Peugeot 2008 PureTech 130 EAT8 im Test

Peugeot verlängert den 2008 auf neuer technischer Basis. Davon profitiert vor allem der Komfort. Der bewährte, kräftige Downsizing-Antrieb wurde sparsamer.

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Peugeot 2008 PureTech 130 EAT8 im Test
Von
  • Florian Pillau
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Anfangs haben wir uns noch über die Bezeichnung „Urban Crossover” noch gewundert. Nach sieben Jahren und einer Modellpflege ist das Konzept so geläufig, dass wir nicht weiter darüber nachdenken. Solche Autos sind mittlerweile derart in Mode, dass man bei der Aufzählung in Platznot kommt: BMW X2 (Test), Mazda CX-3, Skoda Kamiq (Test), Mini Countryman (Test) und Honda HR-V (Test), Renault Captur oder VW T-Roc sind nur einige.

Alle buhlen um Aufmerksamkeit, drängen sich optisch nach vorn. Das „City SUV”, wie Peugeot den 2008 nennt, macht da keine Ausnahme mit seinem – neutral gesagt – expressiven Äußeren. Dazu gehören eine operettenhafte Front und zwei verchromte „Auspuffblenden” im Stil eines fetten V6- oder V8-Wagens – wohlgemerkt für einen Dreizylindermotor! So anziehend erfrischend das alles heute auf manchen wirken mag, so dringend wird er sich zur Modellpflege bereits eine Änderung wünschen. Zeitlos war einmal.

Viel wichtiger: In zweiter Generation, erhältlich seit Ende 2019, hat Peugeot seinen 2008 deutlich gestreckt. Der Radstand wurde um ganze 11 Zentimeter auf 2605 mm vergrößert, die Gesamtlänge von 4160 auf 4300 mm. Ein zwischen den Achsen längeres Auto verspricht schon wegen der hinteren Beinfreiheit einen höheren Raumkomfort. Der Kofferraum wächst dabei von 350 auf 405 Liter, bei umgelegten hinteren Lehnen bietet der 2008 nun einen ebenen Ladeboden und 1467 Liter Ladevolumen. Schade, dass das die Zuladung mit 345 bis 460 kg ziemlich bescheiden bleibt.

Peugeot 2008 (32 Bilder)

An die Crossover-Modelle haben wir uns gewöhnt. Mit der Expressivität der neuen Modelle fremdeln wir jedes mal wieder ein bisschen. (Bild: Florian Pillau)

Der Peugeot bleibt nur dem Namen nach ein 2008, ist ansonsten eine Neukonstruktion. Den bewährten 1,2-Liter-Dreizylinder behält er. Wenn man eine Otto-Motorisierung wünscht, ist das sogar die einzige Alternative, erhältlich immerhin in drei Leistungsstufen mit 74 (100 PS), 96 (131 PS) oder 114 kW (155 PS). Wir fuhren die mittlere, gekoppelt an eine Achtgang-Wandlerautomatik. Erstaunlich, dass sich mit dem Größenwachstum auch das Gewicht nicht verändert hat – es blieb bei rund 1,3 Tonnen.

Neu sind die hohen und gleichzeitig breiten Schweller, sonst wäre der Einstieg auf die relativ hohen Sitzflächen für die Gruppe der vom Marketing als „Junggebliebene” bezeichneten Menschen fast ideal. Die Sitze behindern dabei auch vergleichsweise wenig durch maßvolle Seitenwangen an Sitzfläche und -lehne. Das Lenkrad ist oval und recht klein. Unnötige Ziernähte und Metallverzierungen geben ihm ein Griffgefühl wie ein Trockenfisch: rauh, hart und vielfach geknickt.

Die Sitze dagegen fühlen sich angenehm an und lassen sich für normal Große gerade noch weit genug verstellen. Für meinen langbeinigen Kollegen wären die Schienen vorn aber viel zu kurz. Raumgefühl und Aussicht sind vorn angenehm im Vergleich zu Autos, die, allzu großzügig verblecht, ein Gefühl der Enge erzeugen. Hinten sind die Scheiben dafür aber schon zu weit nach oben gezogen. Angenehme Licht- und Luftverhältnisse verspricht das im Testwagen leider nicht eingebaute, große Glasdach – das sich anders als im Vorgängermodell tatsächlich öffnen lässt! Dafür gebührt Peugeot Lob. Eine Enttäuschung sind die vermeintlichen Verglasungen im Bereich der C-Säule: sie sind offenbar nur auf äußeren optischen Effekt angelegt und ermöglichen leider nicht den erhofften Durchblick von innen. Das betrifft leider den Bereich der aktiven Sicherheit.

Eingestiegen ohne den Schlüssel aus der Tasche zu kramen startet man den Motor auf Knopfdruck. Leider reagiert der Anlasser nicht so prompt wie erhofft: Der Peugeot scheint erst mal einige Checks durchzuführen, bevor Strom für den Starter freigegeben wird. Ähnlich gehemmt zeigt sich die Befehlskette des Shift-by-Wire-Wählhebels für das achtstufige Automatikgetriebe. Bis die Fahrstufe eingelegt ist, vergehen immer ein paar Augenblicke. Da ich auch andere Fahrzeuge bewege, bei denen das nicht so ist, finde ich das lästig.

Der kleine Dreizylinder läuft gut gedämmt und brummt beim Losfahren oder Beschleunigen fast ein bisschen dieselig. Davon abgesehen überzeugt die Ruhe im Interieur. Schneller unterwegs gibt einem der leise Antrieb die Chance, Wind- oder Reifengeräusche zu hören, doch sind auch die so unterschwellig, dass sich insgesamt eine gelassener Reiseatmosphäre ausbreitet. Dazu passt, dass sich die vorderen Seitenfenster zugfrei einen Spalt breit öffnen lassen. Nicht gut damit harmonieren aber die bisweilen recht prominent hörbaren Geräusche aus der Radaufhängung bei bestimmten Anregungen von der Fahrbahnoberfläche.