier erinnert das Mahle-System an das von Fazua Evation. Im Ergebnis schont man automatisch die mit 250 Wattstunden (Wh) relativ kleine Batterie. Selbst auf ausgedehnten 50 km-Touren durch Hamburg war der elektrochemische Speicher nicht kleinzukriegen. Unser Tipp: Verzichten Sie auf den zusätzlich erhältlichen Trinkflaschenakku mit 208 Wh. Grundsätzlich ist es schön zu sehen, wie sehr sich der Markt der Pedelec-Antriebe inzwischen differenziert und professionalisiert hat, und der heutige Stand ist sicher nicht das Ende der Entwicklung.