Pixel 4a: Google-Smartphone mit mehr Leistung im Mittelklasse-Bereich

Googles neues Budget-Phone Pixel 4a leistet mehr und kostet weniger als sein Vorgänger. Bis zum Verkaufsstart dauert es aber noch.

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(Bild: Google)

Von
  • Stefan Porteck

Nachdem lange über das Pixel 4a spekuliert worden war, machten Gerüchte die Runde, dass Google dieses Jahr gar keine abgespeckte Variante seines Top-Modells herausbringen würde. Doch nun kommt das Pixel 4a doch auf den Markt – wenn auch etwas verzögert. Ab September lässt es sich bestellen, im Oktober soll es mit der Auslieferung losgehen. Wir haben es bereits getestet.

Während das Pixel 3a gegenüber dem Pixel 3 noch deutlich abgespeckt daherkam, traut Google der a-Linie nun wohl mehr zu: Im Vergleich zum 3a wächst der Speicher des 4a von 64 GByte auf 128 GByte, während der Arbeitsspeicher von vier auf sechs GByte aufgestockt wurde. Angetrieben wird das 4a von einem Snapdragon 730. Damit bleibt es in Sachen Rechenpower leicht hinter vergleichbaren Smartphones wie dem OnePlus Nord. Ein SD-Karten-Slot fehlt wie bei jedem Pixel, was nun aber eher zu verschmerzen ist. Darüber hinaus hat Google den Preis gesenkt: Schlug das 3a noch mit 380 Euro zu Buche, sind für das neue Modell nur 350 Euro aufgerufen. Ein kleiner Wermutstropfen: Das Pixel 4a wird es nur in Schwarz geben – die anderen Farbvarianten wurden gestrichen. Eine 5G-Version ist für Ende des Jahres angekündigt. Sie wird wohl zusammen mit dem Pixel 5 erscheinen und soll dann 500 Euro kosten.

Das Pixel 4a hat die dünnsten Display-Rahmen aller bisherigen Pixel-Modelle und anders als das 4er weiterhin einen Fingerabdrucksensor.

(Bild: c't)

Das günstige Pixel hat eine Kunststoffrückseite und ist damit gut gegen Sturzschäden gefeit. Außerdem liegt die gummierte Rückseite mit integriertem Fingerabdrucksensor gut in der Hand und wirkt wegen geringerer Empfindlichkeit gegen Fingerabdrücke sogar gefälliger als beim Pixel 4. Altbacken wirkt das Pixel nicht mehr: Seitlich und oben hat es einen nur drei Millimeter breiten Displayrahmen; unten sind es vier Millimeter. Damit ist das 4a im Vergleich mit dem Pixel 4 in der Höhe um drei Millimeter geschrumpft, während sich das Display von 5,7 Zoll auf 5,8 Zoll vergrößert hat.

Da bleibt nicht viel Platz für Peripherie: Der obere Lautsprecher findet im Rahmen noch seinen Platz, die unteren Lautsprecher stecken wieder in der Unterkante. Die Frontkamera wanderte indes oben Links in ein Punchhole (4 mm) im Display. Der Akku des kompakten Phones hat eine Kapazität von 3140 mAh. Damit erbt es ein Stück weit die Schwäche seiner Vorgänger, auch wenn die Laufzeiten länger ausfallen: 10,1 respektive 12,7 Stunden beim Streamen und Abspielen eines lokal gespeicherten Videos sind eher unterdurchschnittlich.

Deutlich spannender ist aber die Hauptkamera, die bei bisherigen Pixel-Phones stets sehr gute Bilder schoss. Da macht auch das 4a keine Ausnahme: Es verfügt über die gleiche weitwinklige 12,2-Megapixel-Kamera (f/1,7, OIS) wie das große Schwestermodell. Google hat jedoch die Telelinse weggelassen, weshalb das 4a auf den Hybridzoom verzichten muss, der optischen und digitalen Zoom kombiniert. Doch im Vergleich zum OnePlus Nord und anderen Telefonen der Mittelklasse liefert der Digitalzoom des Pixel 4a die besseren Ergebnisse. Auch die anderen Pixel-exklusiven Kamerafunktionen wie der Astro-Modus sowie die Dual-Exposure-Funktion, bei der sich die Belichtung von Hintergrund und Hauptmotiv getrennt voneinander einstellen lassen, sind an Bord.

Die Aufnahmen des Pixel 4a sind natürlich und zeigen auch dort noch Strukturen, wo bei der Konkurrenz die Details vermatschen. Auf dem Smartphone-Display betrachtet gefallen die Aufnahmen. Das gilt auch noch für Aufnahmen bei schummrigen 5 Lux. Selbst bei 0,5 Lux bringt das Pixel 4a noch brauchbare Fotos zustande, nimmt sich dafür auf dem Stativ im Nachtmodus aber auch bis zu eine Minute Zeit. Freihändig geschossen, zaubert das Pixel zwar viel Licht ins Dunkel, aber kaum noch Details. Dennoch: Um unter diesen Bedingungen noch bessere Fotos aufzunehmen, muss man schon zu 1000-Euro-Smartphones wie dem Huawei P40 Pro greifen.

Im Nachtmodus der Kamera-App gelingen dem 4a auch bei 0,5 Lux noch beeindruckende Bilder.

(Bild: c't)

Das Pixel 4a wartet mit einem OLED-Display mit 2340 × 1080 Bildpunkten (444 dpi) auf. Die Darstellung wirkt dank des satten Schwarzes sehr knackig und kontrastreich. Das bleibt auch draußen so: Manuell lässt sich jeweils eine Helligkeit um 410 cd/m2 einstellen, was in den meisten Fällen mehr als ausreicht. Aktiviert man die adaptive Helligkeitsanpassung, erreicht es eine sehr hohe Leuchtdichte von 770 cd/m2, womit man auch bei Sonnenlicht noch gut etwas erkennt. Darüber hinaus zeichnet es sich durch sehr sattes Grün und Rot aus. Google macht derzeit noch keine Angaben zum Farbraum, doch unsere Messungen zeigen, dass auch das Pixel 4a etwa AdobeRGB abdeckt. Fotos wirken trotz der satten Farben nicht künstlich oder quietschbunt. Wer es dennoch etwas zurückhaltender mag, schaltet in den Displayeinstellungen die Farbdarstellung in einen dezenteren Modus, der etwa sRGB und damit der Darstellung von LCDs entspricht.

In puncto Winkelabhängigkeit schneidet das Pixel 4a gut ab: Schaut man nicht direkt aufs Display, erscheinen die Farben nur unwesentlich entsättigt. Weiß und Grautöne schillern aus größeren Winkeln wie bei den meisten OLEDs jedoch leicht grünlich oder lila. Um das im Alltag überhaupt zu bemerken, muss der Weißanteil des Bildes aber schon sehr hoch sein. Beim Videoschauen, Fotos ansehen oder Spielen fällt die leichte Farbveränderung praktisch nicht auf.

Wie bei Google üblich soll das Pixel 4a drei Jahre lang monatliche Sicherheitspatches und Upgrades auf neue Android-Versionen erhalten. Seit rund zwei Jahren liefert Google darüber hinaus exklusive Apps und Android-Features, die anderen Smartphones verwehrt bleiben. Im vergangenen Jahr kamen die sogenannten Feature-Drops hinzu, mit denen Google mehrmals im Jahr neue Funktionen nachreicht. So hat das 4a unter anderem die exklusive Kamera-App mit ihrem guten Nacht- und Astro-Modus an Bord. Mit dem nächsten Funktions-Update soll zudem ein Portrait-Modus für Haustiere Einzug halten. Auch der bereits vergangenes Jahr vorgestellte neue Google Assistant soll im Herbst nun auch auf Deutsch starten und wurde uns von Google für das 4a bereits bestätigt. Das Schöne daran: Sofern die Hardware es zulässt, landen die Funktionen der Feature-Drops auch auf älteren Pixel-Phones.

Für Pixel-Fans hat sich das Warten gelohnt: Das 4a liefert viel Smartphone fürs Geld. Es ist günstiger und besser ausgestattet als das Vorgänger-Modell Pixel 3a und stiehlt dem teureren Pixel 4 optisch die Show. Im Vergleich zu High-End-Smartphones fehlt es zwar an den schnellsten Chipsätzen und noch besseren Kamerasystemen inklusive längeren optischen Brennweiten. Doch auch so schießt es in dieser Preisklasse unüblich gute Fotos und ist locker schnell genug für Casual-Gaming.

Dass man bei 350 Euro auf Qi-Laden und zertifizierte Wasserdichtigkeit verzichten muss, dürfte die meisten Nutzer wohl nicht stören. Nachdem das Pixel 4 für seine geringen Laufzeiten getadelt wurde, blieb hier die große Verbesserung aber aus. Wer sich einen Hauch mehr Leistung wünscht, muss sich noch einige Monate gedulden, bis die 5G-Version für 150 Euro Aufpreis erscheint.

Gegenüber der Konkurrenz zeichnet sich das Pixel 4a mit seinem unverbastelten Android mit exklusiven Pixel-Features aus. Zudem kommen die Updates zeitnah direkt von Google.

Google Pixel 4a
Betriebssystem / Bedienoberfläche Android 10
Android-Sicherheitspatch-Ebene Juli 2020
Prozessor / Kerne Qualcomm Snapdragon 730 (2 × 2,2 GHz, 6 × 1,8 GHz)
Grafik Qualcomm Adreno 618
Arbeitsspeicher / Flash-Speicher 6 GByte / 128 GByte
Wechselspeicher Nein
WLAN / Dual-Band Wi-Fi 5 / Ja
Bluetooth / NFC / Standortbestimmung 5.1 / Ja/ GPS, Glonass, Beidou, Galileo
Fingerabdrucksensor Ja
Mobile Datenverbindung&1 LTE Cat. 12 (600 MBit/s Down, 75 MBit/s Up)
Akku / austauschbar / drahtlos ladbar 3140 mAh / Nein / Nein
USB-Anschluss / Schnellladetechnik 3.1-Typ-C / SuperCharge 18 W
Abmessungen (H × B × T) 14,3 cm × 6,9 cm × 0,8 cm
Gewicht 143 g
Schutzklasse Keine Zertifizierung

Farbvarianten schwarz
Hauptkamera Auflösung / Blende / OIS 12,2 MP / f/1,7 / Ja
Frontkamera Auflösung / Blende 8,1 MP / f/2
Technik / Diagonale OLED / 5,8 Zoll
Auflösung (Pixeldichte) 2340 × 1080 Pixel (444 dpi)
Kontrast / Farbraum >10000:1 / AdobeRGB
Video (200 cd/m&2) 12,7 h
Video-Streaming 10,1 h
3D-Spiel (200 cd/m&2) 9,3 h
Preis 349 €

(spo)